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Altersstudie „Phänomen der Patchwork-Familien überschätzt“

08.09.2010 ·  Einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge lebt nur jeder Zehnte über 40 in einer sogenannten „Patchwork-Familie“. Weiterhin zeigt die Studie, dass sich das Renteneintrittsalter wieder nach oben verschoben hat.

Von Stephan Löwenstein, Berlin
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Die Formen, in denen Menschen in Deutschland in ihrer zweiten Lebenshälfte zusammenleben, werden vielfältiger und Partnerbeziehungen zerbrechlicher. Die Zahl sogenannter Patchwork-Familien hat hingegen in den vergangenen 15 Jahren offenbar nicht bedeutend zugenommen. Das ist eines der Ergebnisse einer Langzeitstudie, die Familienministerin Schröder (CDU) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Der sogenannte Deutsche Alterssurvey stützt sich auf Befragungen von Deutschen zwischen 40 und 85 Jahren aus den Jahren 1996, 2002 und 2008.

Darin heißt es: „Obwohl jedoch Partnerschaften häufiger getrennt werden, sind neu gebildete Familien mit Kindern aus früheren Paarbeziehungen (,Patchwork‘-Familien) seit 1996 nicht viel häufiger geworden.“ Insgesamt hätten im Jahr 2008 unter den Eltern über 40 etwa neun Prozent mindestens ein nicht leibliches Kind gehabt. Diese Quote gelte auch für die Untergruppe der Vierzig- bis Vierundfünfzigjährigen. Annähernd jeder Zehnte hat also eine solche „Patchwork-Familie“. „Diese Familienform ist weder neu, noch ist ihre Verbreitung in den letzten zwölf Jahren häufiger geworden“, geben die Autoren an. Sie resümieren: „Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Phänomen der ,Patchwork‘-Familien in der medialen Öffentlichkeit möglicherweise überschätzt wird.“

Verschiebung des Renteneintrittsalters

Die Zahl der verheirateten Paare hat im Verlauf der untersuchten zwölf Jahre abgenommen. Allerdings sind nach wie vor 70 Prozent der Menschen zwischen 40 und 54 verheiratet (1996: 83 Prozent). In der Altersgruppe darüber liegt der Anteil der Verheirateten ungefähr gleichbleibend bei 76 Prozent, bei den Alten über 70 Jahren hat er sogar zugenommen. Letzteres liegt vor allem daran, dass die Generation mit vielen Kriegswitwen allmählich ausstirbt.

Die Studie bestätigt zudem, dass die Erwerbstätigen im Schnitt wieder später in den Ruhestand treten. Sie gingen nach der jüngsten Erhebung im Schnitt mit 63 Jahren in Rente, ein Jahr später als noch 2002. Die Rentenversicherung hatte entsprechende Zahlen schon im Sommer vergangenen Jahres gemeldet. Demnach war die Verschiebung des Renteneintrittsalters gegenüber den neunziger Jahren vor allem in Ostdeutschland (63 gegenüber 61 Jahre) besonders groß.

Ein Drittel der Personen zwischen 60 und 64 war dem Alterssurvey zufolge im Jahr 2008 noch berufstätig. Das seien zehn Prozent mehr als zu Beginn der Befragung 1996. Wer früher aus dem Beruf aussteigen wolle oder müsse, setze zunehmend auf die Altersteilzeit. Während zwischen 1996 und 2002 nur acht Prozent der Beschäftigten die Altersteilzeit nutzten, hat sich ihre Zahl im Jahr 2008 demzufolge fast verdreifacht (21 Prozent).

Zeit für Verantwortung

Die Bundesfamilienministerin, die einen Schwerpunkt ihres Wirkens auf die Pflege und die Teilhabe von Alten am gesellschaftlichen Leben gelegt hat, hob am Mittwoch hervor, die Studie ergebe, dass Jung und Alt sich in vielen Bereichen unterstützten. Die Menschen nähmen sich Zeit für Verantwortung. „Das macht mir Mut, dass wir den demographischen Wandel erfolgreich gestalten können“, sagte Frau Schröder.

Laut Alterssurvey hat von allen in Deutschland lebenden Personen zwischen 40 und 65 Jahren 2008 etwa jeder Siebte für einen hilfe- und pflegebedürftigen Menschen gesorgt. Vier von fünf dieser Leute, die für jemanden sorgen, tun das für einen nahen Angehörigen, also Eltern oder Großeltern, Partner oder (Enkel-)Kinder. Die meisten Pflegepersonen zwischen 40 und 65 Jahren, heißt es in der Studie weiter, seien erwerbstätig: „Im Jahr 2008 sind 50 Prozent in Vollzeit und 20 Prozent in Teilzeit beschäftigt und nur 30 Prozent geringfügig oder gar nicht erwerbstätig.“ Erwartungsgemäß sind die Mehrzahl der Pflegepersonen Frauen, aber immerhin 40 Prozent sind Männer.

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