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Veröffentlicht: 15.01.2015, 17:32 Uhr

F.A.Z.-Interview mit der Kanzlerin Merkel: Christen brauchen mehr Selbstbewusstsein

Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft im F.A.Z.-Interview die Christen in Deutschland dazu auf, „noch mehr und selbstbewusst über ihre christlichen Werte zu sprechen“. Die Gefahr einer Islamisierung des Landes sieht die CDU-Vorsitzende nicht. Abermals distanziert sie sich von Pegida.

© Frank Röth Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Sehe keine Islamisierung in Deutschland“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Christen in Deutschland zu größerem Selbstbewusstsein ermuntert. Die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands sehe sie nicht. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitagausgabe) sagte sie, sie wisse, dass der Islam derzeit viele Deutsche verunsichere. Das liege vielleicht auch daran, dass „wir zu wenig über den Islam wissen“.

Die CDU-Vorsitzende rief die Christen in Deutschland zur „Stärkung der eigenen Identität“ dazu auf, „noch mehr und selbstbewusst über ihre christlichen Werte zu sprechen und ihre eigenen Kenntnisse ihrer Religion zu vertiefen“. Sie sagte: „Mit fortschreitender Säkularisierung lassen die Kenntnisse über das Christentum immer mehr zu wünschen übrig. Jeder sollte sich selbst frage, was er zur Stärkung der eigenen Identität, zu der bei der Mehrheit immer auch noch die christliche Religion gehört, tun kann“.

Merkel: Ich verstehe die Sorgen der Pegida-Teilnehmer

Die Bundeskanzlerin distanzierte sich abermals von Pegida, aber zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit der Teilnehmer der Demonstrationen. „Ich verstehe viele Probleme, die viele Menschen umtreiben, etwa die unbestreitbaren Fragen, die die Zuwanderung aufwirft, die ansonsten für unser Land ein Gewinn und im Übrigen unverzichtbar ist, oder die Kriminalität in den Großstädten und in bestimmten Grenzgebieten.“

Bei den Pegida-Demonstrationen seien aber „auch andere Motive im Spiel“. Für die Leute, die zu diesen Demonstrationen aufriefen, spielten „zu oft Vorurteile, Kälte, sogar Hass“ eine Rolle. Deshalb sollten sich die Menschen nicht von ihnen instrumentalisieren lassen. Merkel sagte der F.A.Z.: „Ich muss verstehen, was die Sorgen sind, aber ich muss nicht Verständnis für jede Form von Demonstration haben.“

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F.A.Z. Mehr dazu in der F.A.Z. vom 16.01.2015. Am Vorabend schon in der F.A.Z. -App und als E-Paper.

In dem Gespräch forderte sie die „muslimische Geistlichkeit“ dazu auf, das Verhältnis des Islams zur Gewalt zu klären. Viele Menschen zweifelten daran, dass man der Behauptung noch folgen könne, Mörder, die sich auf den Islam beriefen, hätten nichts mit ihm zu tun: „Ich halte eine Klärung diese berechtigten Frage durch die Geistlichkeit des Islams für wichtig und dringlich“.

Merkel sagte, es werde alles getan, um einen terroristischen Anschlag wie in Paris zu verhindern. „Völlig ausschließen können wir einen solchen Anschlag aber auch in Deutschland nicht“. Sie forderte eine noch intensivere internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.

„CDU wird durch die AfD nicht geschwächt“

Merkel sieht ihre Partei durch die AfD nicht geschwächt. „Ohne allzu viel auf Umfragen zu geben: Die derzeitigen Werte der CDU sprechen jedenfalls nicht dafür, dass unser Volksparteicharakter sehr geschwächt wäre.“ Um aber Volkspartei bleiben zu können, müsse die CDU auch die konservativen Wähler ansprechen. Merkel sagte der F.A.Z.: „Das Konservative ist und bleibt eine der Wurzeln der Christlich-Demokratischen Union, neben der liberalen und der christlich-sozialen.“

Der Zulauf für populistische und radikale Parteien in Europa erkläre sie sich „mit den Auswirkungen der zunehmenden Globalisierung“. Darauf reagierten manche Menschen mit dem „Rückzug ins Nationale“. Es sei aber eine „trügerische Annahme“, jeder Staat für sich könne die Probleme besser lösen. Sie fügte hinzu: „Abschottung ist kein Konzept, um der Globalisierung zu begegnen, und schon gar keines, um unseren Idealen und auch der Intention unseres Grundgesetzes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, gerecht zu werden.“

Quelle: FAZ.NET

 

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