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Als Zeichen der Verständigung : Muslimische Lieder im Weihnachts-Gottesdienst?

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Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, am vergangenen Montag bei einer Protest-Kundgebung gegen die Pegida-Bewegung auf dem Theaterplatz in Dresden Bild: dpa

Politiker von SPD und Grünen sowie der Zentralrat der Muslime regen an: Als Zeichen gegen Pegida und für das friedliche Zusammenleben der Religionen sollte in den Gottesdiensten an Heiligabend auch ein islamisches Lied erklingen.

          Mitten in der Debatte über die islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen regen Politiker und der Zentralrat der Muslime in Deutschland an, Christen sollten an Heiligabend in der Kirche ein muslimisches Lied singen - als Zeichen der Verständigung.

          „Es wäre ein tolles Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, wenn in der Kirche ein islamisches Lied gesungen würde und in der Moschee ein Weihnachtslied“, wird der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Omid Nouripour, von der „Bild“-Zeitung zitiert. Ihm schloss sich der baden-württembergische SPD-Abgeordnete Thomas Funk an: „Wir brauchen Verständnis, Achtung und Toleranz.“ Dies ließe sich „mit einem Lied befördern“.

          Nouripour verwehrte sich am Montag gegen das Zitat, das in einem falschen Kontext dargestellt worden sei.  Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Bundestagsabgeordnete, er habe gegenüber der „Bild“-Zeitung ergänzt, dass der Vorschlag nur dann Sinn mache, „wenn dann auch Weihnachtslieder in der Moschee gesungen werden würden.“„Der Vorschlag, wie er da steht, ist von der BILD-Zeitung - einem Politiker muslimischen Glaubens in den Mund gelegt“, so Nouripour. „Mein Vorschlag war der eines Austauschs. Es würde auch vielen deutschen Moscheen gut zu Gesicht stehen, wenn dort die Weihnachtszeit besinnlich begangen werden würde.“ 

          „Wunderbares Zeichen des Friedens“

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, machte unterdessen einen konkreten Vorschlag: „Tala‘a al-badru alayna“ („Heller Mondschein leuchtet“) des zum Islam konvertierten Cat Stevens, der nun Yussuf Islam heißt. „Das wäre ein wunderbares Zeichen des Friedens und der Anteilnahme“, sagte Mazyek.

          Nach Einschätzung der katholischen Kirche ist das christliche Weihnachtsliedgut ausreichend. Es kenne seit Jahrhunderten eine Vielzahl von Friedensliedern, sagte der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Diese Lieder schlössen „alle, die Frieden suchen“, mit ein, „auch die Muslime“, sagte Kopp. „’Friede den Menschen auf Erden’ umfasst alle Menschen guten Willens und erhebt keinen Anspruch auf Exklusivität“, so Kopp.

          Der Zentralrat der Muslime hatte am Wochenende dazu aufgerufen, sich mit den Anhängern der Pegida-Bewegung ernsthaft auseinanderzusetzen. Diese Menschen hätten beispielsweise Angst vor einer weiter aufklaffenden „Schere zwischen Arm und Reich“, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Angst, „dass sie ihre Rente nicht bekommen“, sagte Mazyek im Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, forderte er.

          Mazyek wies zugleich darauf hin, dass einige „Rädelsführer, auch Rechtsradikale“, bei Pegida versuchten, „diese Themen zu islamisieren“. Der Begriff Islamisierung werde dabei als Deckmantel benutzt. Die Politik müsse sich mehr um die sozialen Sorgen der Menschen kümmern, verlangte Mazyek.

          Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. In den vergangenen Wochen nahmen in Dresden regelmäßig tausende Menschen an Kundgebungen der Bewegung teil und forderten unter anderem ein strengeres Asylrecht.

          Anmerkung: In einer ersten Version des Textes wurde der Eindruck erweckt, als forderten die zitierten Politiker ausschließlich die Übernahme muslimischen Kulturguts durch christliche Kirchen. Der Grünen-Politiker Omid Nouripour hat sich gegenüber SPIEGEL ONLINE sowie auf seiner Facebook-Seite von diesem Eindruck distanziert. Er betont, dass er einen gegenseitigen, offenen Austausch von religiösem Kulturgut befürworten würde, zum Beispiel: Muslimische Lieder in der Kirche, christliche Lieder in der Moschee. Wir haben die Überschrift und die entsprechenden Passagen im Text angepasst.

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