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Altena in Nordrhein-Westfalen : Bürgermeister überlebt Messerangriff

Im Mai 2017 kam Bürgermeister Andreas Hollstein nach Berlin, weil der Stadt Altena der Nationale Integrationspreis verliehen worden war. Bild: dpa

Die Ermittler werten den Angriff auf Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein als schwere politische Straftat. Der alkoholisierte Täter soll die Flüchtlingspolitik als Motiv genant haben.

          Der Bürgermeister im sauerländischen Altena, Andreas Hollstein, ist am Montagabend von einem Mann mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Nach einem Bericht der „Westfalenpost“ meldete sich der CDU-Politiker bei politischen Freunden mit der Nachricht: „War knapp, aber der da oben hat geholfen.“ Der Internetseite „Lokalstimme“ sagte Hollstein: „Ich habe zupackende Menschen an meiner Seite gehabt und bin froh, dass ich noch lebe.“

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Hollstein konnte das Krankenhaus am Abend wieder verlassen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war er am Montagabend in einer Dönerbude von einem 56 Jahre alten, offenbar alkoholisierten Mann gefragt worden, ob er der Bürgermeister sei. Sodann habe der Mann die Flüchtlingspolitik Hollsteins kritisiert und mit einem etwa 30 Zentimeter langen Messer auf ihn eingestochen. Ein Mitarbeiter des Ladenlokals, der dem Bürgermeister zu Hilfe kam, wurde ebenfalls leicht verletzt. Der Angreifer konnte festgehalten werden, bis Polizisten aus der nur etwa 200 Meter entfernten Wache herbeigeeilt waren, um den Mann festzunehmen.

          Merkel: Ich bin entsetzt

          Nach Angaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung werten die Ermittler den Angriff auf den Bürgermeister als schwere politische Straftat. Die Stadt Altena und ihr Bürgermeister sind überregional durch ihre aktive Flüchtlingspolitik bekannt geworden. Die Kommune, die seit Jahren unter Einwohnerschwund und vielen Wohnungsleerständen leidet, nimmt mehr Flüchtlinge auf, als sie nach dem Verteilungsschlüssel des Landes Nordrhein-Westfalen eigentlich müsste. Zudem gibt es außergewöhnlich viele Integrationsangebote für Flüchtlinge. Stellvertretend für seine Stadt hatte Bürgermeister Hollstein im Mai den ersten Nationalen Integrationspreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überreicht bekommen. Über den Angriff äußerte sich Merkel bestürzt: „Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein – und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag im Namen der Kanzlerin.

          Vergangene Woche wollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen auch nach Altena kommen, um sich über das Engagement der Stadt und seiner Bürger zu informieren. Nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungen verschob Steinmeier den Besuch aber.

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erfuhr am Montagabend während der Verleihung des Staatspreises an den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani in Köln von dem Angriff. „Diese Gewalt gegenüber ehrenamtlich Tätigen, gegen Bürgermeister, die sich um das Wohl der Stadt kümmern, ist verabscheuungswürdig“, sagte er. Kurz zuvor hatte Laschet in seiner Laudatio Altena noch als leuchtendes Vorbild für Weltoffenheit beschrieben, das auch Kermani bei einem gemeinsamen Besuch bei Hollstein begeistert habe.

          Preisträger Kerman wiederum hatte am Montagabend seinen Festredner, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, und die neben ihn in der ersten Reihe Sitzende Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) als „heroische“ Politiker gewürdigt, da beide beinahe bei Attentaten ums Leben gekommen seien, aber trotzdem für das Gemeinwohl weitergearbeitet hätten. Schäuble war im Oktober 1990 von einem psychisch kranken Mann angeschossen und schwer verletzt worden. Henriette Reker war im Oktober 2015, einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin, an einem Wahlkampfstand von einem Rechtsextremisten mit einem Kampfmesser angegriffen worden. Ihre schwere Stichverletzung am Hals überlebte sie nur mit viel Glück.

          Kölner Oberbürgermeisterin : Henriette Reker schildert Messerattacke vor Gericht

          Quelle: FAZ.NET

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