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Auswärtiges Amt : Das Erbe der Herren von der Wilhelmstraße

Der ehemalige Sitz des Auswärtigen Amtes in der Berliner Wilhelmstraße Bild: DUMMY

Das nach dem Krieg vom Auswärtigen Amt verbreitete Geschichtsbild, es sei ein „Hort des Widerstands“ gewesen, erweist sich als Legende. Die vom früheren Außenminister Fischer eingesetzte Kommission veröffentlicht das Ergebnis ihrer Arbeit.

          Institutionen haben ihr eigenes Gedächtnis, das mitunter Staatsformen überdauern kann. Noch zu Bonner Zeiten sprachen die Diplomaten vom „Amt“, wenn sie ihr Ministerium meinten. Und natürlich ging man mittags ins „Casino“ und nicht etwa in die Kantine. Es ist nicht frei von Ironie, dass erst der Umzug des Auswärtiges Amtes 1999 nach Berlin, die Heimkehr also, einen Traditionsverlust mit sich brachte. Denn heute spricht man am Werderschen Markt einfach vom „AA“, wenn man mittags in der Kantine sitzt - und benutzt so die behördliche Abkürzung des 1871 gegründeten „Auswärtiges Amtes des Deutschen Reiches“, das seinen Namen behielt, als es längst Ministerium geworden war. In den Kantinengesprächen wird es bald ein beherrschendes Thema geben, das schon 2003 die jungen und nicht mehr so jungen Diplomaten beschäftigte. Im Herbst wird ein 800 Seiten umfassendes Buch erscheinen, das den Titel trägt: „Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik“.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Im Sommer 2005 hatte der damalige Außenminister Joseph Fischer eine aus fünf Historikern bestehende Kommission berufen, weil es im Ministerium und in der Öffentlichkeit zu einer Diskussion über die Rolle des „Amtes“ vor 1945 und die personelle Kontinuität nach seiner Wiedergründung 1951 gekommen war. Anlass war ein 2003 erschienener Nachruf in der Hauszeitschrift „intern AA“ über den früheren Generalkonsul in Spanien Franz Nüßlein, der nach Fischers Ansicht nicht hätte erscheinen dürfen. Nüßlein war vor 1945 im „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ Oberstaatsanwalt am Landgericht Prag. Vor allem soll er an mehr als 900 Hinrichtungen beteiligt gewesen sein. Nüßlein wurde in der damaligen Tschechoslowakei zu 20 Jahren Haft verurteilt, allerdings schon 1955 in die Bundesrepublik abgeschoben und sogleich vom „Amt“ übernommen.

          Ein Mythos bröckelt

          Fischer, dem seinerzeit in nie da gewesener Form pensionierte und aktive Diplomaten wegen der von ihm verfügten Änderung der Nachrufpraxis öffentlich Vorwürfe machten, er habe mit den Traditionen gebrochen und verdienten Diplomaten auf unhistorische Weise ein ehrendes Andenken verweigert, ging in die Offensive und bestellte eine international und überparteilich besetzte unabhängige Kommission. Nicht einmal das AA-Referat „Politisches Archiv und Historischer Dienst“ durfte das Großprojekt administrativ betreuen, was einige als Misstrauensbeweis, andere als Ausdruck von Unabhängigkeit betrachten. Vier von ursprünglich fünf Historikern treten nun als Autoren des Werkes auf: der Marburger Historiker Eckart Conze, der Jenaer Professor Norbert Frei, der Amerikaner Peter Hayes und der Israeli Moshe Zimmermann. Der Bonner Historiker Klaus Hildebrand, ein ausgewiesener Fachmann für die Außenpolitik des Nationalsozialismus und eher konservativer Prägung, musste 2008 seine Mitarbeit krankheitsbedingt einstellen.

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