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Amerikanische Botschaft in Berlin : Das Dachgeschoss gehört den Spionen

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Vom Brandenburger Tor aus bestens zu sehen: die Fensterblende auf dem Dach der amerikanischen Botschaft Bild: Imago

Eine Szene wie aus einem Spionage-Film: Hinter Fensterscheiben, die von außen nicht erkennbar sind, sitzen Abhörspezialisten mit ihren Antennen. Und doch hat die NSA in Berlin genau so das Handy der Kanzlerin abgehört.

          Eigentlich liegt es nahe, was die Amerikaner seit etwa zehn Jahren machen. Gerade einmal 350 Meter Luftlinie trennen die amerikanische Botschaft vom Reichstag, zum Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus, wo die Bundestagsabgeordneten ihre Büros haben, sind es nur ein paar Meter mehr. Spezialeinheiten der amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA haben auf dem Dach der amerikanischen Botschaft Antennen installiert und so die Kommunikation im Regierungsviertel überwacht. Das berichtet „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.

          Das Gebäude der amerikanischen Botschaft sei „so etwas wie ein Spionagenest“. Darin sitze der „Special Collection Service“ (SCS) mit seiner Abhörtechnik. Die Einheit übe ihre Spionagetätigkeiten auch in Städten wie Paris, Genf, Madrid oder Prag aus, berichtet das Magazin weiter. Abgehört werde Kommunikation nahezu jeglicher Art: Mobiltelefonie, W-Lan-Netze, Satellitenkommunikation. Wie auch in Berlin verstecke der SCS die Technik meist in den oberen Etagen und auf dem Dach von Botschaftsgebäuden hinter Sichtblenden.

          „Der Spiegel“ beruft sich dabei auf ein Gutachten des britischen Enthüllungsjournalisten Duncan Campbell. Dieser beschreibt in seinem Gutachten fensterartige Einbuchtungen auf dem Dach der Berliner Botschaft. Diese seien nicht verglast, sondern mit einem Material so verblendet, dass sie von dem umliegenden Mauerwerk nicht zu unterscheiden und dennoch für schwache Signale durchlässig seien. Hinter diesen Blenden könnte sich die Apparatur befinden, um die Kommunikation rund um den Reichstag abzuhören. Dies ließ sich der „Spiegel“ auch vom NSA-Experten James Banford bestätigen. Dem Gutachten zufolge würden wahrscheinlich die Büros der SCS-Mitarbeiter auf der fensterlosen Dachetage liegen.

          Von der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz zum Plenarsaal im Reichstag sind es Luftlinie zirka 350m

          Der Ausspähauftrag sei allem Anschein nach auch wenige Wochen vor dem Berlin-Besuch des amerikanischen Präsident Barack Obama im Juni 2013 noch gültig gewesen, berichtet das Magazin unter Berufung auf einen Auszug aus einer geheimen NSA-Datei. Dort ist sowohl „GE Chancellor Merkel“ eingetragen wie auch eine Handynummer. Die Art der Überwachung gehe aus dem Eintrag nicht hervor, also ob etwa alle Gespräche mitgeschnitten oder nur Verbindungsdaten ausgewertet wurden. Als Ziel benannt worden sei die Bundeskanzlerin von dem für Europa zuständigen Referat S2C32 „European States Branch“.

          Die amerikanische Regierung habe in internen Gesprächen die Erfassung Merkels als Ausspähziel nicht bestritten, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice habe in einem Gespräch mit Merkels außenpolitischem Berater Christoph Heusgen erklärt, sie könne eine Überwachung nur für die Gegenwart und die Zukunft ausschließen, nicht jedoch für die Vergangenheit.

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