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Beck und der 1. FC Kaiserslautern : „So eine Kuh lässt man nicht verhungern“

1998 war die Welt des 1. FCK noch in Ordnung: Ministerpräsident Beck im Meisterjubel Bild: picture-alliance / dpa

Die rheinland-pfälzische SPD wehrt sich gegen Vorwürfe, sie habe 2003 zusammen mit der FDP dem 1. FC Kaiserslautern auf dem kurzen Dienstweg eine unverantwortliche Finanzhilfe gewährt. Wenn sein Lieblingsfußballverein in Schwierigkeiten steckt, hilft Kurt Beck gerne - und das sei „rechtens und richtig“ gewesen.

          Wenn sein Lieblingsfußballverein in Schwierigkeiten steckt, hilft Kurt Beck gerne. Als der frühere deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern in dieser Saison fast bis zum Ende der Saison gegen den Abstieg in die Drittklassigkeit kämpfte, feuerte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident die „roten Teufel“ auf der Ehrentribüne des Fritz-Walter-Stadions das eine oder andere Mal kräftig an. Mit viel Kampfgeist und Glück hielt sich der Verein in der Zweiten Bundesliga.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Doch nun gerät Becks SPD-Landesregierung wegen einer unbürokratischen, aber für den Steuerzahler kostspieligen Finanzhilfe des damaligen sozial-liberalen Kabinetts für den FCK im Jahr 2003 unter Druck. Die CDU-Opposition im Mainzer Landtag um ihren Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf warf vergangene Woche SPD-Politikern wie dem damals noch als Staatssekretär tätigen Innenminister Karl-Peter Bruch und dem früheren Finanzstaatssekretär und heutigen Finanzminister Ingolf Deubel Verhalten wie in einer „Bananenrepublik“ vor.

          Die Stadt bürgt für die Millionen-Schulden der Stadiongesellschaft

          Durch den von der Landesregierung angeregten Verkauf des vereinseigenen Fritz-Walter-Stadions für 56 Millionen Euro an eine eigens gegründete städtische Stadiongesellschaft war der FCK im Jahr 2003 entschuldet und vor dem drohenden Konkurs gerettet worden. Auch um das als Austragungsort der Fußball-WM 2006 vorgesehene Stadion weiter umbauen zu können, hatte die Landesregierung dem von Deubel entwickelten Sanierungsplan zugestimmt.

          Über rechtliche und finanzielle Bedenken der Kommunalaufsicht gegen den Verkauf setzte sich Bruch im Namen der Landesregierung als seinerzeit zuständiger Staatssekretär 2003 hinweg, wie vergangene Woche durch einen Bericht des Südwestfunks bekannt wurde. Inzwischen muss die selbst hochverschuldete und 2003 von dem CDU-Oberbürgermeister Bernhard Deubig regierte Stadt Kaiserslautern für die etwa 70 Millionen Euro Schulden der Stadiongesellschaft bürgen.

          In der Landtagsdebatte warf der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion Hans-Josef Bracht der Landesregierung nichts weniger als „Rechtsbruch“ vor, weil sie das Parlament fünf Jahre lang nicht über zwei kritische Gutachten zum Stadionkauf informiert und bisher kein tragfähiges Lösungskonzept für das Dauerproblem vorgelegt habe. Auffallend zurückhaltend in dem Streit verhält sich die kleinere Oppositionspartei FDP, die 2003 die Hilfe für den 1. FC Kaiserslautern als Regierungspartner mitgetragen hatte. In Ruhe müsse nun ein tragfähiges Konzept für den teuren Stadionbetrieb und den Verein erarbeitet werden, forderte der FDP-Abgeordnete Thomas Euler.

          „Es gab keine Alternative zum Stadionausbau“

          Die inzwischen zu Ministern aufgestiegenen SPD-Politiker Bruch und Deubel verteidigten energisch ihre damalige Entscheidung gegen die Angriffe der CDU. Ihre Abwehrstrategie deckt sich mit der ihres Chefs Kurt Beck. Drei Jahre vor der WM habe „akute Insolvenzgefahr“ bestanden, das Stadion sei mitten im Umbau gewesen, sagt Finanzminister Deubel. Eine „Bauruine“ und „Sportbrache“ in dem Traditionsstandort Kaiserslautern und im schlimmsten Fall der Entzug der WM-Spiele für Rheinland-Pfalz habe unbedingt vermieden werden müssen. Die Kommunalaufsicht als untergeordnete Behörde habe eine „isolierte Sichtweise“ gehabt, während die Landesregierung eine „Gesamtbewertung“ auch der wirtschaftlichen Folgen für Stadt und Region habe treffen müssen.

          Während der heftig tobenden Debatte überließ Beck die Abwehrschlacht seinen Ministern und vertiefte sich stattdessen in das Studium von Akten. Nur nicht die lästige Angelegenheit durch eine Verteidigungsrede des Ministerpräsidenten zusätzlich aufwerten, lautete die taktische Vorgabe des SPD-Trainers Beck.

          Bei einem Arbeitsbesuch in Brüssel zwei Tage zuvor musste sich Beck nach einem europapolitischen Exkurs in seiner Rolle als SPD-Vorsitzender indes auch den kritischen Fragen der mitgereisten rheinland-pfälzischen Journalisten stellen. „Es gab schlicht und einfach keine Alternative zum Stadionausbau“, antwortete Beck im gelassenen Ton des Landesvaters, der allein den Überblick hat. Auch in Zukunft werde es sich seine Landesregierung „erlauben, nachgeordnete Behörden anzuweisen“. Im Fall FCK habe sich die SPD-FDP-Landesregierung seinerzeit verhalten wie bei jedem mittelständischen Betrieb, dem geholfen werden müsse.

          Ein „Riesenimpuls“ für die strukturschwache Region

          Immerhin habe der Verein in den vergangenen 15 Jahren auch gut 150 Millionen Euro an Steuern abgeführt. Das Land hätte dem Verein auch geholfen, „selbst wenn die linksbeiniges Sackhüpfen veranstalten würden“. Durch die öffentlichen und privaten Investitionen im Zusammenhang mit den WM-Spielen in Kaiserslautern seien zudem ein bis dahin fehlender Busbahnhof und einer der „modernsten“ Bahnhöfe entstanden. Mit der WM sei ein „Riesenimpuls“ für die strukturschwache Region gesetzt worden. „Das war nicht nur rechtens, sondern auch richtig.“

          Und auch in dieser Lage hat Beck eine pfälzische Bauernweisheit parat, die im Fußball wie in der Politik passt: „Eine Kuh, die so viel Milch gibt, lässt man nicht verhungern, wenn mal das Futter knapp wird.“

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