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Attacken an Humboldt-Uni : Unser Professor, der Rassist

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Die Humboldt-Universität zu Berlin: Hier gerät alle paar Monate ein Professor ins Visier anonymer Kritiker. Bild: POP-EYE/Kempert

Anonyme Gruppen wollen Wissenschaftler an der Humboldt-Uni in Berlin einschüchtern. Sie streuen üble Gerüchte im Netz, schon mehrere Dozenten haben ihren Zorn abbekommen. Was bedeutet das für eine Uni?

          Die Humboldt-Universität zu Berlin strebt aus guten Gründen an, nicht als Nazi-Hochburg zu gelten. Doch seit einiger Zeit werden Professoren, die dort lehren, als Rassisten, Faschisten und/oder Kolonialverbrecherverehrer entlarvt, jedenfalls nach Ansicht der Entlarver. Gerade erst geriet der bekannte Politikwissenschaftler Herfried Münkler in den schrecklichen Verdacht. Eine erstaunliche Häufung.

          Die Anklagen gegen die Professoren erscheinen anonym im Internet. Nicht beiläufig bei Facebook, sondern ausführlich, in offiziösem Ton, auf verschiedenen geeigneten Seiten. Für Münkler gibt es den Blog „Münklerwatch“. Von anderen Fällen liest man auf der Seite des AStA, der an der Humboldt-Uni „Referent_innenrat“ heißt. Auch auf einer Plattform, die „Inrur“ heißt und wie Wikipedia funktioniert, wird über Professoren Buch geführt. Name, Stichwörter wie „brauner Historiker, brauner Professor“ und Notizen dazu, wer auf ihn hört: „Liebling des Deutschlandfunk, allein 32 schriftliche Beiträge“. Die anonyme Kritik der vergangenen Monate wirkt. An der Humboldt-Universität hat man Angst.

          Nicht, weil dort wirklich Rassisten lehren würden. Journalisten stürzten sich fleißig auf die Vorwürfe und fanden jedes Mal nichts. Aber dass sie suchten, war schon genug. Wo Rauch ist, ist auch Feuer, heißt es. Was bedeutet die Angst für einen Ort, an dem junge Menschen das Denken lernen?

          Professor streicht beim Autorisieren vieles weg

          Ein Pressereferent der Humboldt-Uni erzählt am Telefon, was er darüber denkt. Er redet lange. Münkler ein Rassist – das hält er für Unfug. Der Pressereferent stammt aus Senegal. Er will sich aber nicht zitieren lassen, weil er nicht der Pressesprecher sei. Ein Professor, der im Netz ein Rassist genannt wurde, will lieber nichts sagen. Man habe ihm geraten, Journalistenfragen nur zu beantworten, wenn sie über die Pressestelle kommen.

          Ein anderer sagt etwas und streicht beim Autorisieren seiner Antworten wieder viel davon weg. Er habe sich mit seinen Mitarbeitern besprochen. „Besser, man weckt keine schlafenden Hunde“, schreibt er entschuldigend dazu. Komplett gestrichen hat er alle Sätze, die davon handeln, welche Konsequenzen er persönlich für seine Lehre gezogen hat. Münkler, heißt es aus der Pressestelle, wolle bis auf weiteres nichts mehr zu der Sache sagen.

          Die Angst ist so groß, weil die Angreifer sich jederzeit ein neues Ziel suchen können. Und weil man ihnen nicht entgegentreten kann. Nach den Maßstäben der Angreifer ist fast jeder Hochschullehrer in Deutschland ein Rassist; es ist ungefähr so, als erklärte ein Bäcker einen Apfel für ungenießbar, weil der nun mal kein Brot sei.

          Zum Beispiel: Der Präsident der Humboldt-Uni begrüßte 2013 den damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière, CDU, zu einem Vortrag im Audimax. Dieser ist aber anonymen Beobachtern zufolge ein „Kriegsverherrlicher“, der Präsident also ein Kriegsverherrlicherbegrüßer. Der Präsident lehnte außerdem die Forderung ab, auch „Refugees“ an der Humboldt-Universität studieren zu lassen und die Hochschule umzubenennen (weil Humboldt „Kolonialrassist“ gewesen sei). Dies war zu lesen im „Bekenner*innenschreiben“ einer anonymen Gruppe. Die Bekenner*innen hatten ein Gemälde aus der Ahnengalerie der Universität geklaut, um damit den Präsidenten zu erpressen. Der Brief steht bis heute auf der Plattform „Indymedia“, englische Übersetzung inklusive. Linksextremisten nutzen die Plattform gern, zum Beispiel um Bombendrohungen und Mordaufrufe zu verbreiten.

          Kant verbreite rassistische Ansichten

          Ein Erziehungswissenschaftler der Humboldt-Universität wurde 2014 zum Rassisten gestempelt, weil er seine Studenten in der Vorlesung „Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Handelns und Denkens“ Texte von Kant lesen ließ. Kant verbreitet nach Ansicht der Anonymen aus einer „eurozentristischen weißen Perspektive rassistische Ansichten“. Eine Beschwerde über den Professor wurde bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingereicht, eine „Pressemitteilung“ dazu auf die Seite des AStA gestellt.

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