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Annette Schavan honoris causa

 ·  Die Universität Lübeck will Annette Schavan die Ehrendoktorwürde verleihen, obwohl sie ihren Düsseldorfer Doktortitel verloren hat. Nun kommen immer mehr Details ans Licht. Ist die Auszeichnung wirklich verdient?

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© dapd Vergrößern Annette Schavan

Es gibt Entscheidungen im Leben, die bleiben an einem kleben wie Kaugummi. Man wird sie nicht mehr los. Und das Schlimmste ist: Als entschieden wurde, ahnte niemand, was kommen würde. Alle waren dafür, ohne Ausnahme. So etwas ist der Universität Lübeck passiert. Im Januar 2012 sprach sie Annette Schavan die Ehrendoktorwürde zu. Die Bundesbildungsministerin sollte geehrt werden für ihre Verdienste um die Rettung der medizinischen Studienplätze in Lübeck. Vom Vorwurf, sie habe in ihrer Dissertation „systematisch und vorsätzlich“ getäuscht, ahnte da noch niemand.

Nun ist Annette Schavan zurückgetreten, nachdem ihr die Universität Düsseldorf den Titel entzogen hat. Aber die Urkunde für ihre Ehrendoktorwürde liegt immer noch in einem Lübecker Tresor, gesiegelt und unterschrieben. Als Frau Schavan Anfang Februar vom niederschmetternden Urteil ihrer Alma Mater erfuhr, schrieb sie dem Präsidenten der Universität Lübeck einen Brief. Sie bat die Universität, die Verleihung des Doktor honoris causa zu verschieben, bis ihre Klage gegen den Entzug des Doktortitels entschieden ist.

Ihr Anwalt hat den Schriftsatz inzwischen am Verwaltungsgericht Düsseldorf eingereicht, seine Mandantin scheint bereit, durch alle Instanzen zu gehen. In ihrem Brief, der im vertraulichen Teil der Senatssitzung Mitte Februar verlesen wurde, unterbreitete sie noch einen zweiten Vorschlag. Sie überlasse es der Universität, nach Abschluss der rechtlichen Auseinandersetzung neu über die Ehrendoktorwürde zu befinden, schrieb Frau Schavan. Sie werde jede Entscheidung ohne Groll akzeptieren und der Universität verbunden bleiben.

„Ich hätte für richtig gehalten, Frau Schavan dennoch die Urkunde zu überreichen“

Für die Universität machte es die Dinge nicht einfacher. Die Institution wird damit zur Geisel eines Verfahrens, das sie nicht in der Hand hat. Der Rechtsstreit kann Jahre dauern. Und wenn er am Ende so ausgeht wie bisher die allermeisten Klagen vor Verwaltungsgerichten und die Entscheidung der Universität bekräftigt wird, den Doktortitel zu entziehen? Soll Lübeck dann ganz opportunistisch ein Verfahren zur Aberkennung des Dr. h.c. einleiten? Oder soll der Präsident die Urkunde trotzdem übergeben und so den Eindruck erwecken, er wolle die Gerichte korrigieren?

Bei der letzten Senatssitzung wurde stundenlang diskutiert, vor allem die studentischen Vertreter hatten kalte Füße bekommen. Sie hatten bis dahin alles abgenickt in den Gremien, obwohl es unter den Studenten schon früher rumort hatte. Der Uni-Justitiar suchte Auswege - und fand keinen. Am Ende votierte der Senat für die Verschiebung der Auszeichnung auf „einen späteren, mit Frau Schavan abgestimmten Zeitpunkt“. Wieder einstimmig. „Wir hatten keine andere Wahl“, sagt einer der Studenten.

Der Präsident der Universität macht im Gespräch keinen Hehl aus seiner Gemütslage: „Ich hätte es persönlich sogar für richtig gehalten, Frau Schavan ungeachtet ihrer Plagiatsklage in diesem April die Urkunde zu überreichen“, sagt Peter Dominiak. Und er fügt hinzu: „Wenn sie es möchte, überreiche ich ihr die Urkunde auch vor Abschluss der gerichtlichen Überprüfung.“ Fast scheint es, als wolle der Toxikologe das Schriftstück in seinem Tresor endlich loswerden und die Debatte beenden. Frau Schavans Promotion sei in Lübeck nie Gegenstand des Verfahrens gewesen, argumentiert er, deshalb habe die Verleihung des Ehrendoktors mit dem Plagiatsverfahren nichts zu tun.

Der Präsident muss die Suppe auslöffeln

Dass die Promotionsordnung den Entzug der Ehrendoktorwürde ermöglicht, „falls der Geehrte sich der Auszeichnung nicht würdig erwiesen hat“, ist aus Sicht der Universitätsleitung kein Einwand. Der Passus beziehe sich nur auf Kapitalverbrechen. Man würde schließlich auch Günter Grass nicht die Ehrendoktorwürde entziehen, nur weil er sich womöglich antisemitisch äußere. Grass ist seit 2003 Ehrendoktor der Medizin in seiner Wahlheimat, er wurde geehrt für die „künstlerische Verarbeitung medizinischer Sachverhalte“.

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