03.03.2012 · Abrechnungsbetrug bei ambulanten Pflegediensten ist in Deutschland weit verbreitet. Gesundheitsminister Bahr spricht sich in der F.A.S. dafür aus, ihn „mit aller Konsequenz“ zu verfolgen.
Von Katrin HummelRichtlinien für Lesermeinungen
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Nachdem ich das gelesen habe...
werde ich nun auch einen Pflegedienst gründen.
In 5 Jahren habe ich 10 Mio. und setze mich zu Ruhe.
Viele Grüße an die deutschen Gesundheitspolitiker!
Der Schaden in € und Cent sind uU das kleinere Problem
Wenn Pflegeleistungen nicht durchgeführt aber abgerechnet werden
sind wir doch auch im Bereich der unterlassenen Hilfeleistung, der
Körperverletzung ggf aus Pflegefehlern aufgrund fehlender
Qualifikation oder Unterlassung etc.Warum das ganze auf den Geldschaden reduzieren?
Den Sozialbehörden ist zT zu empfehlen selbst einen Pflegedienst
aufzubauen, dann kann die Leistung als Sachleistung selbst erbracht
werden (vergl Sozialer Wohnungsbau) und man baut möglicherweise ein
Vertrauensverhältnis auf. Der zu pflegende hat sicher nichts
dagegen wenn
die Pflegekraft Mitarbeiter/in der Stadt ist. Die Stadt kann auch hier
als Dienstleister selbst auftreten, das tut sie in anderen Bereichen ja auch.
Zur Dokumentation mein Vorschlag: JEDE Pflegeverrichtung ist zu
dokumentieren. Das Orginal bekommt der zu Pflegende, ein Durchschlag ist
für die Pflegefirma, der dritte ist für die Krankenkasse. Der
Durchführende und der zu pflegende unterschreiben, jeden Tag.
Die Pfelgeversicherungen und Sozialämter sollten qualifizierte Kontrollen durchführen
Altenpfleger arbeiten schwer und sind schlecht bezahlt, ob nun im Heim oder im Pflegedienst. Ich gehe auch nach Lektüre des Artikels davon aus, dass die meisten Altenpfleger und Pflegedienste seriös arbeiten. Nicht ganz selten gibt es auch den umgekehrten Fall, dass beispielsweise ein an Demenz erkrankter Mensch seine Defizite bei der Begutachtung schön redet und dann nicht die notwendige Hilfe erhält. Die Erfahrung lehrt allerdings: Überall dort, wo Geld verteilt wird und nicht kontrolliert wird, wird betrogen. Kontrolleure sind unbeliebt, und wehe sie fällen ein nicht gerechtfertigtes Urteil, ist Medienschelte sicher. Man stelle sich einfach vor, es würde öffentlich, dass die Bundesbahn im April keine Fahrkartenkontrollen durchführt. Ich gehe davon aus, dass der Fahrkartenverkauf im April sehr drastisch einbrechen würde, die Züge überfüllt wären, bezahlende Kunden keinen Platz im Zug bekommen würden und Polizei und Staatsanwaltschaft machtlos vor dem Problem stehen würden.
Eine junge Frau erzählte mir, sie nehme stets größere
Mengen Pharmaka mit in die Ukraine, um sie dort zu verkaufen. Sowohl
Verschriebenes wie auch Proben. Deutsche Ärzte verschreiben, ohne
viel dafür zu nehmen, zumeist aber aus Mitleid. In der Ukraine
gäbe es für Normalos rein gar nichts. Nicht mal Essen im
Krankenhaus. Sie sei dadurch auch eine angesehene Person.
Ich konnte ihr nicht recht glauben. Wenn ich das über Pflegebetrug
lese, ändert sich das jetzt.
Ist es wirklich so schwer, ein einfaches Abrechnungssystem zu schaffen? Da ist doch Bahr selbst zuständig. Gibt es keine spürbaren Strafen? Warum wird nicht kontrolliert wie beim Besuch des Vertrauensarztes bei ungerechtfertigten Krankschreibungen oder bei Kontrollen der Jugendämter bei Kindern (naja, auch verbesserungsfähig)?
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.03.2012 13:16 UhrKontrolle kostet auch Geld, und ist unbequem, die Beiträge erhöhen ist einfacher
Der MDK der Krankenkassen kontrolliert allgemein immer weniger, dort wo er kontrolliert oft mit oberflächlichen Methoden - die nur so oberflächlich sein können, weil hier kräftig gespart wird. In vielen Bereichen erfolgt die Prüfung nur nach- oft völlig insuffizienter- Aktenlage. Das betrifft nicht nur Pflegeversicherungsfälle. Pflegeversicherungsgutachten stützen sich oft nur auf die Protokollierung der Angaben der anwesenden und „manchmal sehr gut vorbereiteten“ Angehörigen. Ob der Gutachter dann tatsächlich die im Artikel angesprochenen Schwielen an den Füßen anschaut ist Glückssache. Wenn ein Streitfall dann vor das Sozialgericht geht, ist bis zu einer suffizienten Begutachtung so viel Zeit vergangen, dass sich der Sachverhalt rückblickend nur noch sehr eingeschränkt klärbar ist, oft sind die zugrundeliegenden Versicherungsakten für eine Klärung sehr eingeschränkt tauglich. Die Pfelgeversicherung existiert seit 1995, damals haben Ärtze schon elektronisch abgerechnet.
Existiert da nicht ein Gesetz, dass die Altenheime Geld nach Kostenvoranschlag erhalten? Sind Altenheimplätze in der BRD nicht etwa doppelt so teuer wie in Österreich - oder sind dort die Dienste 'klüger' geworden? Ist nicht die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit ein gerichtlich anerkanntes, also per ordre Mufti unabhängiges Institut der Pflegedienstversicherung? Was kann man da erwarten? Ich habe meine 95jährige Mutter bei mir zu Hause und sie konnte sich vor einem Jahr noch alleine anziehen und und zur Toilette gehen - und dafür bekomme ich 235 Euro. Einsprüche gegen das Einstufungsgutachten wurden von der Kasse abgebügelt. Inzwischen kann sie alleine nichts mehr - und ich habe wirklich keine Lust, mich nochmal mit diesen Systemlern auseinanderzusetzen. Übrigens liegt der Stundensatz bei Fremdhilfe bei etwa 8 Euro und grausamen Zeitvorgaben- dass da versucht wird zu mogeln ist mehr als verständlich...
Wie peinlich kann Herr Bahr und die FDP noch werden?
Unser Gesundheitsminister meint, Abrechnungsbetrug bei ambulanten
Pflegediensten müsse in Zukunft „mit aller Konsequenz
verfolgt werden“. Der Mann hat seinen Job nicht verstanden und
sollte umgehend zurück treten.
Erstens: Er ist Mitglied der Exekutive, nicht der Judikative. Er hat
somit nichts damit zu tun, ob Gesetzesbrüche verfolgt werden oder
nicht. Will er uns jetzt sagen, dass Betrug in der Vergangenheit schon
irgendwie in Ordnung war, jetzt aber - die nächsten Wahlen nahen -
aber zur Abwechslung doch verfolgt werden sollten? Diese Aussage ist
einfach nur platt und populistisch.
Zweitens: Er ist Mitglied der Regierung, nicht der Opposition und sollte
nicht "fordern". Seine Aufgabe ist es, so gut funktionierende
Gesetze vorzulegen bzw. Verwaltungsvorschriften zu schaffen, das Betrug
in der Breite überhaupt nicht möglich wird oder zumindest
einfach zu identifizieren ist. Dann kann er sich auch gesonderte
Aufforderungen zur Verfolgung sparen.
Hoffnung bestünde, wenn Rot/Grün, die eine noch grösseren Unsinn verbreiten
auf breiter Front abgestraft würden.
Und das Desaster im Gesundheitsbereich wurde von Rot/Grün
angerichtet, nicht von der FDP.
Da muss ich diese Partei doch in Schutz nehmen. Auch wenn sie meine
Stimme sicher nicht mehr erhält. Nur Rot/Grün wird meine
Stimme noch viel weniger kriegen.
Aber es besteht Hoffnung ...
... Herr Gruener: Die FDP steht immer noch bei 2-3% und scheint sich auch durch gnadenlosen Lobbyismus, Populismus sowie Dolchstöße wie bei der Gauck-Auswahl nicht aus diesem Loch befreien zu können. Scheinbar machen Hoteliers doch nicht 5% der Wähler aus. Wenn dies bis zur Bundestagswahl anhält, könnte es für andere Parteien ein Signal für die Zukunft sein.
müsste Betrug nicht schon immer konsequent bekämpft und
bestraft werden? Das ist die erste Frage, die sich mir beim Durchlesen
dieses Berichtes stellt.
Die zweite Frage ist die, des Empörtseins. Dass es bei solchen
Konstruktionen immer zum Betrug kommt, wissen alle vernünftigen
Volkswirte. Deshalb waren ja bei der Einführung der
Pflegeversicherung viele für eine Organisation ausserhalb des
"gesetzlichen Systems". Denn diese Form lädt eben
geradezu zum Betrug ein. Das konnte jeder schon vor der Einführung
nachlesen und auch nachvollziehen.
nicht in Abrede zu stellen, dass bei der Krankenpflege gelegentlich
" geschummelt " wird. Dies nicht nur durch die privaten
Krankenpflegedienste sondern auch die Pflegeheime rechnen gelegentlich
nicht erbrachte Leistungen ab. Dazu tragen auch die von den Kassen
erlassenen Zeitvorgaben bei, welche in vielen Faellen einfach nicht
einhaltbar sind.
Warum es zu den beschrieben wirklich krassen Faellen kommen kann, ist
mir nicht ganz klar. Es gib ja schliesslich den medizinischen Dienst der
Krankenkassen (MdK) welcher allerdings personell aufgestockt werden
muesste. Mehr unangemeldete Kontrollen - bei Verstoessen zunaechst
Warnung. Bei wiederholtem Verstoss . . . Entzug der Kassenzulassung.
Aus meiner frueheren ehrenamtlichen Tataetigkeit als gerichtlich
bestellter Betreuer, weiss ich sehr wohl was abgeht und wie schwierig es
beispielsweise ist, gegen kirchlich gefuehrte Betreuungseinrichtungen
vorzugehen, selb st wenn es berechtigten Grund zur Klage gibt.
Gibt es irgend einen Bereich bei uns in Deutschland wo nicht betrogen,
falsch abgerechnet wird? Gestern die Ärzte,bei uns in NRW. heute
ist sind es die ambulanten Pflegedienste.
Eine Schande!
Nun mal langsam. Erstens ist es eine Schande, dass unsere Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist sich um seine Angehoerigen (insbesondere Aeltere) selber zu kuemmern (Familie stirbt aus). Hat Politik wohl so gewollt! Dann war Politik/Gesellschaft nicht in der Lage das sozialisierte Problem zu loesen. Na dann privatisieren wir das doch mal. Aber dann geht es es darum, damit Profit zu generieren (koste es was es wolle). Und nun wundern wir uns? Also entweder wir fangen an, das Problem an der Wurzel zu loesen oder zahlen dafuer (eventuell auch etwas zu viel). Last but not least: herzlichen Dank und Hochachtung an alle die taeglich im Pflegedienst unterwegs sind.
"Schuldige" sind schnell gefunden
Einer hat sogar gleich als erstes die Banken angeführt. Dieses fehlende Geld ist aber ein wenig mehr als der am meisten beschimpfte deutsche Bankdirektor bekommen hat. Wieviel von dem Geld ist in die Taschen von Leuten verschwunden, die immer von Gleichheit und Gerechtigkeit reden? Die haben eben nur getan, was sie sagen: Umverteilung, wenn auch nur in die eigene Taschen geht. Leute, die gerne von den Armen reden
Die Berliner Zahlen müssen mit der Anzahl der Bundesländer
multipliziert werden. Und was passiert dann? Ganz einfach: Die
Beiträge werden erhöht, damit dieses so wunderbar soziale
Pflegesystem weiterhin finanziert werden kann.
Eigentlich ist so ein brisantes Thema ja Chef(Merkel)sache, aber Frau
Merkel muss seit Monaten den Euro retten und hat keine Zeit für
solche Kleinigkeiten!
Die FDP will gegen Betrug vorgehen? :-)))))
Nach Wulff jetzt die Nummer mit dem Gesundheitssystem? Ach ja, hatten wir längere Zeit nicht.
Ich kenne unser Gesundheitswesen aus eigener Anschauung sehr gut. Bei
diesen Meldungen handelt es sich in der Regel um Verdachtsfälle.
Nach Prüfung und juristischer Aufarbeitung bleiben dann zwei, drei
unbedeutende Fälle übrig. Da zwischen
"Skandal-Meldung" und abschließender Beurteilung Jahre
liegen, wird die "Entwarnung" meistens gar nicht mehr
wahrgenommen - übrig bleibt allerdings Vertrauensverlust und die
Entwertung eines ganzen Berufsstandes. Aber - wo wir schon mal bei der
Veröffentlichung sind - interessant ist, was so ein Pflegedienst
für seine alles andere als leichte Arbeit als Entlohnung bekommt
und welche Zeitvorgaben für jeden einzelnen Handgriff von den
Kassen angesetzt werden - und das bei alten, in ihrer Reaktion
verlangsamten Menschen; sollte man auch mal veröffentlichen. Zur
Zeit meiner Praxistätigkeit habe ich mich immer gewundert,
daß solche Dienste überhaupt noch überleben können.
Das ist der eigentliche Skandal in unserem Gesundheitswesen.
Das Gesundheitswesen ist ein gigantischer Markt,
und deshalb gibt es hier diese Strukturen. Nennen wir sie ruhig
"legal mafiös". In dem derzeit bestehenden System
verdienen zu viele zu gut. An diesem bestehenden System verdienen die
Banken, die Versicherungen, die Industrie, der Handel, die
Dienstleister, die Verbände,....
Wird es deshalb nicht geändert?
Kein Wunder, dass in der Pflege der Betrug grassiert. Hat man es doch hier bei den Gebpflegten mit einem Klientel zu tun, das aufgrund hohen Alters oder gesundheitlicher Gebrechen keine Kontrolle der erhaltenen Pflegeleistungen ausüben kann oder das in den Mißbrauch einbezogen wird, ohne dass die Schwere des Mißbrauchs bewußt wird. Das und noch viel mehr ist den Aufsichtsbehörden seite langem bekannt. Der hohe Mißbrauchsanteil zeigt, dass die Kontrolle komplett versagt hat. Und die unfähigen Kontrolleure, Aufsichtsbehörden und Pflegeversicherungen werden zudem nicht zur Rechenschaft gezogen. Dass Bahr sich jetzt - nach bereits vielen Pflegejahren - für die Verfolgung der Betrüger mit aller Konsequenz ausspricht, ist lobenswert, kommt aber sehr spät. Außerdem macht er keine konkrete Aussage, wie er sich Änderungen des Betrugssystems vorstellt. Zu gut organisiert ist der Betrugskreislauf und zu schlecht die festgefahrene Bürokratie von Kassen und Ärzteschaft.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.03.2012 07:36 Uhrdas ist wahr - diese Verzahnung gibt es aber nicht nur in der Pflege, und nicht nur in D
auch hier in der Schweiz. Ein guter Bekannter von mir ist Arzt. Und er sagt auch, dass die "Jugos" in der Schweiz mit Anwälten und Ärzten sehr gut vernetzt sind. Kein Wunder, dass der Anteil der Frührentner bei dieser Bevölkerungsgruppe ein Vielfaches des schweizerischen oder deutschen Bevölkerungsanteils ausmacht.
Mafia der Wohlfahrtsorganisationen
Seit wann darf so ein Artikel über die kriminelle Tätigkeiten in den Wohlfahrtsorganisationen veröffentlich werden. Bravo FAZ!
Das ist so kompliziert, es verlockt zum Betrug
Das also ist bekannt und AM hat momentan kein Interesse an einer Änderung und lässt Bahr ziemlich allein auf weiter Flur. Es droht nun wieder keine richtige Reform, sondern eine Beitragserhöhung im sozialdemokratischen Stil von Vorgängerin Ulla Schmidt. Tja, wenn die Chefin Europa "retten" muss, bleibt vielelicht keine Zeit, sich um die Belange des Volkes und seiner Pflegebedürftigen zu kümmern. Dabei ist Bahr eigentlich auf einem guten Weg...
Katrin Hummel Jahrgang 1968, Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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