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Arzt-Bewerber aus dem Ausland : Herr Doktor, verstehst du?

Gebrochene Knochen, gebrochene Sprache: Abbildungen aus einem medizinischen Lehrbuch der zwanziger Jahre Bild: ullstein

Deutschland braucht Ärzte. Doch mit Bewerbern aus dem Ausland gibt es Probleme: sprachliche, manchmal auch medizinische. Einheitliche Richtlinien gibt es nicht, die Vergabe der Approbation und die Gestaltung der Eignungsprüfungen ist Ländersache.

          Marcel Biegler fehlt zum Treppensteigen immer häufiger die Luft. Zur Atemnot kommen manchmal noch Herzrasen und Schwindel. Von diesen Beschwerden abgesehen, fühle er sich für seine 72 Jahre aber topfit, schwadroniert er im pfälzischen Akzent. Seine Frau aber mache sich Sorgen um ihn und seine Puste, deshalb habe er sich überreden lassen, nun doch einmal zum Doktor zu gehen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Ärztin Gita Manoppo* hört sich die Geschichte ihres Patienten geduldig an, nickt, schreibt mit und fragt nach Vorerkrankungen, Größe, Gewicht und Problemen: „Sollen Sie nachts zur Toilette?“, fragt sie. Marcel Biegler schaut irritiert auf, rutscht auf seinem Holzstuhl nach vorne, beugt sich zur Ärztin und hakt nach: „Sollen?“ – „Ja genau, ob Sie nachts zur Toilette sollen?“, wiederholt Gita Manoppo. Biegler überlegt kurz, lehnt sich wieder zurück und sagt mit betonter Stimme: „Sollen ja wohl kaum, aber wenn Sie wissen wollen, ob ich muss, ja, ich muss mehrmals in der Nacht raus, weil die Blase drückt.“ Manoppo holt tief Luft, ihre Wangen röten sich und sie sagt hastig: „Ja, ja, müssen, ja genau.“ Dann schaut sie wieder auf einen gelben Zettel, den sie fest in der linken Hand hält, und stellt die nächste Frage.

          Würde Marcel Bieglers Herz wirklich nicht im Takt schlagen, würde sich in seinem Kopf alles drehen und seine Blase ständig drücken, dann gäbe er seiner Ärztin vermutlich nicht so belehrende Antworten, aber Biegler ist kerngesund. Er will von Manoppo nicht untersucht werden, sondern prüft sie: Er testet ihre Deutschkenntnisse.

          Gravierender Ärztemangel auf dem Land

          Gita Manoppo hat in Indonesien Medizin studiert und sich dann in Deutschland beworben. Seit einigen Monaten arbeitet sie in einem Krankenhaus in der Nähe von Mainz als Assistenzärztin in der Inneren Medizin. Als sie nach Deutschland kam, gab man ihr für zehn Monate eine Berufserlaubnis. Damals hat niemand geprüft, ob sie sich verständlich machen kann und ob sie Patienten und Kollegen überhaupt versteht. Das hat sich geändert. Rheinland-Pfalz macht heute als erstes Bundesland in Deutschland einen Sprachtest, bevor ausländische Ärzte dort arbeiten dürfen, andere Länder ziehen nach. Und da Gita Manoppos befristete Berufserlaubnis demnächst abläuft, muss sie nun nach der neuen Regelung für eine Verlängerung auch den Sprachtest bestehen.

          Deutschland braucht Ärzte. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mediziner wandern ins lukrativere Ausland ab, kehren der Arbeit in der Klinik den Rücken, fordern Teilzeitmodelle und Freizeitausgleich. Im Jahr 2012 waren in Deutschland laut Bundesärztekammer 6000 Arztstellen in Krankenhäusern unbesetzt. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund sprach im Jahr 2011 sogar von 12.000 freien Stellen, Tendenz steigend. Besonders gravierend ist der Mangel auf dem Land – in Gegenden wie der Eifel, dem Westerwald oder in der Moselregion. Dorthin gehen viele der Ärzte, nachdem sie bei Marcel Biegler und seinem Kollegen Jürgen Hoffart die Prüfung bestanden haben. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der ausländischen Ärzte in Rheinland-Pfalz um 81 Prozent auf 1409 gestiegen, in ganz Deutschland wuchs die Zahl alleine im vergangenen Jahr um rund 14 Prozent auf 32.548.

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