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Anton Hofreiter : Ein Mann wie ein Fluss

  • -Aktualisiert am

Gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt wird Anton Hofreiter die Bundestagsfraktion der Grünen leiten Bild: David Smith

Anton Hofreiter, neuer grüner Fraktionschef, folgt auf Jürgen Trittin, ist aber ganz anders. Hofreiter ist durch und durch ein Öko. Als „links“ würden ihn aber die wenigsten bezeichnen.

          Anton Hofreiter ist der politische Aufsteiger der vergangenen Tage: Nach der Bundestagswahl wurde der bisherige Vorsitzende des Verkehrsausschusses in den Fraktionsvorsitz der Grünen katapultiert; er wird ihn sich mit Katrin Göring-Eckardt teilen. Hofreiter hat aber noch einen anderen Führungsjob, und der sagt vielleicht mehr über ihn aus als alle weiteren politischen Ämter: Er ist im Vorstand der Parlamentarischen Gruppe „Frei fließende Flüsse“. Sie ist ein Unikum im Bundestag – und eine supergroße Koalition, deren Mitglieder von der Linkspartei über die SPD bis hin zur CSU reichen. Gemeinsames Ziel: den Ausbau der Donau und anderer Flüsse zu verhindern.

          Professionalität und ökologische Begeisterung, das sind die Ureigenschaften des 43 Jahre alten Hofreiter, der gerade mit Angela Merkel und anderen die Möglichkeiten einer schwarz-grünen Koalition auslotet. Hofreiter mache jedes Jahr eine Lehrwanderung zur wilden Isar, heißt es. Er selbst nennt den renaturierten Fluss „meinen Lieblingsplatz“. Auf Exkursionen mit Gästen beobachte er, „wie sich entlang des von seinem Betonkorsett befreiten Flussabschnitts längst verschwundene Tiere und Pflanzen wieder ansiedeln“. Zu den Lehrwanderungen lädt er als Grüner oder Aktivist des „Bund Naturschutz“ ein, einem mächtigen und großen Ökoverband in Bayern.

          Hofreiter kann sehr temperamentvoll sein

          Der Junge aus dem Örtchen Sauerlach 20 Kilometer südlich von München wusste vom ersten Tag im Gymnasium an, dass er Biologie studieren wird. Später hat er über die „Bomarea“ promoviert, und wer etwas wissen will über diese Inkalilie aus der Ordnung der Lilienartigen, der erfährt von Doktor Hofreiter vielleicht mehr, als ihm lieb sein kann. Hofreiter ist durch und durch ein Öko. Wenn er nicht an der Isar, sondern an der Spree in seinem Bundestagsbüro darüber spricht, hört sich das so an: „Wir machen die Energiewende ja nicht, weil wir Strommasten hübsch finden, sondern weil der CO2-Ausstoß unsere Lebensgrundlagen und die Öko-Systeme gefährdet.“

          Toni Hofreiter wurde 1970 in München geboren, in einem grünen Elternhaus mit drei Söhnen. Schon mit 14 Jahren begann er, bei den Grünen im Ort mitzuarbeiten, mit 16 wurde er Mitglied, mit 18 Sprecher der Sauerlacher Grünen. Wer dem Hofreiter Toni heute begegnet, darf sich nicht von seinem wiegenden Gang, der blonden schulterlangen Mähne und dem Bauchansatz täuschen lassen: Er ist kein gemütliches bayerisches Politbärchen. Vielmehr kann er scharf herausgeben, und er spricht immer geradeaus. „Der Toni versteckt sich ungern hinter diplomatischen Floskeln“, sagt einer seiner Mitstreiter aus den Tagen, als Hofreiter sich im Kreistag profilierte. Er weiß wie alle, die ihn beschreiben: Herr Hofreiter kann sehr temperamentvoll sein.

          Ob er oder seine Ko-Chefin Katrin Göring-Eckardt in der Fraktion die Macherrolle einnehmen wird, muss sich zeigen. Vor der Sondierung spielte Hofreiter die politischere Karte, indem er – anders als Göring-Eckardt – Schwarz-Grün eine realistische Chance gab. Im Sondierungsgespräch soll er dann bayerisch-derb mit CSU-Chef Horst Seehofer aneinandergeraten sein. „Er hat mich ein paar Mal angegiftet“, erinnert sich auch Ulrike Beck, stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende und frühere politische Gegnerin aus dem Gemeinderat. „Ich empfand ihn als intelligent, aber dogmatisch. Sein Lieblingsthema war der Neoliberalismus in der Wirtschaft.“ Die „Bild“-Zeitung hat dieser Tage insinuiert, Hofreiter sei als Verkehrspolitiker ein „Bahn-Basher“ gewesen, ein Jäger von Hartmut Mehdorn und CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer. Tatsächlich nimmt sich der Mann sowohl im Fernsehen als auch als Vorsitzender im Vergleich zu früher eher zurück. „Man muss vorsichtiger und diplomatischer sprechen“, sagt Hofreiter über seinen neuen Stil als grüner Spitzenmann, bei dem „auf jede Nuance der Worte geachtet wird“.

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