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Attentat von München : Einzelner Täter, kollektive Trauer

  • Aktualisiert am

Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um einen „klassischen Amoktäter“ ohne erkennbare politische Motivation. Bild: AP

Am Tag nach dem Amoklauf von München haben die Behörden viele Fragen beantworten können. Doch Vieles an der Tat bleibt unbegreifbar.

          Während die Münchener trauern, laufen die Ermittlungen zum Amoklauf in dem Einkaufszentrum. Vor allem die Durchsuchung seines Zimmers hat der Polizei einige wichtige Details zum Täter geliefert - aber noch längst nicht alle Fragen beantwortet.

          Wer ist der Täter, wer sind die Opfer?

          Ein 18-jähriger Einzeltäter ohne terroristischen Hintergrund hat die Bluttat von München verübt. Nach Angaben der Polizei vom Samstag hatte sich der Deutsch-Iraner, der am Freitagabend zunächst neun Menschen und dann sich selbst erschossen hatte, mit dem Thema Amoklauf beschäftigt. Der Täter lebte gemeinsam mit seinem Bruder und den Eltern in einer Wohnung in München. Die Wohnung ist von der Polizei durchsucht worden. Dabei wurden auch Materialien aus dem Zimmer des Täters sichergestellt.

          Bei den Opfern des Angriffs handelte es sich zu einem großen Teil um Menschen ausländischer Herkunft, fast alle waren Jugendliche. Drei der Opfer waren Kosovo-Albaner, drei weitere Türken und eines Grieche. Acht der Getöteten waren nach Angaben der Polizei zwischen 14 und 20 Jahre alt. Das neunte Opfer war 45 Jahre alt. Es gab demnach drei weibliche Opfer. Ob der Täter gezielt auf ausländisch aussehende Opfer schoss, muss den Ermittlern zufolge noch geklärt werden.

          Was hat den Schüler zu seiner Tat motiviert?

          Der 18-jährige Schüler David Ali S. war den Ermittlern zufolge offenbar wegen einer Depression in Behandlung. Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund oder einen Bezug zur Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) gebe es nicht, sagte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä. Es handele sich um einen „klassischen Amoktäter“ ohne erkennbare politische Motivation, sagte Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München I.

          Nach Angaben de Maizières wurde bei dem 18-jährigen Todesschützen Material gefunden, aus dem sich ergebe, dass der junge Mann sich für den Amoklauf von Winnenden, aber auch für die Tat des norwegischen rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik interessiert habe. Ein Zusammenhang mit dem internationalen Terrorismus sei nicht erkennbar. Es habe bei den Sicherheitsbehörden auch keine staatsschutzrelevanten Erkenntnisse über den jungen Mann gegeben.

          Hat der Amokläufer gezielt Menschen an den Tatort gelockt?

          Nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gibt es Hinweise darauf, dass der Täter einen Facebook-Account geknackt hat, um gezielt Jugendliche zu der McDonalds-Filiale nahe des Olympia-Einkaufszentrums im Norden Münchens zu locken.

          Wie ist der Täter ums Leben gekommen?

          Befragungen der Einsatzbeamten ergaben laut Polizei, dass der Täter sich nach einem Kontakt mit Streifenbeamten getötet habe. „Als Reaktion auf die Ansprache der Beamten zog er unvermittelt seine Schusswaffe, hielt sie sich an den Kopf und erschoss sich“, hieß es.

          Wo hatte der Amokläufer seine Waffe her?

          Der Deutsch-Iraner nutzte für seine Tat eine Neunmillimeter Glock-Pistole. Die habe der 18-Jährige offenbar illegal besessen, da die Seriennummer der Waffe ausgefeilt war, sagte Heimberger. Wo die Waffe herkommt, ist den bisherigen Erkenntnissen zufolge noch offen.

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