http://www.faz.net/-gpf-8vutw

Amerika-Reise der Kanzlerin : Merkel-Besuch bei Trump wegen schlechten Wetters verschoben

  • Aktualisiert am

Die Regierungsmaschine bleibt am Boden, Angela Merkel und Donald Trump treffen sich nun erst Ende der Woche. Bild: EPA

Die Reise von Bundeskanzlerin Merkel zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Trump ist kurzfristig abgesagt worden. Der Termin soll am Freitag nachgeholt werden.

          Die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Antrittsbesuch beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump ist am Montagabend kurzfristig abgesagt und auf Freitag verschoben worden. Grund sei der erwartete Schneesturm an der amerikanischen Ostküste, sagte Trump-Sprecher Sean Spicer in Washington. Die Absage kam unmittelbar vor dem Abflug der Kanzlerin.

          Die Reise war mit Spannung erwartet worden: Kanzlerin Merkel richtete am Montag einen klaren Appell für offene Märkte und gegen Protektionismus an Präsident Donald Trump. Merkel betonte die Bedeutung guter Handelsbeziehungen – und zwar für beide Seiten. „Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein zentraler Handelspartner für die Bundesrepublik Deutschland, aber auch für die ganze Europäische Union“, sagte Merkel nach einem Gespräch mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft in München. Sie betonte: „Dieser Handel ist für beide Seiten von Vorteil.“ Die Verbände warnten Trump eindringlich vor protektionistischen Bestrebungen.

          Miteinander statt übereinander reden

          Die Kanzlerin hatte in München gesagt, sie freue sich, mit Trump über das Thema Handel sprechen zu können. „Das direkte Gespräch ist immer viel besser, als wenn man übereinander redet. Miteinander reden statt übereinander reden – das wird mein Motto sein bei diesem Besuch, auf den ich mich ausdrücklich freue.“

          Merkel verwies auf die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern. So gebe es in den Vereinigten Staaten „ungefähr 750.000 gesicherte Arbeitsplätze durch deutsche Unternehmen“. Das bedeute zudem, dass mehr als zwei bis drei Mal so viele Jobs von deutschen Firmen abhingen. Umgekehrt seien in Deutschland Hunderttausende Arbeitsplätze von amerikanischen Unternehmen abhängig. „Das sollten wir in den Mittelpunkt stellen.“

          Trumps Protektionismus

          Die Vereinigten Staaten waren 2016 größter Absatzmarkt für Produkte „Made in Germany“. Washington stört sich aber schon länger am deutschen Handelsüberschuss von 49 Milliarden Euro. Mit Trump hat nun erstmals ein Präsident angedroht, protektionistisch dagegen vorzugehen.

          Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) warnte Trumps Regierung vor Protektionismus und Abschottung. Merkel müsse in Washington deutlich machen, dass der Weg der Abschottung, den Trump an mancher Stelle via Twitter propagiere, der falsche sei, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Es sei für beide Seiten - für die Vereinigten Staaten wie für Deutschland und Europa - wichtig, den globalisierten Welthandel aufrechtzuerhalten und zu ermöglichen, betonte Kempf. Der globalisierte Handel sei auch für Amerika von großer Bedeutung.

          „Besorgte Aufmerksamkeit“ im Umgang mit Trump

          Kempf plädierte für eine „besorgte Aufmerksamkeit“ im Umgang mit Trump. Noch wisse man nicht, wie viel Wahlkampf-Rhetorik noch in dessen Twitter-Botschaften stecke und wie viel Regierungshandeln. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte, Merkel werde es sicher gelingen, in Washington Verständnis für die deutsche Wirtschaft zu wecken. Man müsse dort aber immer wieder deutlich machen, wie verzahnt die weltweite Wirtschaft sei.

          „Handelsbeziehungen sind keine Einbahnstraße, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“ Kramer sagte aber voraus, es werde sicherlich zu keinem „Handelskrieg“ mit Amerika kommen. „Man wird sich auf die gegenseitigen Vorteile dieses Miteinander-Geschäfte-Machens konzentrieren.“ Es dauere offenbar aber noch, bis der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten wirklich abgeklungen sei.

          In einer gemeinsamen Erklärung betonen die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft - der Arbeitgeberband, der Handwerksverband, BDI und Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) - die Bedeutung freien Handels und offener Märkte. Zudem fordern sie eine handlungsfähige Europäische Union und in Deutschland einen schnelleren Breitband-Ausbau auf dem Land sowie eine Stärkung beruflicher Bildung.

          Weitere Themen

          Der Dollar als Waffe

          Amerikas Iran-Sanktionen : Der Dollar als Waffe

          Mittels Sanktionen die eigenen Interessen im Ausland durchsetzen: Was unter der Obama-Regierung zum Machtinstrument gefeilt wurde, nutzt die Trump-Administration schamlos als Allzweckwaffe. Wer den Dollar kontrolliert, kontrolliert den Welthandel.

          Trump besucht Waldbrandgebiete in Kalifornien Video-Seite öffnen

          71 Tote, Tausende Vermisste : Trump besucht Waldbrandgebiete in Kalifornien

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in Kalifornien die von verheerenden Waldbränden betroffenen Gebiete besucht. Dort kamen mindestens 71 Menschen ums Leben, mehr als tausend weitere werden vermisst. Seine Meinung zum Klimawandel ändere sich dadurch aber nicht, so Trump auf eine Nachfrage eines Reporters.

          „Rake News“ - Harken wie die Finnen Video-Seite öffnen

          Trump erntet Spott im Netz : „Rake News“ - Harken wie die Finnen

          Donald Trump hat sich den Spott vieler Finnen zugezogen. Der amerikanische Präsident hatte angesichts der heftigen Waldbrände in Kalifornien gesagt, man solle sich ein Beispiel an Finnland nehmen, dort würden die Wälder sauber geharkt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

          Topmeldungen

          Mord an Jamal Khashoggi : Trump lässt Riad nicht fallen

          Obwohl Trump es als möglich erachtet, dass der saudische Kronprinz Kenntnis vom Mord an Khashoggi hatte, hält der amerikanische Präsident an der Verbindung nach Riad fest – und nennt eine Reihe von Gründen.

          FAZ Plus Artikel: Union und Migrationspakt : Nichts zu machen wäre viel schlimmer

          Die Union streitet weiter über den neuen Migrationspakt. Spahn verstärkt seine Kritik, Söder schwankt – doch Dobrindt steht weiter dazu. Selbst eine Einigung unter den Politikern würde den Pakt jedoch nicht beliebter machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.