http://www.faz.net/-gpf-9c3fo

Rommel statt Dragqueens : Poggenburgs Sehnsucht nach 1942

Gefahr für die Kampfkraft? Die Travestiekünstler Lee Jackson und Barbie Stupid besuchen am 5. Juli die Rommel-Kaserne in Dornstadt. Bild: Bundeswehr Baden-Württemberg/Facebook

Ein Tweet des sachsen-anhaltischen AfD-Mannes sorgt für Aufregung. Seine Rechtfertigungsversuche werfen weitere Fragen auf.

          André Poggenburg sieht sich als Patriot. So steht es im Twitterprofil des sachsen-anhaltischen Landtagsabgeordneten. Wie viele Patrioten sorgt sich der AfD-Politiker um die Verteidigungsbereitschaft Deutschlands. Damit hat er einen Punkt. Der Zustand der Streitkräfte ist beklagenswert. Kein U-Boot fährt mehr zur See, zahlreiche Kampfflugzeuge sind gegroundet. Rüstungsprojekte brauchen Ewigkeiten und der Aufwuchs der Streitkräfte kommt trotz massiver Anstrengungen kaum vom Fleck.

          Am Freitag veröffentlichte Poggenburg einen Tweet, der weit über diese Beobachtung hinausging – und jede Menge Interpretationsspielraum ließ. Er zeigte eine Fotomontage von Generalfeldmarschall Erwin Rommel neben einer Travestiekünstlerin in Bundeswehruniform. Versehen mit den Schriftzügen: „Die deutsche Armee… im Laufe der Jahre. 1942. 2018.“ Die Montage trägt das Emblem des AfD-Kreisverbands Saale. Poggenburg schrieb zu dem Bild: „Dieser Zustand ist eine Schande für unser Land und zugleich Landesverrat, da es jeden Gegner förmlich in Versuchung führt, unser Land zu überfallen!“

          Poggenburg war nie Soldat

          Hintergrund von Poggenburgs Tweet war offenbar der Besuch der beiden Hamburger Dragqueens Lee Jackson und Barbie Stupid. Wie die Bundeswehr in Baden-Württemberg auf Facebook berichtet, waren sie am 5. Juli zu Gast beim Kraftfahrtausbildungszentrum in der Rommel-Kaserne in Dornstadt.

          Poggenburg verwehrte sich später auf Twitter gegen Vorwürfe, das Dritte Reich zurückzuwünschen. „Niemand von uns will den Nationalsozialismus wiederbeleben“, schrieb Poggenburg, der zum völkischen Flügel der AfD um Björn Höcke zählt. „Ich wünsche mir eine Armee, die Schutz bietet und Stärke ausstrahlt um abzuschrecken statt Krieg führen zu müssen!“, schrieb Poggenburg weiter. Dabei ließ der Abgeordnete offen, warum er sich der Bilder von Rommel und einer Travestiekünstlerin bediente.

          Erwin Rommel wird weltweit als einer der fähigsten deutschen Generale gesehen. Sein Name ist aber zugleich unauflöslich mit der Wehrmacht verbunden. Einer Armee also, mit der Angriffskriege geführt wurden, deren Soldaten einem verbrecherischen Regime dienten, die an Verbrechen beteiligt war und darüber hinaus zum Kriegsende nur noch Schwäche ausstrahlte – nicht Stärke.

          Die Welt kennt ihn als „Wüstenfuchs“: Erwin Rommel kurz vor der alliierten Invasion mit seinem Stabschef Generalleutnant Hans Speidel am 1. Juni 1944

          Den Besuch der Travestiekünstler bezeichnete Poggenburg als „Landesverrat“, und Teil von  „Verzückungen“, durch die die deutschen Streitkräfte in aller Welt beschämt würden. Was der Abgeordnete damit genau sagen wollte, ließ er offen. Dass solche Besuche negative Auswirkungen auf die Kampfkraft von Truppen haben ist nicht verbrieft. Im Gegenteil. Legendär sind die Besuche von Marlene Dietrich bei amerikanischen Soldaten an den europäischen Fronten, die die Moral oftmals hoben und ihr Scherflein dazu beitrugen, das Dritte Reich zu besiegen.

          Seinen eigenen Beitrag zur Verteidigung des Vaterlandes hat der 42 Jahre alte AfD-Mann – bei allem Patriotismus - übrigens nicht erbracht. Laut seines Lebenslaufs war Poggenburg nie Soldat. Die Möglichkeit dazu bieten die Streitkräfte inzwischen jedem Deutschen im wehrfähigen Alter als Reservisten, auch neben seinem eigentlichen Beruf. Vorausgesetzt, sie stehen fest auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Frage, warum er nicht mit gutem Beispiel vorangehe, ließ Poggenburg bislang unbeantwortet.

          Weitere Themen

          „Regierungsbeteiligung ist möglich“ Video-Seite öffnen

          Janine Wissler : „Regierungsbeteiligung ist möglich“

          Da CDU und SPD nach den letzten Umfragen nicht besonders gut aussehen, könnten die Linken das Zünglein an der Waage spielen. Eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen schätzt Spitzenkandidatin Janine Wissler die Chancen ihrer Partei gut ein.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.