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„Alternative für Deutschland“ An den Grenzen der Vorstellungskraft

Am Sonntag will sich die „Alternative für Deutschland“ als Bundespartei gründen. Schon jetzt glaubt manch enttäuschter Konservativer, in der AfD eine neue Heimat gefunden zu haben.

© Cornelia Sick Alternativlos? Bernd Lucke in Oberursel

Menschen können sich vieles vorstellen. Meist wird über die Weite unseres Möglichkeitssinns nicht viel Aufhebens gemacht. Anders war das vergangene Woche, als Infratest dimap für die Zeitung „Welt am Sonntag“ ermittelte, dass sich 24 Prozent der Deutschen vorstellen können, bei der nächsten Bundestagswahl „eine Euro-kritische Partei wie die ,Alternative für Deutschland‘ (AfD) zu wählen“. Für die AfD besteht also ein erhebliches Wählerpotential. Fast ein Viertel der Stimmen könnte sie kriegen - zumindest in der Welt der Vorstellungen.

Damit diese Möglichkeit ansatzweise Wirklichkeit werden kann, muss die AfD, deren oberstes Ziel die „geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets“ ist, überhaupt erst einmal als Bundespartei gegründet werden. Dies soll am Sonntag geschehen. In den zu diesem Zweck gemieteten Saal in Berlin passen nur 1700 Gäste, es könnte eng werden, denn die Mitgliederzahlen wachsen. Vor zwei Wochen zählte die AfD noch 5000 Mitglieder, nun sind es, so sagt es die Sprecherin Dagmar Metzger, schon 7500.

Die AfD nahm ihren Anfang als „Wahlalternative 2013“. Deren Gründer sahen die Bundesrepublik Deutschland „in der tiefsten Krise ihrer Geschichte“. Die Wahlalternative betrat die politische Bühne das erste Mal bei der Niedersachsen-Wahl 2013, als sie mit den Freien Wählern mit einer gemeinsamen Landesliste auf 1,1 Prozent der Stimmen kam, bevor man sich aus inhaltlichen Gründen zur Trennung und zur Gründung einer eigenen Partei, der „Alternative für Deutschland“, gezwungen sah.

„Alternativen zu einer angeblich alternativlosen Politik“

Zu den Gründern zählt Alexander Gauland, ehemaliges CDU-Mitglied, ehemals auch Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei. Gauland hat die CDU verlassen, weil sie nicht mehr für die Inhalte eintritt, deretwegen er einmal dazugekommen war - sie habe ihr konservatives Profil verloren, sagt Gauland. Er ist damit nicht der einzige enttäuschte Konservative, der zu der AfD gewechselt ist. So sind zum Beispiel gleich zwei ehemalige Frankfurter Kämmerer und CDU-Politiker in die AfD eingetreten. Weiterer Gründer ist Konrad Adam, ehemaliger Feuilleton-Redakteur dieser Zeitung, zu dessen Buchveröffentlichungen Titel wie „Die alten Griechen“, „Die deutsche Bildungsmisere. PISA und die Folgen“ oder „Die Republik dankt ab. Die Deutschen vor der europäischen Versuchung“ zählen. Manche sagen, die AfD sei eine Partei für alte, männliche Akademiker.

Kopf der Partei und Bundesparteivorsitzender in spe ist der Ökonom Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg. Dessen forscher Auftritt bei „Anne Will“ trug maßgeblich zum Bekanntwerden der AfD bei. „Ich denke, dass der Euro im Augenblick Europa spaltet und der europäischen Einigung schweren Schaden zufügt“, sagte Lucke und erntete Applaus. Jenseits der Kameras trägt Lucke gern Pullover, gilt als unprätentiös und ausgesprochen klug. Er war 33 Jahre lang Mitglied der CDU, die er wegen ihrer Euro-Rettungspolitik verließ - Lucke sagte öffentlich, nicht er habe die CDU verlassen, sondern sie ihn.

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