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Brandanschlag in Oberbayern : Amnesty International: Flüchtlinge in Deutschland besser schützen

  • Aktualisiert am

An zwei Eingängen offenbar vorsätzlich Feuer gelegt: der ehemalige Landgasthof im bayerischen Reichertshofen Bild: dpa

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt, dass Flüchtlinge in Deutschland besser vor Anschlägen geschützt werden. In Reichertshofen war in einem Asylbewerberheim Feuer gelegt worden.

          Die Organisation Amnesty International hat nach dem jüngsten Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Deutschland besseren Schutz für Flüchtlinge gefordert. „Der starke Anstieg rassistisch motivierter Gewalt muss ein Weckruf für die Politik sein, sich rassistischen Ressentiments in der Gesellschaft klar entgegenzustellen“, sagte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Selmin Caliskan. Sie kritisierte, dass es immer noch Politiker gebe, die selbst Ressentiments gegen Flüchtlinge schürten. Es sei beschämend, wenn sich Politiker „in einem reichen Land wie Deutschland auf eine angebliche Überforderung berufen, statt ihrer Pflicht nachzukommen und Flüchtlinge zu schützen“.

          In Oberbayern hatte es in der Nacht zum Donnerstag einen Brandanschlag auf ein künftiges Asylbewerberheim gegeben. Wie ein Polizeisprecher am Morgen berichtete, hatten Brandfahnder der Kriminalpolizei an zwei Eingängen des Gebäudekomplexes festgestellt, dass vorsätzlich Feuer gelegt wurde. „Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen“, sagte der Polizeisprecher. In der Unterkunft sollten demnächst 67 Flüchtlinge untergebracht werden.

          Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu während einer Landtagssitzung in München, die Polizei habe noch keine Hinweise auf die Täter. Herrmann erläuterte, warum die Polizei Brandstiftung vermutet: In dem früher als Diskothek genutzten Nebengebäude seien zwei Brandherde festgestellt worden. „Wenn es zwei Brandherde gibt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Brandstiftung.“

          Bild: dpa

          Etwa um 2.50 Uhr in der Nacht hatte ein Nachbar die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem er das Feuer in dem leerstehenden Gasthaus in Reichertshofen im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm entdeckt hatte. Der Gastraum eines früheren Landgasthofs brannte völlig aus, der Sachschaden beträgt mindestens 150.000 Euro. Das angrenzende Wohnhaus, in dem die Flüchtlinge und Asylbewerber ab September untergebracht werden sollten, wurde weniger stark beschädigt. Ob es aber versteckte Schäden gebe und welche Auswirkungen der Brand auf die geplante Belegung habe, sei noch unklar. Die Ermittler richteten eine Sonderkommission ein.

          In der Stadt Reichertshofen mit rund 8000 Einwohnern leben derzeit knapp 80 Flüchtlinge. Auch hier gab es Proteste, als das Landratsamt Anfang 2013 ankündigte, Asylbewerber im Ort unterzubringen. Auf Flugblättern hieß es, nun seien die Frauen im Ort nicht mehr sicher. Michael Franken, der Bürgermeister vom Markt Reichertshofen, sagte der F.A.Z. vor kurzem, bisher habe es keine Probleme mit den Flüchtlingen gegeben. Ehrenamtliche übernahmen Teile der Betreuung – so wie in Tausenden anderen Orten in Deutschland. In Reichertshofen gibt es Patenschaftsprogramme, Hilfe bei Behördengängen, bei der medizinischen Versorgung und in rechtlichen Angelegenheiten, es werden Sprachkurse organisiert, Schulprojekte und vieles mehr.

          Die Asylbewerber sollen darum wie geplant  einziehen. „Das soll ein Signal an die Täter sein“, sagte Landrat Martin Wolf (CSU).  Spuren des Brandes sollen bis dahin vollständig beseitigt werden.

          Der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand betonte, auch die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen müsse weitergehen. „Sie ist wichtiger denn je.“ Bürgermeister Franken sagte, er hoffe, „dass ein Ruck durch den Ort geht nach dem Motto: Jetzt erst recht“.

          Quelle: dpa/jib.

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