http://www.faz.net/-gpf-7l545

Baden-Württemberg : Bürger gegen Homosexualität als Unterrichtsthema

  • Aktualisiert am

„Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als Unterrichtsziel: Schulklasse im baden-württembergischen Pforzheim Bild: dpa

In Baden-Württemberg soll Homosexualität als Unterrichtsinhalt verankert werden. Dagegen protestieren Bürger mit einer Online-Petition. Die Grünen erkennen darin „ein erschütterndes Maß an Homo- und Transphobie“.

          Mit einer Unterschriftensammlung wollen Bürger in Baden-Württemberg verhindern, dass Homosexualität künftig ausführlicher im Unterricht behandelt wird. Hintergrund sind Pläne der grün-roten Landesregierung, die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als Ziel im Bildungsplan 2015 festzuschreiben. Die Pläne zielten „auf eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen“, kritisieren die bisher knapp 60.000 Unterzeichner der Petition.

          Gegen den Initiator, einen Realschullehrer, gebe es inzwischen eine Strafanzeige und eine Dienstaufsichtsbeschwerde, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die Grünen kritisierten, viele Kommentare auf der Petitionsseite ließen auf „ein erschütterndes Maß an Homo- und Transphobie“ schließen.

          „Unterste Schublade“

          Es sei wichtig, die Schule zu einem Ort der Vielfalt und Akzeptanz zu machen, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand. Ähnlich äußerte sich Stefan Fulst-Blei, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Die SPD steht für eine offene und tolerante Gesellschaft. Die jetzige Online-Petition birgt den Geist massiver Intoleranz und ist pädagogisch wie politisch unterste Schublade.“

          Die CDU rief die Landesregierung zur Zurückhaltung auf. Eine Petition sei in erster Linie eine parlamentarische Angelegenheit, sagte der Obmann der CDU-Fraktion im Petitionsausschuss, Werner Raab. „Allein die Abgeordneten entscheiden, was mit einer Petition passiert“, betonte er. Das Verhalten des Kultusministeriums sei „ein Stück weit anmaßend“. Aus Fraktionskreisen hieß es zudem, statt über Homosexualität solle in der Schule lieber über Werte und Normen gesprochen werden.

          Der Grünen-Vorsitzende in Baden-Württemberg, Oliver Hildenbrand,  betrachtet Homosexualität und Toleranz als wichtiges Thema für den Schulunterricht.
          Der Grünen-Vorsitzende in Baden-Württemberg, Oliver Hildenbrand, betrachtet Homosexualität und Toleranz als wichtiges Thema für den Schulunterricht. : Bild: dpa

          Ein Sprecher des Parlaments machte klar, dass die Zahl der Unterschriften bei einer Petition keine Rolle spielt. „Jedermann kann eine Petition einreichen. Es gibt keine Quoren.“. Der Ausschuss könne anschließend eine Stellungnahme vom zuständigen Ministerium anfordern. Durch die grün-rote Mehrheit ist es jedoch fraglich, ob die Initiative im Landtag erfolgreich sein wird.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa

          Weitere Themen

          Bundestag nimmt Arbeit auf Video-Seite öffnen

          Trotz schwieriger Regierungsbildung : Bundestag nimmt Arbeit auf

          Unabhängig von der politischen Hängepartie nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen hat der Bundestag seine Arbeit aufgenommen. Bei der Debatte über die Verlängerung von Bundeswehr-Mandaten lösten die Linken-Angeordnete Dagdelen sowie der AfD-Fraktionschef Gauland Empörung aus.

          Bundespräsident sucht mit Parteien Wege aus Blockade Video-Seite öffnen

          Scheitern von Jamaika : Bundespräsident sucht mit Parteien Wege aus Blockade

          Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die politische Blockade bei der Regierungsbildung durch Gespräche mit den Parteien auflösen. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble drängte die Parteien zu Kompromissen.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
          Heute ein seltenes Phänomen: Steiger in Deutschland.

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.