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Autonome Waffen : Wenn Maschinen Krieg führen

Drohnenschwärme gegen Soldaten – wird so der Krieg der Zukunft aussehen? Bild: Thomke Meyer

Minidrohnen greifen Armeen an, U-Boote jagen ohne Mannschaft: Das ist die Zukunft. Diese Art der Kriegsführung könnte sogar das strategische Patt der Atommächte ins Wanken bringen.

          Kürzlich schrieb der amerikanische Unternehmer Elon Musk auf Twitter, der Wettlauf um Künstliche Intelligenz habe begonnen. Und es sei „sehr wahrscheinlich“, dass er die Großmächte in den Dritten Weltkrieg führen werde. Musk bezog sich auf eine Aussage des russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Wer immer auf diesem Gebiet führend ist, wird die Welt beherrschen.“

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Unternehmer forscht selbst an Künstlicher Intelligenz, seine Firma Tesla führt die Entwicklung selbstfahrender Autos an. Musk sorgt sich schon länger. Vor einem Monat verfasste er zusammen mit anderen Robotik-Experten einen offenen Brief an die Vereinten Nationen, in dem sie die Weltgemeinschaft aufforderten, autonome Waffensysteme zu verbieten. Das sind Waffen, die selbständig ein Ziel erfassen und angreifen. „Einmal entwickelt, werden sie bewaffnete Konflikte in nie gekannter Größenordnung und in einer Geschwindigkeit ermöglichen, die das menschliche Denkvermögen übersteigen“, heißt es in dem Brief. „Wir haben nicht viel Zeit, um zu handeln. Wird diese Büchse der Pandora einmal geöffnet, wird sie nur schwer wieder zu schließen sein.“

          Das Programm lernt dazu

          Diese Worte beschwören Filme wie „Terminator“ herauf, Bilder von Killer-Robotern, die Menschen mit kalter Präzision eliminieren. Wollte Musk davor warnen? Vermutlich nicht. Dass Computer in naher Zukunft ein Bewusstsein entwickeln, halten Fachleute für unwahrscheinlich. Wer von Künstlicher Intelligenz spricht, meint meistens etwas anderes: selbstlernende Algorithmen.

          Das sind Programme, die eine genau umrissene Aufgabe erfüllen sollen, zum Beispiel: Durchforste einen Satz Fotos, und sage mir, auf welchen eine Katze ist. Dafür braucht der Algorithmus riesige Datenmengen. Man muss ihm Beispielfotos zeigen, auf denen Katzen zu sehen sind, und andere, auf denen keine sind. So lernt das Programm zu unterscheiden. Wie es das tut, ist ihm selbst überlassen. Es gibt keinen vorgeschriebenen Lösungsweg.

          Es geht auch nicht darum, eine abstrakte Vorstellung davon zu entwickeln, was eine Katze ausmacht. Entscheidend ist allein das Ergebnis, die Trefferquote. Und die ist in den vergangenen Jahren bei allen Algorithmen in die Höhe geschossen. Für das Leben in der Zukunft bedeutet das: Autos, die von allein fahren und Heimassistenten, die jeden Wunsch der Bewohner vorhersehen können. Und eine neue Form des Krieges.

          Drohnen als intelligenter Schwarm

          Denn Rüstungsfirmen bauen mit diesen Algorithmen Waffensysteme, die eigenständig operieren, ohne menschliche Unterstützung. Sie können die bisherige Kriegsführung auf den Kopf stellen wie die Erfindung des Schießpulvers oder der Atombombe. Ein Beispiel: Das amerikanische Militär hat eine Drohne entwickelt mit dem Namen Perdix.

          Sie ist einige Zentimeter breit und sieht harmlos aus, wie ein ferngesteuertes Miniflugzeug. Kampfjets werfen Hunderte dieser Drohnen über dem Schlachtfeld ab, wo sie sich sammeln und einen Schwarm bilden. Die Armee hat das schon getestet. Der Drohnenschwarm kreiste so schnell am Himmel, dass Reporter Mühe hatten, ihn zu filmen.

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