http://www.faz.net/-gpf-76dch
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.02.2013, 14:51 Uhr

Annette Schavan In der „Glaubwürdigkeitsfalle“

Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades werden in der Wissenschaft weiter Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bildungsministerin laut. Die FU Berlin verzichtet vorerst darauf, Annette Schavan die Honorarprofessur zu entziehen.

von , Berlin
© dpa Annette Schavan lehrt als Honorarprofessorin an der FU Berlin katholische Theologie

Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades werden auch in der Wissenschaft Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) laut. Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth sieht die Ministerin in einer „Glaubwürdigkeitsfalle“. Der Fall Guttenberg hole sie jetzt ein. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Bernhard Kempen sagte, für ihn sei nur schwer vorstellbar, „dass eine Bundesbildungsministerin, die in Fragen von Exzellenz und von wissenschaftlichem Arbeiten Vorbild sein soll, sich nun ausgerechnet in einem Titelkampf befindet“.

Heike Schmoll Folgen:

Der frühere Präsident der Humboldt-Universität Christof Markschies sagte, er sei sich sicher, dass Frau Schavan in ihrer Dissertation keinen Täuschungsversuch unternommen habe. „Man müsste, wenn man Annette Schavan den Doktorgrad entzieht, ihn schon aus Gleichbehandlungsgründen vielen Hunderten Promovierten ebenfalls entziehen“.

Mehr zum Thema

Markschies warnte davor, heutige Standards für die Beurteilung von Doktorarbeiten für allgemeingültig zu erklären. Frau Schavan habe ein außerordentlich schwieriges Thema bearbeitet, wenn man eine derartige Aufgabenstellung als Fehler bezeichnen möchte, „dann ist zuallererst der Doktorvater und das entsprechende Institut der Universität Düsseldorf dafür verantwortlich zu machen“, sagte Markschies.

Der Deutsche Philologenverband hat unterdessen gefordert, die Überprüfung von Examen und Promotionen den einzelnen Universitäten zu entziehen und an ein zentrales, unabhängiges Gremium zu delegieren. Nur so könne verhindert werden, dass Verfahrensfehler, diffuse und auseinanderdriftende Bewertungsmaßstäbe und politische Einflussnahmen die Objektivität des Überprüfungsverfahrens gefährdeten, heißt es in einer Erklärung des Verbandes.

FU Berlin: Kein Präjudiz

Die Freie Universität Berlin (FU), an der Frau Schavan als Honorarprofessorin katholische Theologie lehrt, will sich wegen des schwebenden Verfahrens zunächst nicht zu einem möglichen Entzug der Honorarprofessur äußern, um kein Präjudiz zu schaffen. Die Grundlage für die Verleihung einer Honorarprofessur ist in der Regel die Qualität der Dissertation.

Die logische Folge nach der Aberkennung des Doktorgrades wäre deshalb der Entzug der Honorarprofessur. Damit will die FU warten, bis das Gericht im Fall Schavan entschieden hat. Frau Schavan wird am Freitagabend von einer Südafrikareise zurückkehren.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Exzellenzinitiative Studenten, geht an deutsche Unis!

Cambridge, Harvard, Yale? Für eine exzellente akademische Ausbildung muss keiner ins Ausland. Die deutschen Universitäten haben längst aufgeholt. Mehr Von Inge Kloepfer

20.04.2016, 08:58 Uhr | Wirtschaft
Universität Basel Demonstranten stören Vortrag von Blatter

Der frühere Fifa-Chef Joseph Blatter hat an der Universität Basel zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Demonstranten störten die Veranstaltung und riefen Die Fifa muss weg. Mehr

16.04.2016, 16:31 Uhr | Sport
Hackerangriff an Unis Kopierer spucken antisemitische Pamphlete aus

Wie von Geisterhand gesteuert haben Netzwerkdrucker und Kopierer in Tübingen und anderen Universitäten antisemitische Pamphlete ausgedruckt. Die Uni hat Anzeige erstattet. Nun ermittelt der Staatsschutz. Mehr

21.04.2016, 17:36 Uhr | Gesellschaft
Audimax der Uni Wien Identitäre stören Jelinek-Aufführung

Identitäre stürmen, wie ein Mitschnitt auf Youtube zeigt, die Bühne des Audimax der Universität Wien. Mehr

15.04.2016, 14:29 Uhr | Feuilleton
Sicherheitsgesetz CDU will Terroristen die Staatsbürgerschaft entziehen

Wer in Syrien gekämpft hat, soll nicht nach Deutschland zurückkehren dürfen. CDU-Innenpolitiker fordern, in diesem Fall sogenannten Doppelstaatlern die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

19.04.2016, 18:04 Uhr | Politik

Die AfD ist zurück im 19. Jahrhundert

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Viele haben ein Problem mit der EU, wollen weniger Integration: Die AfD ist mit ihrem Willen auszutreten trotzdem in der Minderheit. Wie geschichtsvergessen kann man sein? Mehr 161 87