http://www.faz.net/-gpf-6xl4m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.02.2012, 14:24 Uhr

Anschlag in Frankfurt Lebenslange Haft für Flughafenattentäter

Der 22 Jahre alte Arid U., der im März 2011 einen Anschlag auf amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen verübt hat, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Anschlag wurden zwei Soldaten getötet und zwei weitere schwer verletzt.

von , Frankfurt
© dapd Am Tatort im März 2011

Wegen heimtückischen Mordes hat das Frankfurter Oberlandesgericht am Freitag den 22 Jahre alten Arid U. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. U. hatte am 2. März vergangenen Jahres am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Weil der Staatsschutzsenat zudem die besondere Schwere der Schuld feststellte, ist die Möglichkeit ausgeschlossen, dass U. nach 15 Jahren Haft beantragen kann, den Rest der Strafe zur Bewährung auszusetzen. Das Verbrechen gilt als erster islamistisch motivierter Anschlag mit Todesopfern in Deutschland.

Helmut Schwan Folgen:

Wie der Vorsitzende des Staatsschutzsenats, Thomas Sagebiel, in der Urteilsbegründung sagte, handelte der Angeklagte an dem Nachmittag der Tat äußerlich ruhig und überlegt. Gründe, die seine Schuld mindern könnten, sah das Gericht nicht. Das Strafmaß entsprach dem Antrag der Bundesanwaltschaft.

Urteil im Prozess gegen Frankfurter Flughafen-Attentaeter erwartet © dapd Vergrößern Arid U. im Frankfurter Oberlandesgericht im Januar

Der aus dem Kosovo stammende Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses im August die Tat gestanden. Er versuchte sie damit zu erklären, dass er „weitere Verbrechen“ der amerikanischen Soldaten in Afghanistan habe verhindern wollen. Er hatte nach eigener Darstellung am Vorabend im Internet ein Video betrachtet, das vermeintlich zeigte, wie Amerikaner ein junges Mädchen in Afghanistan vergewaltigten. Tatsächlich aber handelte es sich um eine Szene aus einem Kinofilm.

Arid U., der sich damals zum „heiligen Krieg“ der Islamisten bekannte, will sich über das Internet selbst radikalisiert haben. An dem Morgen des 2. März sei er überzeugt gewesen, er müsse die Frauen in Afghanistan vor weiteren Übergriffen schützen. Er nahm die Pistole – die er sich schon Wochen zuvor aus für das Gericht unerfindlichen Gründen beschafft hatte – und machte sich mit dem Bus auf den Weg zum Flughafen. Auf der Fahrt hörte er islamistische Propagandalieder, die zum Hass gegen den Westen und insbesondere gegen Amerikaner aufstacheln.

Mehr zum Thema

Untersuchungen des Bundeskriminalamtes (BKA) belegten, dass der Gelegenheitsarbeiter häufig Seiten mit islamistischem Inhalt aufgerufen hatte. Auch gerierte er sich in virtuellen Netzwerken als „Kämpfer“ für den Dschihad. Das BKA konnte hingegen keine Hinweise dafür finden, dass er in Verbindung mit extremistischen oder gar terroristischen Kreisen stand. Die Aussage eines Zeugen, der behauptet hatte, U. habe sich im Sommer 2010 in einem Terrorlager in Bosnien ausbilden lassen, hielt das Gericht nicht für stichhaltig.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Illegaler Waffenhandel im Netz Aus dem Darknet in Haft

In Heidelberg wird ein junger Mann zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte hat im Darknet mehrere Waffen verkauft – auch an Kriminelle. Mehr Von Rüdiger Soldt, Heidelberg

28.07.2016, 17:32 Uhr | Gesellschaft
Passanten-Umfrage Jüngste Gewalttaten beunruhigen viele Deutsche

Die offenbar islamistischen Anschläge in Ansbach und Würzburg, der Amoklauf in München sowie die jüngsten Gewalttaten in Frankreich: Eine Umfrage unter Passanten zeigt, dass viele Deutsche derzeit beunruhigt sind. Mehr

28.07.2016, 08:37 Uhr | Gesellschaft
Über zwei Jahrzehnte später Mafiosi wegen Mordes an Mafia-Jäger Falcone verurteilt

Vor 24 Jahren explodierte eine Bombe unter dem Wagen des Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone. Er, seine Frau und drei Leibwächter kamen ums Leben. Nun wurden vier Mafiosi dafür verurteilt. Mehr

27.07.2016, 14:22 Uhr | Gesellschaft
Nach Anschlägen in Bayern Seehofer kündigt massive Sicherheitsanstrengungen an

Nach den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen von Würzburg und Ansbach hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massive Anstrengungen im Bereich der inneren Sicherheit angekündigt. Der islamistische Terrorismus ist in Deutschland angekommen, und die Bevölkerung erwartet mit Recht, dass wir dieser Herausforderung mutig die Stirn bieten, sagte Seehofer in Gmund am Tegernsee vor Journalisten. Mehr

27.07.2016, 09:02 Uhr | Politik
Amaq Die Propagandamaschine des IS

Ob nach den Anschlägen in Brüssel, Würzburg, Ansbach oder in der Normandie – stets hat sich der Islamische Staat zuerst in einer Meldung der Nachrichtenagentur Amaq zu den Taten bekannt. Was steckt dahinter? Und wie glaubhaft sind solche Meldungen? Mehr Von Christoph Borgans

27.07.2016, 09:43 Uhr | Politik

Mehr Licht!

Von Reinhard Müller

Niemand will das Darknet verteufeln. Aber No-Go-Areas darf der Rechtsstaat im Netz so wenig akzeptieren wie im echten Leben Mehr 32 16