Home
http://www.faz.net/-gpf-78cki
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

„Alternative für Deutschland“ An den Grenzen der Vorstellungskraft

Am Sonntag will sich die „Alternative für Deutschland“ als Bundespartei gründen. Schon jetzt glaubt manch enttäuschter Konservativer, in der AfD eine neue Heimat gefunden zu haben.

© Cornelia Sick Vergrößern Alternativlos? Bernd Lucke in Oberursel

Menschen können sich vieles vorstellen. Meist wird über die Weite unseres Möglichkeitssinns nicht viel Aufhebens gemacht. Anders war das vergangene Woche, als Infratest dimap für die Zeitung „Welt am Sonntag“ ermittelte, dass sich 24 Prozent der Deutschen vorstellen können, bei der nächsten Bundestagswahl „eine Euro-kritische Partei wie die ,Alternative für Deutschland‘ (AfD) zu wählen“. Für die AfD besteht also ein erhebliches Wählerpotential. Fast ein Viertel der Stimmen könnte sie kriegen - zumindest in der Welt der Vorstellungen.

Damit diese Möglichkeit ansatzweise Wirklichkeit werden kann, muss die AfD, deren oberstes Ziel die „geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets“ ist, überhaupt erst einmal als Bundespartei gegründet werden. Dies soll am Sonntag geschehen. In den zu diesem Zweck gemieteten Saal in Berlin passen nur 1700 Gäste, es könnte eng werden, denn die Mitgliederzahlen wachsen. Vor zwei Wochen zählte die AfD noch 5000 Mitglieder, nun sind es, so sagt es die Sprecherin Dagmar Metzger, schon 7500.

Die AfD nahm ihren Anfang als „Wahlalternative 2013“. Deren Gründer sahen die Bundesrepublik Deutschland „in der tiefsten Krise ihrer Geschichte“. Die Wahlalternative betrat die politische Bühne das erste Mal bei der Niedersachsen-Wahl 2013, als sie mit den Freien Wählern mit einer gemeinsamen Landesliste auf 1,1 Prozent der Stimmen kam, bevor man sich aus inhaltlichen Gründen zur Trennung und zur Gründung einer eigenen Partei, der „Alternative für Deutschland“, gezwungen sah.

„Alternativen zu einer angeblich alternativlosen Politik“

Zu den Gründern zählt Alexander Gauland, ehemaliges CDU-Mitglied, ehemals auch Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei. Gauland hat die CDU verlassen, weil sie nicht mehr für die Inhalte eintritt, deretwegen er einmal dazugekommen war - sie habe ihr konservatives Profil verloren, sagt Gauland. Er ist damit nicht der einzige enttäuschte Konservative, der zu der AfD gewechselt ist. So sind zum Beispiel gleich zwei ehemalige Frankfurter Kämmerer und CDU-Politiker in die AfD eingetreten. Weiterer Gründer ist Konrad Adam, ehemaliger Feuilleton-Redakteur dieser Zeitung, zu dessen Buchveröffentlichungen Titel wie „Die alten Griechen“, „Die deutsche Bildungsmisere. PISA und die Folgen“ oder „Die Republik dankt ab. Die Deutschen vor der europäischen Versuchung“ zählen. Manche sagen, die AfD sei eine Partei für alte, männliche Akademiker.

Kopf der Partei und Bundesparteivorsitzender in spe ist der Ökonom Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg. Dessen forscher Auftritt bei „Anne Will“ trug maßgeblich zum Bekanntwerden der AfD bei. „Ich denke, dass der Euro im Augenblick Europa spaltet und der europäischen Einigung schweren Schaden zufügt“, sagte Lucke und erntete Applaus. Jenseits der Kameras trägt Lucke gern Pullover, gilt als unprätentiös und ausgesprochen klug. Er war 33 Jahre lang Mitglied der CDU, die er wegen ihrer Euro-Rettungspolitik verließ - Lucke sagte öffentlich, nicht er habe die CDU verlassen, sondern sie ihn.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
AfD Der Untergang einer Wirtschaftspartei

In der AfD, gegründet als Partei der Eurokritik, geht es heute nur noch am Rande um den Euro. Der Wirtschaftsflügel löst sich zunehmend auf. Denn er glaubt nicht daran, dass der rechte Durchmarsch noch zu stoppen ist. Mehr Von Ralph Bollmann und Lisa Nienhaus

18.05.2015, 06:20 Uhr | Wirtschaft
Parteispaltung der AfD? Frauke Petry äußert sich zu Plänen von Bernd Lucke

Die Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, hat das Gesprächsangebot ihres Amtskollegen Bernd Lucke begrüßt. Mehr

19.05.2015, 18:08 Uhr | Politik
Zerstrittene Partei Petry fordert Doppelspitze für die AfD

Im Machtkampf innerhalb der AfD hat sich Vorstandssprecherin Frauke Petry für eine dauerhafte Doppelspitze für die Partei ausgesprochen. Nur so ließen sich der liberale und der konservative Flügel vereinen. Mehr

20.05.2015, 11:34 Uhr | Politik
AfD-Parteitag in Bremen Lucke lässt erneute Kandidatur für Parteivorsitz offen

Die rechtspopulistische AfD will an diesem Wochenende eine lange umstrittene Parteireform besiegeln. AfD-Gründer Bernd Lucke ließ zum Auftakt des Parteitages am Freitagabend offen, ob er erneut für den Vorsitz kandidieren will. Mehr

31.01.2015, 11:01 Uhr | Politik
AfD vor der Spaltung Es ist aus zwischen Lucke und Petry

Die Spaltung der AfD ist kaum noch aufzuhalten. Die Parteigründer Bernd Lucke und seine Gegenspielerin Frauke Petry wollen nicht mehr zusammenarbeiten. Zudem hat Lucke im Bundesvorstand eine herbe Niederlage erlitten. Mehr

22.05.2015, 13:16 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.04.2013, 18:17 Uhr

Der Strafprozess ist kein Zirkus

Von Reinhard Müller

Auch wenn die Öffentlichkeit an vielen Gerichtsprozessen so wie jetzt am Auschwitz-Prozess in Lüneburg ein reges Interesse hat, darf doch eines nicht vergessen werden: Vor Gericht geht es nicht um mediale Aufbereitung. Mehr 3 15