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Politik und Gender : Warum ich Andrea Nahles zum Mann gemacht habe

Der einzige Mann in der SPD? Andrea Nahles in ihrer Fraktion. Bild: dpa

Der Satz „Der einzige Mann in der SPD-Führung scheint Andrea Nahles zu sein“ hat viele empört. Eine Replik an eine Leserin.

          Sehr geehrte Frau ....,

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          vielen Dank für Ihren Brief, der nicht der einzige ist, der sich über meine Formulierung („Der einzige Mann in der SPD-Führung…“) beschwert hat. Die Gründe dafür kann ich durchaus nachvollziehen, aber nicht die Logik, die dahinter steckt.

          Sie schreiben, es sei ein „genderspottender“ Satz. Alles andere als „genderspottende“ Autoren versuchen uns immer wieder zu erklären, dass Frauen einen anderen Politikstil pflegen als Männer (nicht auf Konfrontation aus, ohne Statusgehabe, vermittelnd, an der Sache orientiert, etc.). Ein etwas skurriles Beispiel dafür war die Äußerung von Susanne Gaschke nach ihrem Rücktritt als Kieler Oberbürgermeisterin, sie sei Opfer einer „testosterongesteuerten“ politischen Unkultur. Will sagen: Männer sind Machtmenschen, wollen sich unbedingt durchsetzen, sind auf Stärke, Status und Dominanz fixiert, etc. (Sehr schön – auch hier: genderspottend? – die Antwort von Christiane Hoffmann darauf: „Die testosterongesteuerte Frau“)

          Das war übertrieben, lag aber auf derselben Linie. Wenn es aber so ist, dass es zwischen Männern und Frauen durchaus Unterschiede gibt im politischen Habitus, muss man sich dann nicht auch fragen, wann dieser jeweilige Habitus in bestimmten Situationen erfolgversprechend ist, wann nicht? Für die SPD-Führung geht es doch jetzt darum, sich gegenüber ihren Kritikern mit aller Kraft durchzusetzen – führt da der Stil weiter, der Frauen nachgesagt wird, oder der angeblich typische Stil der Männer?

          Wenn ich dann schreibe, eine Frau sei ein Mann, halte ich das für weniger diskriminierend, als wenn einer Frau bescheinigt wird, sie könne eben nicht aus ihrer Haut, sondern sei auf den Politikstil festgelegt, der für Frauen typisch sei. Und ich halte es außerdem für weniger diskriminierend, wenn ich behaupte, dass nicht immer nur dieser oder jener Stil der bessere, zielführendere, sympathischere ist.

          Sollte ein Mann sich einmal so verhalten, wie obige Autoren das für Frauen für typisch halten, warum sollte ich dann nicht auch einmal schreiben:  Die einzige Frau in der CSU scheint Markus Söder zu sein? (Zugegeben: Söder entspricht dann doch eher dem klassischen Männertyp, oder bin ich nun wieder meiner genderspottenden Sicht auf den Leim gegangen?)

          Nicht Sie, aber andere Leser haben mir unterstellt, mit den „zeternden und zaudernden Sozialdemokraten“, die ich Andrea Nahles gegenübergestellt habe, hätte ich offenbar beschrieben, was ich unter einer frauentypischen Art verstehe, Politik zu treiben (der Renner auf Twitter!). Das hat mich überrascht, weil es sichtlich neutral gemeint war. Erklären kann ich mir das Vorurteil nur dadurch, dass diese Leser offenbar Opfer ihrer eigenen Gender-Lesart geworden sind: In vermeintlich frauentypischer Politik sehen sie ausschließlich Positives, weil sie sich von den Klischees und Diskriminierungen der Vergangenheit distanzieren wollen. Was sie nicht merken: Sie ersetzen das alte Klischee durch ein neues und übersehen, dass die Diskriminierung („testosterongesteuert“) mitunter einfach die Seiten gewechselt hat.

          Dann doch lieber Frauen, die zu Männern werden, und Männer, die zu Frauen werden. Denn in allen steckt beides.

          Über ein Antwort würde ich mich freuen,

          mit freundlichen Grüßen,

          Ihr

          Jasper v. Altenbockum

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