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Berlin reagiert auf Anschläge : Die abstrakte Gefahr des Terrors

In Andenken an die Opfer des Terroranschlags von Barcelona stecken Blumen im Zaun der spanischen Botschaft in Berlin. Bild: EPA

Der Anschlag in Barcelona trifft besonders das Sicherheitsgefühl der Europäer. In Deutschland bleibt die Terrorgefahr unverändert hoch – doch die Lage wird für die Behörden immer unübersichtlicher.

          Bei dem Terrorakt von Barcelona sind auch mindestens 13 Deutsche zum Teil schwer verletzt worden. Sie wurden am Donnerstag in verschiedene Krankenhäuser in Barcelona gebracht; manche hätten sich selbst von dort aus bei ihren Angehörigen gemeldet, hieß es am Freitag aus der Bundesregierung. Berichte, dass es auch drei deutsche Todesopfer gebe, konnte die Bundesregierung bis zum Freitagabend nicht bestätigen. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) reiste am Nachmittag nach Barcelona, er wollte sich gemeinsam mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian ein Bild der Lage machen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Unter den deutschen Verletzten sind Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen. Mindestens drei Jugendliche einer nordrhein-westfälischen Reisegruppe seien schwer verletzt worden, teilte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf mit. Sie seien in örtlichen Krankenhäusern zur Behandlung. Bei den Jugendlichen handele es sich um drei Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aus einer evangelischen Kirchengemeinde in Oberhausen. Das sagte der Pfarrer der Gemeinde am Freitag. Sie gehörten zu den Teilnehmern einer Ferienfreizeit des Christlichen Vereins junger Menschen. Insgesamt hätten sich 54 junge Leute aus der Gruppe am Donnerstag zu einem Tagesausflug in Barcelona aufgehalten.

          Erinnerungen an den Anschlag in Berlin

          Der Anschlag in der Hauptstadt Kataloniens rief in Deutschland die Erinnerung an das Attentat von Berlin vor acht Monaten wach. Am 19. Dezember hatte der Terrorist Anis Amri einen Lastwagen auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gesteuert; zwölf Menschen wurden getötet, mehr als 50 verletzt. In der Gedächtniskirche, die damals Anlaufpunkt für Trauernde war, gedachte die Kirchengemeinde am Freitag der Opfer von Barcelona.

          An den Gebäuden in Berlin, die von Einrichtungen des Landes benutzt werden, wurden Flaggen auf Anordnung von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf halbmast gesetzt. Auch auf dem Gebäude des Reichstags und vor Bundesbehörden geschah das.

          Terroranschläge : Das Auto als Waffe

          Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden reiht sich der Anschlag von Barcelona in einer „Welle islamistisch motivierter Terrorakte in Europa“ ein. Durch sie kamen 350 Menschen ums Leben, mehr als 1300 wurden verletzt. Nun sind weitere 14 Tote und mehr als hundert zum Teil schwer Verletzte hinzugekommen. Die Anschlagswelle hat nach Auffassung der deutschen Sicherheitsbehörden mit der Taktik des „Islamischen Staats“ (IS) zu tun.

          Da die Terrororganisation im Irak und in Syrien in die Defensive geraten ist, werden Anschläge in Europa für sie umso wichtiger. Rief die Terrororganisation noch vor mehr als einem Jahr ihre Anhänger dazu auf, ins „Kalifat“ zu reisen, so werden sie nun noch stärker als früher gedrängt, in ihren Heimatländern Attentate zu begehen. Eine hohe Frequenz von Anschlägen gilt als die „Währung“ des IS, mit der er seine Bedeutung aufrechterhalten will. Gab es bis vor kurzem eine Ausreisewelle deutscher Islamisten ins „Kalifat“ nach Syrien und in den Irak, so ist diese stark zurückgegangen.

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