08.05.2009 · Ein Bundespolizist, der bei den Mai-Krawallen in Berlin Steine auf Kollegen geworfen haben soll, ist vom Dienst suspendiert worden. Der 24 Jahre alte Beamte, der normalerweise auf dem Frankfurter Flughafen Dienst tut, war privat in Berlin.
Während der schweren Krawallen ist am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ein Bundespolizist als mutmaßlicher Steinewerfer festgenommen worden. Der vierundzwanzig Jahre alte Beschuldigte Reik L., der seit Beendigung seiner Ausbildung im August 2008 für die Bundespolizeidirektion am Frankfurter Flughafen arbeitet, war privat über das Wochenende nach Berlin gereist. Dort wurde er in der Krawallnacht gegen 23.30 Uhr nahe der Adalbertstraße in Berlin-Kreuzberg von Zivilpolizisten festgenommen.
Diese hatten den angetrunkenen Mann angeblich dabei beobachtet, wie er mindestens zwei Pflastersteine gegen Polizisten geworfen habe. Nach den Angaben sollen die Wurfgeschosse die Polizisten am Oberkörper getroffen haben. Gegen den Beschuldigten wurde Haftbefehl erlassen wegen schweren Landfriedensbruchs. Er kam gegen Meldeauflagen aber frei. Nach Angaben des Bundespolizeipräsidiums ist er zunächst bis zum Abschluss des Strafverfahrens vom Dienst suspendiert worden. Laut einem Zeitungsbericht soll der Polizist in seiner Freizeit am liebsten Paintball gespielt haben. Im Internet habe er seine Laune mit „auf Krawall gebürstet“ beschrieben.
Hunderte verletzte Polizisten
Bei den schwersten Krawallen seit Jahren waren in Berlin 479 Polizisten verletzt worden. Insgesamt 289 mutmaßliche Straftäter wurden festgenommen, darunter auch mehrere Personen, die versucht haben sollen, Polizisten mit brennenden Flüssigkeiten anzuzünden. Inzwischen mehren sich öffentliche Beschwerden von Polizeibeamten, die der polizeilichen Einsatzleitung und den politisch Verantwortlichen eine verfehlte Einsatztaktik und Inkonsequenz vorwerfen.
So seien Zugangskontrollen zu den späteren Gewaltdemonstrationen versäumt worden. Der Verkauf von Glasflaschen auf dem „Myfest“ habe tausendfaches Wurfmaterial geliefert, Festnahmen seien verschiedenen Einsatzkräften ausdrücklich untersagt worden. Angehörige Hamburger Einheiten berichteten, sie seien von einer Ecke zur anderen geschickt worden, die Berliner Polizeiführung habe sie aber kaum einsetzen wollen, mit der Begründung, das Auftauchen auswärtiger Polizeikräfte könne „eskalierend“ wirken. Man sei „ohne Rückendeckung“ von allen Seiten beworfen worden, die Berliner Kollegen hätten ungedeckt in Kleingruppen vorrücken müssen, das sei „wie ein Opfergang“ gewesen. Allein in einem Zug habe es neun Verletzte gegeben, also jeder dritte Beamte.
Fehler beim Einsatz
Unerklärlich blieb Einsatzkräften der Umstand, dass sämtliche Wasserwerfer aus dem Einsatzgebiet abgezogen wurden und die Einsatzkräfte zugweise in das Geschehen geschickt wurden, wobei sie vielfach in die Defensive gerieten und mehr mit der Eigensicherung gegen Flaschen- und Steinwürfe als mit der Festnahme von Straftätern befasst waren.
Ein Aufzug von mehr als eintausend gewaltbereiten, vermummten und mit Wurfmaterial bewaffnenden Autonomen war am frühen Abend zunächst nur durch eine Hundertschaft der Bundespolizei begleitet worden. Dabei wurden etwa ein Dutzend Beamte verletzt. Mehr als eine halbe Stunde habe diese Hundertschaft auf Verstärkung warten müssen, heißt es - obschon die Berliner Polizeiführung insgesamt mehr als 5000 Polizisten zur Verfügung hatte. Der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses will sich am kommenden Montag mit dem Verlauf des Einsatzes befassen.