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Annette Schavan : In der „Glaubwürdigkeitsfalle“

Annette Schavan lehrt als Honorarprofessorin an der FU Berlin katholische Theologie Bild: dpa

Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades werden in der Wissenschaft weiter Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bildungsministerin laut. Die FU Berlin verzichtet vorerst darauf, Annette Schavan die Honorarprofessur zu entziehen.

          Nach der Aberkennung ihres Doktorgrades werden auch in der Wissenschaft Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) laut. Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth sieht die Ministerin in einer „Glaubwürdigkeitsfalle“. Der Fall Guttenberg hole sie jetzt ein. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Bernhard Kempen sagte, für ihn sei nur schwer vorstellbar, „dass eine Bundesbildungsministerin, die in Fragen von Exzellenz und von wissenschaftlichem Arbeiten Vorbild sein soll, sich nun ausgerechnet in einem Titelkampf befindet“.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Der frühere Präsident der Humboldt-Universität Christof Markschies sagte, er sei sich sicher, dass Frau Schavan in ihrer Dissertation keinen Täuschungsversuch unternommen habe. „Man müsste, wenn man Annette Schavan den Doktorgrad entzieht, ihn schon aus Gleichbehandlungsgründen vielen Hunderten Promovierten ebenfalls entziehen“.

          Markschies warnte davor, heutige Standards für die Beurteilung von Doktorarbeiten für allgemeingültig zu erklären. Frau Schavan habe ein außerordentlich schwieriges Thema bearbeitet, wenn man eine derartige Aufgabenstellung als Fehler bezeichnen möchte, „dann ist zuallererst der Doktorvater und das entsprechende Institut der Universität Düsseldorf dafür verantwortlich zu machen“, sagte Markschies.

          Der Deutsche Philologenverband hat unterdessen gefordert, die Überprüfung von Examen und Promotionen den einzelnen Universitäten zu entziehen und an ein zentrales, unabhängiges Gremium zu delegieren. Nur so könne verhindert werden, dass Verfahrensfehler, diffuse und auseinanderdriftende Bewertungsmaßstäbe und politische Einflussnahmen die Objektivität des Überprüfungsverfahrens gefährdeten, heißt es in einer Erklärung des Verbandes.

          FU Berlin: Kein Präjudiz

          Die Freie Universität Berlin (FU), an der Frau Schavan als Honorarprofessorin katholische Theologie lehrt, will sich wegen des schwebenden Verfahrens zunächst nicht zu einem möglichen Entzug der Honorarprofessur äußern, um kein Präjudiz zu schaffen. Die Grundlage für die Verleihung einer Honorarprofessur ist in der Regel die Qualität der Dissertation.

          Die logische Folge nach der Aberkennung des Doktorgrades wäre deshalb der Entzug der Honorarprofessur. Damit will die FU warten, bis das Gericht im Fall Schavan entschieden hat. Frau Schavan wird am Freitagabend von einer Südafrikareise zurückkehren.

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