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Armutsatlas zeigt soziale Schere Vorpommern ist die ärmste deutsche Region

18.05.2009 ·  Ostdeutsche sind nach wie vor stärker von Armut betroffen als Westdeutsche. Das geht aus dem ersten regionalen Armutsatlas des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Die ärmste deutsche Region hat demnach eine vier Mal so hohe Armutsquote wie die reichste.

Von Philipp Krohn
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Die Armutsberichterstattung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren immer präziser geworden. Verschiedene Großstudien und Armuts- und Reichtumsberichte haben über Einkommens- und Vermögensverteilungen sowie über die Lebenslagen armutsgefährdeter Menschen aufgeklärt. Eine Forschungslücke bestand aber darin, wie sich das Armutsrisiko räumlich verteilt. Um sie zu schließen, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband jetzt erstmals einen Armutsatlas vorgelegt.

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick wenig überraschend: Die wirtschaftlich prosperierenden Bundesländer Süddeutschlands weisen eine sehr viel geringere Quote des Armutsrisikos aus als im Norden, am schlechtesten schneiden die ostdeutschen Länder ab - auch unter ihnen wachsen die Quoten tendenziell in Richtung Norden. So liegt der Anteil in Mecklenburg-Vorpommern mit 24,3 Prozent am höchsten, mit 10 Prozent in Baden-Württemberg am niedrigsten.

Reicher Hamburger Speckgürtel, armes Ostfriesland

Ein genauerer Blick in die Regionen vermittelt über dieses erwartbare Ergebnis hinaus interessante Einblicke: Um ausreichend statistische Daten zur Verfügung zu haben, haben die Studienautoren Deutschland in 96 Raumordnungsregionen eingeteilt. Landkreise wären dafür zu klein gewesen. Dabei zeigt sich, dass in drei Regionen das Armutsrisiko jeweils unterhalb von 11 Prozent der Gesamtbevölkerung liegt: der nördliche „Hamburger Speckgürtel“, das Rhein-Main-Gebiet und ein breiter Streifen im südlichen Baden-Württemberg und Südbayern. Quoten, die denen Ostdeutschlands vergleichbar sind, erreichten Ostfriesland und die Region um Bremen, zwei Regionen des südlichen Niedersachsens und Teile des Ruhrgebiets.

Zugrunde gelegt wurden Daten aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2007. Als arm galt den Autoren eine alleinstehende Person, die monatlich über 764 Euro verfügt, für Paare mit zwei Kindern lag die Grenze bei 1835 Euro. Alleinerziehende mit zwei Kindern galten bei einem verfügbaren Einkommen von 1223 als arm.

Damit orientiert sich die Studie an der Definition der Europäischen Union, in der die Quote bei 60 Prozent des mittleren Einkommens festgelegt wird. Datenquellen wie die Erhebung EU-SILC oder das Sozioökonomische Panel erfassen das Einkommen sehr viel präziser als der Mikrozensus, besitzen für Regionalvergleiche aber zu kleine Stichproben.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

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