28.07.2009 · Angela Merkel ist längst am Ziel: Die Frauenfrage, das ewige „Kann die dat?“, gibt es nicht mehr. Und was sie will, weiß keiner. So bleibt die Politikerin im Tarngewand ihres Geschlechts zugleich unfassbar und „authentisch“.
Von Christiane HoffmannAlle sagen, das ist kein Thema mehr. Es sei selbstverständlich geworden, nicht mehr der Erwähnung wert, dass eine Frau Deutschland regiert. „Die Normalität ist für uns Frauen von außerordentlich großer Bedeutung“, sagt Maria Böhmer, Vorsitzende der Frauenunion. Was war da nicht alles gewesen: Das Äußerliche natürlich: die Schuhe - zu ausgelatscht, die Brille - zu bieder, die Handtasche - o, là là, der Schmuck - zu unbedarft, die Frisur - welche Frisur?, die Hosenanzüge, die Farbe des Jacketts - jedes Detail löste eine Flut von Kommentaren aus, gegen die sich Schröders Brioni-Episode wortkarg ausnahm. Und erst das norwegische Dekolleté: die Entdeckung der Weiblichkeit, die große Offensive, das Wettbrüsten! Und dann die grundsätzliche Frage: „Kann die dat?“ Kann eine Frau das?
Spott über „das Merkel“
Dass es kein Thema mehr ist, ist der Triumph einer Frau, die viele Jahre lang darum gerungen hat, nicht als Frau wahrgenommen zu werden. Die nie Frauenkanzlerin sein wollte. Die gerade als Frau viele Blessuren erlitten hat, den Spott über die mangelnde Weiblichkeit, über „das Merkel“. Die es stets abgelehnt hat, in Klischees von Männlichkeit und Weiblichkeit zu denken. „Die Frau hat wirklich kein Vorurteil zu Geschlechterfragen, entweder weil sie so aufgewachsen ist oder weil sie so klug ist, diesen Aspekt zu vernachlässigen“, sagt sogar die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler, eine ihrer schärfsten Kritikerinnen, wenn es um Merkels Politik geht. Als die Kanzlerin hört, dass es in unserem halbstündigen Gespräch um „Merkel, die Frau“ gehen soll, ist sie entsetzt.
30. April. Berlin, Bundeskanzleramt. Die Kanzlerin hat Sozialarbeiterinnen eingeladen. Unter den etwa zweihundert Gästen sind, wie sie zufrieden feststellt, auch ein paar Männer. Podiumsdiskussion, Streichquartett, Kindergesang, Häppchen. Die Podiumsdiskussion eröffnet die Kanzlerin mit einigen Bemerkungen über ihre Kindheit in Templin, die kinderreichen Nachbarn, das Zusammenleben mit geistig Behinderten. Sie hat gelernt, dass es wichtig ist, Persönliches preiszugeben.
Noch immer beginnt sie die Sätze ein wenig zögernd, fast unsicher. Sie sitzt auf dem Podium mit übereinandergeschlagenen Beinen, der Oberkörper regungslos. Das violette Jackett wirkt zu eng, als stecke der Oberkörper in einem Panzer, aus dem weich und beweglich Kopf und Arme hervorschauen. Die Anspannung steckt in den Schultern, die immer etwas hochgezogen sind.
Die Authentische
Auf den ersten Blick ist alles Routine und heitere Gelassenheit. Aber sie ist sich der Beobachtung immer bewusst, in diesen zwei Stunden gibt es keinen Moment der Entspannung, auch dann nicht, als die Häppchen gereicht werden und sie mit kleinen Grüppchen für Erinnerungsfotos posiert. Die Gäste haben nach der Veranstaltung einen guten Eindruck: nichts Neues, aber sie fühlen sich ernst genommen. Und die Kanzlerin sei so authentisch. „Das Authentische ist sehr wichtig“, sagt Frau Merkel. „Die Leute nehmen eher in Kauf, dass die Haare mal nicht so sitzen, als wenn sie den Eindruck haben, sie haben einen Schauspieler vor sich.“ Merkel, die Authentische. Das ist eines ihrer großen Erfolgsrezepte. Wie gelingt ihr das, im Zentrum der großen Inszenierung, die die Kanzlerschaft in Zeiten der Mediendemokratie ist, authentisch zu wirken? Sie weiß, welche Schwächen sie zu ihrem Vorteil zeigen kann, dass es viel wirkungsvoller ist, Unzulänglichkeiten nicht zu verbergen. Sie hat das Amt, die Aura und den Respekt. Zugleich sind ihre Kanten noch nicht gänzlich abgeschliffen, formuliert sie noch immer holprig, sieht alles andere als perfekt aus - sympathisch wirkt das und ehrlich.
Dabei hat kein Politiker - mit Ausnahme von Joschka Fischer vielleicht - einen so weiten Weg zurückgelegt wie sie: von den Strickpullovern und Öko-Latschen bis zu der bürgerlichen Uniform ihrer Hosenanzüge, die in der öffentlichen Wahrnehmung nur einmal jährlich durch die Abendrobe von Bayreuth durchbrochen wird. Sie hat sich angepasst nach einer langen Trotzphase der demonstrativen Anpassungsverweigerung.
Sie spricht von „Schminke“, nicht von „Make-up“
Heute klingt das alles versöhnt: „Ich habe das Gefühl, dass ich den berechtigten Erwartungen gerecht werde, ohne dass ich mich verbiegen muss“, sagt sie. Es sagt viel, dass sie nicht westdeutsch-denglisch von Make-up spricht, sondern von Schminke, als stehe sie eben doch auf einer Theaterbühne.
26. Mai. Berlin-Charlottenburg. Im kleinen Konferenzzimmer der Event-Agentur Hardenberg Concept in der Fasanenstraße hängt in schwerem Rahmen die Illustration zum „Zeit“-Artikel über Frauennetzwerke „Kämpfende Amazonen“: Friede Springer, Alice Schwarzer, Isa Gräfin von Hardenberg, Angela Merkel, Sabine Christiansen und Miriam Meckel, und in einem Bild im Bild wacht über allen Simone de Beauvoir.
Gräfin von Hardenberg ist gerade aus Cannes zurück, wo sie beim Filmfest eine Veranstaltung ausgerichtet hat. Für heute Abend hat die Bundeskanzlerin sie bei der „CDU-Medianight“ an ihren Tisch gebeten. Bekannt wurde Gräfin von Hardenberg durch das legendäre Foto von der Bundestagstribüne, auf dem sie in Champagnerlaune mit Sabine Christiansen, der „Welt“-Journalistin Inga Griese und Friede Springer die Vereidigung der Kanzlerin feiert.
Auf Du und Du mit Alice Schwarzer
Damals begann die Rede von den Frauennetzwerken. Von Hardenberg hatte eine führende Rolle dabei gespielt, unter bürgerlichen Frauen, die als einflussreich galten, Unterstützung für die Kandidatin Merkel zu mobilisieren. Man meinte, die entfalte ihre Wirkung vor allem im kleinen Kreis - so ist das bei Frauen -, und so wurden in vielen Bundesländern Veranstaltungen für Frauen organisiert, um die Kandidatin kennenzulernen. Gräfin Pilati in Hessen, Ann-Katrin Bauknecht in Baden-Württemberg, Susanne Porsche in München - es schien, als wecke Merkels Kandidatur gerade unter Unternehmerfrauen ein feministisches Bewusstsein. „Was die Kanzlerin mit vielen Unternehmerfrauen verbindet: Viele waren die Erste in einer Männerwelt. Sie sind Pioniere“, sagt Annette Schavan. Auf den Wahlausgang hatte die Mobilisierung am Ende keinen großen Einfluss: Angela Merkel erhielt 2005 bei Frauen weniger Stimmen als Edmund Stoiber drei Jahre zuvor.
Bei den „Amazonen“ steht Gräfin Hardenberg in der Mitte und legt ihren Arm auf die Schulter von Alice Schwarzer. Zu zeigen, dass man mit Alice auf Du und Du steht, darauf legt man im Kreis dieser konservativen Frauen Wert. Es ist schick, mit der einstigen feministischen Schreckschraube, die nun durch die Freundschaft der Kanzlerin geadelt ist, zu verkehren. Frau Merkel sagt, sie habe versucht, „ein Stück Zusammenhalt und Zusammengehen von Frauen von ,Emma' bis zum bürgerlichen Lager zu schaffen“. Nützlich im Zuge der von Merkel betriebenen kulturellen Öffnung der CDU sei die Nähe zu Schwarzer, sagt Michael Spreng, der ehemalige Medienberater von Helmut Kohl.
Netzwerk aller Couleurs
Viel verdankt die Frauenverbundenheit dem Gedöns-Kanzler. Die Schlüsselszene ist Schröders Auftritt bei der Elefantenrunde am Wahlabend 2005. Der Ärger über sein selbstherrliches Auftreten reichte unter den Frauen weit über die CDU hinaus, ein Moment der Identifikation mit Merkel, der Frau, eine allgemeine Empörung, die man bis heute ausschlachten kann.
Der Kontakt Angela Merkels zu Alice Schwarzer reicht aber viel weiter zurück. Die Kanzlerin, die selbst noch zu DDR-Zeiten Simone de Beauvoir gelesen hatte, war nach der Wende begeistert, eine Frau zu treffen, die mit der französischen Feministin persönlich bekannt war. In grundsätzlichen Diskussionen über Menschen- und Frauenrechte kam man sich näher, eine Beziehung geistiger Befruchtung und intellektueller Faszination.
Auch Alice Schwarzer mobilisiert für die Kanzlerin. Die Begründerin von Emma steht im Zentrum eines Netzwerks von Journalistinnen aller politischen Couleurs, die sie hin und wieder zu sich einlädt. Auch die Kanzlerin war bei diesen Treffen schon mal dabei. Natürlich ist es dann ein Unterschied, ob zwanzig Journalistinnen mit der Kanzlerin sprechen oder zwanzig Journalisten mit dem Kanzler. Selbst wenn sie politisch nicht übereinstimmen, verbindet sie der Stolz, dass es da eine Frau nach ganz oben geschafft hat. Sie sind bereit, sie in Schutz zu nehmen, wenn sie ihrer Ansicht nach ungerecht behandelt wird. Solche Muster gibt es in der Männerpolitik nicht.
Die Einsamkeit, die verletzende Berichterstattung
Niemand scheint sich daran erinnern zu können, wie die Freundschaft Angela Merkels mit Friede Springer begann. Schon zu Merkels Zeit als Ministerin in Bonn gab es Treffen im privaten Rahmen. Nach der Spendenaffäre wurde der Kontakt intensiver. Jetzt begegnen sie sich in Berlin, treffen sich auf Sylt ... „Friede Springer fördert Merkel seit langem und hält ihr negative Kommentare vom Leib“, sagt eine, die beide Frauen seit langem kennt.
Der Nutzen dieser Freundschaft für die beiden mächtigsten Frauen der Republik liegt auf der Hand. Auch frühere Kanzler pflegten besondere Beziehungen zu bestimmten Medien, und alle versuchten sie, ihr Bild in der Öffentlichkeit, so weit es geht, zu bestimmen, zu kontrollieren. Aber dies ist auch die Freundschaft zweier Frauen, die mehr verbindet als die norddeutsche Herkunft: die Einsamkeit, die verletzende Berichterstattung, sich durchgekämpft zu haben in einer Männerwelt.
19. Mai. Frankfurt, Römer. Europawahlkampf. Die Kanzlerin spricht vierzig Minuten frei, souverän, sie hat gelernt, die Stimmlage niedrig zu halten, damit sie nicht schrill klingt. Natürlich geht es vor allem um die Krise. Deutschland, sagt sie, habe mit der Sozialen Marktwirtschaft das richtige Modell gehabt. „Das hat sich bewährt.“ Nun gelte es, deren Grundprinzipien weltweit zu verankern, damit sich eine solche Krise nicht wiederholen kann. Das klingt beruhigend.
Hausfrauentugenden in der Krise
In dieser Krise ist es von Vorteil, eine Frau zu sein. 9-11, das war eine männliche Krise, da ging es um Terror und Krieg und Kampf. Aber dies ist eine Krise, wo es um Haushalt und Wirtschaften geht, und mit der schwäbischen Hausfrauenweisheit - man kann nicht auf die Dauer über seine Verhältnisse leben - hat die Kanzlerin der Krise etwas beruhigend Alltägliches und Überschaubares gegeben. Die Unfassbarkeit der Krise wird heruntergebrochen auf das Ausgabenheft auf dem Küchenbord. Hausfrauentugenden - das nimmt man ihr ab: nüchtern, mit Blick für die Details, pragmatisch. Alltagsvernunft. Sie will Ordnung haben. Dass sie gerne und bodenständig kocht - Kartoffelsuppe, Rouladen -, ist einer der Einblicke in ihr Privatleben, den sie geradezu kultiviert.
Unterschwellig gab es zu Beginn der Krise sofort den Ruf nach dem starken Mann, dem breiten Rücken. Die „Kann die das?“-Frage war wieder da. Aber dann gelang es Frau Merkel, den männlichen Tatendrang jenseits von Rhein und Ärmelkanal als blinden Aktionismus erscheinen zu lassen. Ihre Umfragewerte sind in der Krise gestiegen. Dass die Sparguthaben sicher seien, die Krise beherrschbar sei, es keinen Grund zur Aufregung gebe, sosehr auch die Kommentatoren in Berlin nach großen Worten riefen, das kam an, unabhängig davon, ob die ergriffenen Maßnahmen richtig waren.
Parteifreunde nennen sie „Mutti“ oder „die Alte“
„Mutti“ - so wird die Kanzlerin von den Männern ihrer Partei hinter vorgehaltener Hand genannt (manchmal auch: „die Alte“). „Mutti“, das klingt nach einer gutmütig belächelten Autorität, es klingt unattraktiv und ungefährlich - wie einst Kohls Mädchen. Es klingt nach DDR. Und es klingt so, als sei man selbst eine Generation jünger und habe die Zukunft noch vor sich. „Mutti“ ist die verzweifelte Reaktion der gedemütigten Männer.
Aber selbst in der Diffamierung ist ein Funken Wahrheit. Denn Angela Merkel hat durchaus verstanden, dass es für Frauen an der Macht immer weniger nötig ist, die weibliche oder häusliche Seite zu verbergen. Im Gegenteil: Immer offensiver setzt sie sich als „Mutter der Nation“ in Szene, im Mai in der RTL-Fragestunde „Townhall Meeting“ etwa, wo sie fürsorglich, beratend und über Kochrezepte plaudernd an einem mütterlichen Kümmer-Image bastelte. Der französische Psychiater Michel Schneider hat das in einer Kampfschrift gegen Segolène Royal als die Zukunft weiblicher Politik ausgemacht: Die Politik sei im Begriff, „eine Angelegenheit der Mütter zu werden“. Nicht die Frauen bemächtigten sich der Politik, sondern die Mutter verkörpere von jetzt an die politische Macht.
Das CDU-Wahlplakat für den Europawahlkampf mit seinem an Sinnlosigkeit grenzenden Slogan „Wir in Europa“ zeigte auf der rechten Seite ein fast zur Ikone verklärtes Porträt der Kanzlerin. Dass es wie alle Plakate geschönt ist, ist nicht der Rede wert. Das ist auch bei männlichen Politikern längst selbstverständlich. Aber auf diesem Bild scheint die Kanzlerin ganz ins Sphärische, ins Unfassbare entrückt.
Unfassbar sein
Unfassbar zu sein bedeutet Sicherheit, das kann man in der Stasi-Welt der DDR lernen. Es heißt auch, dass man Projektionsfläche für Zuschreibungen bleiben kann. Für den ganz auf die Kanzlerin zugeschnittenen Wahlkampf der CDU ist die Unfassbarkeit deshalb ein wichtiger Bestandteil. Angela Merkel gelingt etwas Unglaubliches: Sie hat den Ruf, noch immer rätselhaft und unfassbar und zugleich authentisch zu sein. Man weiß nicht, wie Ikonen wirken. Aber es ist wichtig, dass man daran glaubt.
27. Mai. Auditorium Maximum der Humboldt-Universität Berlin. Die Kanzlerin hält eine Vorlesung zur Europa-Politik. Nach etwa einer halben Stunde wird ihr Vortrag von einem lauten Pfeifkonzert unterbrochen. Ein Grüppchen von Studenten protestiert gegen die Hochschulpolitik der Regierung. Merkel unterbricht ihre Rede. Sie bleibt unbeweglich am Redepult stehen und wartet ab. Sie tut nichts von dem, was man erwarten würde: um Ruhe bitten, ungeduldig oder ärgerlich werden, die Manuskriptseiten ordnen. Sie verharrt ewig lange fünf Minuten in vollkommener Regungslosigkeit, bis die Ordner die Protestierenden aus dem Saal geschafft haben. Applaus brandet kurz auf, den sie ebenfalls regungslos entgegennimmt. Dann setzt sie ihren Vortrag kommentarlos genau an der Stelle des Satzes fort, an dem sie ihn unterbrochen hat.
Frauen müssen mehr einstecken
Sie ist ganz weit oben. Unerreichbar, unverwundbar. Sie glaubt, auf dem Gipfel der Macht ganz bei sich, bei sich selbst angekommen zu sein. Sie ist da, wo sie hinwollte. „Regieren liegt mir eben doch mehr als Opposition“, soll sie einmal im kleinen Kreis gesagt haben. Dank der Sympathie für ihre Person wird ihre Partei die Wahl gewinnen. Ihr Blick vom siebten Stock des Kanzleramts geht über das ganze Regierungsviertel. Dort ist es ruhig, nur der Wind heult in den Betonsäulen wie in einem alte Schloss. In der jüngsten Zustimmungsumfrage liegt sie 37 Prozentpunkte vor Steinmeier.
Auch wenn sie das von sich weisen würde, sind es auch Eigenschaften, die als weiblich angesehen werden, die sie hierhin gebracht haben: die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich anzupassen und einzustecken. Frauen müssen, um dabei sein zu dürfen, oft mehr einstecken können als Männer. Vor allem aber den Leistungswillen haben, der sich vom Machtwillen unterscheidet. Leistungsbereitschaft, das heißt, seine Sache innerhalb einer gestellten Aufgabe gut zu machen. Sie zielt auf Anerkennung. Warum sonst sind Mädchen so gut in der Schule? Machtwille ist der Wille, zu gestalten und inhaltliche Ziele zu erreichen, unabhängig davon, ob das Anerkennung verspricht. Leistungswillen zielt darauf, eine bestimmte Position zu erlangen, einen Status, der wichtiger ist als Inhalte. Ein Mann fragt: Wo ist meine Spur? Einer Frau ist es vielleicht Spur genug, da oben gewesen zu sein und möglichst lange zu bleiben.
Das wirklich Schwierige: ein Mann zu sein
Das Thema ist also durch. Oder vielleicht doch nicht ganz: „Kann eigentlich auch ein Mann Bundeskanzlerin werden?“, variierte kürzlich unsere Siebenjährige die „Kann die das?“-Frage. Die muss sich nun Steinmeier gefallen lassen. Und die Berliner Frauennetzwerke sind schon eifrig dabei, ihn zu umgarnen und zu umschlingen.
Hundert Damen und Steinmeier - das war das Konzept eines Abends, zu dem unlängst eine Literaturagentur ihr Autorinnen sowie die einschlägigen Netzwerkerinnen der Society geladen hatte. Da stand der Hahn also zwischen den hundert und versuchte, Männlichkeit zu markieren, indem er auf seinem Bier beharrte, während alle Damen Wein und Prosecco tranken. Und während sie angeregt diskutierten und sich amüsierten und er sich krampfhaft mühte, locker zu wirken, und sein Alleinstellungsmerkmal offensichtlich nicht genießen konnte, da war deutlich, was in diesen Sphären der Politik das wirklich Schwierige ist: ein Mann zu sein.
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Christiane Hoffmann Jahrgang 1967, politische Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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