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Becks Memoiren Nette Menschen und böse Hunde

25.09.2008 ·  „Ich habe nicht den Lafontaine gemacht“, sagte Kurt Beck bei der Vorstellung seiner Autobiografie. Darin verzichtet er darauf, die wirklich Schuldigen für seinen Rücktritt zu benennen. „Ich werde auch später nicht nachkarten“, sagte er.

Von Günter Bannas
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Oskar Lafontaine ist dieser Tage gefragt worden, ob es Kurt Beck in der SPD so ergangen sei wie einst dem SPD-Vorsitzenden Scharping. Der wurde 1995 auf dem Parteitag in Mannheim von Lafontaine gestürzt - erst durch dessen Rede, dann durch das Stimmverhalten der Delegierten. Der jetzige Frontmann der Linkspartei kam indes zu dem Schluss, Beck sei aus den Gründen zurückgetreten, aus denen er selber im März 1999 seine Ämter als SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister niedergelegt habe. Ursache sei gewesen, die Führungsfunktion in der SPD wegen des Verhaltens anderer nicht mehr ausüben zu können, also im politischen Sinne des Wortes nicht mehr handlungsfähig zu sein.

Beck würde diese vergleichende Analyse nicht machen, schon deshalb, weil er nicht, wie damals Lafontaine, sämtliche politischen Ämter niedergelegt habe. „Ich habe nicht den Lafontaine gemacht“, sagte er, als er am Donnerstag seine Autobiografie vorstellte. Es erwies sich in der Rückschau als Klugheit Becks, in seiner Zeit als Bundesvorsitzender der SPD die Ämter des rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden und des Ministerpräsidenten nicht abzugeben. So bleibt er, was er gewesen ist. Im Rahmen des Möglichen hat er nun - bei der Vorstellung seines Buches - darauf verzichtet, die wirklich Schuldigen zu benennen, denen er die Verantwortung für seinen Rücktritt zuzuschieben gedenke. „Ich werde auch später nicht nachkarten“, sagte er.

„Intrige? Das ist Quatsch“

Er mache sich auch nicht die Berichterstattung zu eigen, über eine „Intrige“ gestürzt zu sein. Insofern, fügte er im großen Kreis der Neugierigen in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin an, habe auch Schröder recht mit seiner Bemerkung „Intrige? Das ist Quatsch“. Das hatte der frühere Bundeskanzler in der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt - in Kenntnis einer Passage von Becks Buch. Darin gab er Erlebnisse und Erwägungen jenes Abends vor seinem Rücktritt wider. Er hatte die Fernsehberichterstattung über die beabsichtigte, doch vorab bekannt gewordene Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten verfolgt - mit ihrer „Falschinformation“, er sei von Steinmeier bedrängt worden. „ARD und ZDF berichteten diese vermeintlichen Hintergründe mit großem Nachdruck und mit Einzelheiten, die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen.“ Die naheliegende Vermutung, wen Beck als Mitakteur vermute, hat Beck nun nicht geteilt. Er blieb bei seiner Darstellung, die Leute der „zweiten Reihe“ hätten gegen ihn gearbeitet.

Oder doch nicht ganz? Beck hatte auch mit der Zeitschrift „Stern“ gesprochen. Da sagte Beck über Schröder: „Ich traue Gerhard manches flapsige Wort zu, aber ich glaube nicht, dass da bewusst Drähte gezogen worden sind.“ Doch sagte Beck auch etwas über das Verhältnis der „ersten Reihe“ - also möglicherweise Müntefering oder Steinmeier - zur „zweiten Reihe“ - also alle möglichen Berater und Sprecher: „Ich verweise da auf die Geschichte vom Mann und seinem bösen Hund, der immer die Nachbarn beißt. Der sagt, wenn man sich beschwert: Ich bin ein netter Mensch, nur mein Hund ist böse. Aber wenn man einen solchen Hund hat, muss man ihn an die Kette legen.“ Am Donnerstag hat es Beck vermieden, die Besitzer der „bösen Hunde“ zu nennen. Nicht einmal das Gleichnis vom bösen Hund und seinem Besitzer brachte er auf.

„Ich will nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten

So ist das häufig in der Politik: In Zeitungen wird gerne mehr gesagt und deutlicher gesprochen als dann, wenn die Fernsehkameras dabei sind. In der Illustrierten nannte Beck den Grund, weshalb er nicht zu dem Parteitag fahre, auf dem Müntefering gewählt werde. „Ich will vor allem nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten.“ Bei der Buchpräsentation vermerkte er, er tue der Partei einen Gefallen, wenn - beispielsweise bei Münteferings Rede - jede seiner „Gesichtsregung“ aufgezeichnet würde.

Eigentlich sollte das Buch „Kurt Beck - Ein Sozialdemokrat“ allein der „Sozialdemokratie“ und eben einem ihrer Mitglieder gelten: Aufstieg aus kleinen Verhältnissen; Steinmeier - der richtige Kandidat; auch seine Schwierigkeiten mit Müntefering. Nach dem 7. September - dem Tag seines Rücktritts - kam ein neues Kapitel hinzu. Beck stellte es voran. Seit jenem Hintergrundgespräch im Februar mit Journalisten in Hamburg, führte er aus, sei ihm klar gewesen, dass er nicht Kanzlerkandidat werden könne. Doch übte er sich auch in Diskretion. Nicht einmal den einigermaßen bekannten Umstand, er habe Olaf Scholz, den Arbeitsminister als Parteivorsitzenden empfohlen, hat er darin öffentlich bestätigt. Er habe das Buch kaum umschreiben müssen, hat er versichert.

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Jahrgang 1952, Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

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