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Freitag, 17. Februar 2012
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Anti-G-8-Proteste Räuber und Gendarm

08.06.2007 ·  Die Aktionen um Heiligendamm und die Antworten der Polizei erinnern an kindische Fangspiele. Doch ohne die Demonstranten einschließlich des sogenannten Schwarzen Blocks verstünde niemand, wie berechtigt der Sicherheitsaufwand ist. Ein Kommentar von Georg Paul Hefty.

Von Georg Paul Hefty
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Räuber und Gendarm war früher ein beliebtes Geländespiel. Seit die Kinder nicht mehr auf der Straße, in Hinterhöfen, in Wald und Wiese aufwachsen, sondern „indoor“ mit Computerspielen beschäftigt sind, hat sich die Besinnung auf „outdoor activities“ ins Erwachsenenleben verlagert. Was am Donnerstag in Echtzeit auf der Ostsee zu beobachten war, ist die maritime Choreographie des alten Räuber-und-Gendarm-Spiels auf technisch hohem Niveau.

Die Rechtfertigung der Greenpeace-Aktivisten, sie hätten eine Petition an die Gipfelteilnehmer überreichen wollen, ist scheinheilig. Da sie wie die meisten Bürger seit Wochen wussten, dass nicht nur die Straßen, sondern auch die Seewege nach Heiligendamm gesperrt sind, hätten sie ihre Petition rechtzeitig zur Post bringen können, falls es ihnen auf die Ankunft beim Empfänger ankam. Doch für Greenpeace ist der Weg das eigentliche Ziel, und auch diesmal lag ihr eher daran, die Polizei zu narren, als die Bundeskanzlerin und deren Gäste über den besten Klimaschutz aufzuklären.

Akte der Selbstverwirklichung

Ähnlich choreographiert sind die Aktionen anderer Demonstranten. Auch den Wegelagerern geht es in erster Linie darum, von der Polizei vertrieben oder weggetragen zu werden, und bestenfalls in zweiter Linie darum, die Bevölkerung über irgendetwas aufzuklären. Nach derselben Choreographie geht die Polizei gegen die Demonstranten vor.

Diese aufwendigen Aufführungen können nur als Akte der Selbstverwirklichung beider Seiten gewertet werden: Die Polizei trägt den Sieg davon, aber die Demonstranten machen es ihr schwer. Wer hat das nötig? Sich diese Spielchen zu sparen würde die Kosten solcher Veranstaltungen erheblich senken und die Gesundheit der Beteiligten schonen.

Unvergleichlich gefährlichere Bedrohungen

Verheerend aber ist, dass das beiderseitige Schaulaufen vom Eigentlichen ablenkt, es jedenfalls erheblich behindert: Die Polizei hat allein die Aufgabe, die Gipfelteilnehmer zu schützen und einen ruhigen Ablauf des Treffens zu sichern. Dazu ist der Zaun anscheinend unerlässlich und ebenso die Sperrzone auf der See.

Denn niemand sollte glauben, die Demonstranten seien die eigentliche Gefahr. Es gibt unvergleichlich gefährlichere Bedrohungen, die sich allerdings nicht entfalten können, weil die Polizei schon die Demonstranten fernhält. Würde sie diese hingegen an die Staats- und Regierungschef heranlassen, könnten auch Terroristen und andere Wahnsinnige bei den Demonstranten unterschlüpfen. Um solche abzuwehren, bedürfte es eines ähnlich hohen Polizeiaufgebots.

Doch ohne die Demonstranten einschließlich des sogenannten Schwarzen Blocks würden weder die Haushaltspolitiker noch die Bürger den Aufwand verstehen - solange eben nichts passiert. Käme es jedoch zur Tragödie, dann bräche die Kritik über die Polizei herein. Das alte Kinderspiel heißt heute Polizei und Öffentlichkeit. Und das ist kindisch. (Siehe dazu: Greenpeace-Ballon zur Landung gezwungen)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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