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Allensbach-Umfrage Kopf-an-Kopf-Rennen: SPD steigt - kleine Parteien verlieren

09.09.2005 ·  Union und FDP haben in der jüngsten Allensbach-Umfrage für die F.A.Z. wie zuvor schon bei anderen Instituten keine Mehrheit zum Regieren. Die SPD hat in der Wählergunst sprunghaft zugenommen, Schröder spürt „Rückenwind“.

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Die SPD hat fünf Tage nach dem Fernsehduell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) sprunghaft in der Wählergunst zugenommen. Im Vergleich zur Vorwoche macht die SPD bei mehreren Instituten gegenüber der Union bei der Sonntagsfrage Punkte gut. Erstmals seit Wochen haben Union und FDP eine mögliche Mehrheit zum Regieren verloren.

In der jüngsten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steht die SPD jetzt bei 32,7 Prozent. Die Zunahme beträgt seit Ende August 3,1 Prozentpunkte, sie wurde gleichermaßen in West- und Ostdeutschland mit 3,2 beziehungsweise 2,7 Prozentpunkten gemessen.

Kleine Parteien verlieren

Gleichzeitig ging die Zustimmung zu den Grünen und zur Linkspartei um jeweils gut einen Prozentpunkt auf jetzt 7,2 beziehungsweise 8,9 Prozent zurück. Die FDP verlor gleichfalls einen Prozentpunkt an Zustimmung; ihr wird nun ein Zweitstimmenanteil von 7,0 Prozent zugeschrieben.

SPD macht Unternehmenssteuern zur Nebensache

Da sich für die CDU/CSU trotz einer Zunahme im Osten von 28,5 auf 30,3 Prozent insgesamt jedoch ebenfalls weniger Wahlberechtigte ausgesprochen haben (Ende August 41,7 Prozent, jetzt 41,5 Prozent), kommt das schwarz-gelbe Lager nur mehr auf 48,5 Prozent, das rot-rot-grüne Lager hingegen auf 48,8 Prozent. Es kündigt sich somit ein Kopf-an-Kopf-Rennen an.

Politbarometer: Bestes Ergebnis für SPD 2005

Auch in dem am Freitag veröffentlichten „ZDF-Politbarometer“ der Forschungsgruppe Wahlen gewann die SPD deutlich hinzu, die Union verlor an Zustimmung. Ähnliche Ergebnisse hatten sowohl in der am Donnerstag veröffentlichte „ARD-Deutschlandtrend“ von Infratest-dimap als auch eine am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage ergeben.

In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen gewann die SPD deutlich hinzu, die Union verlor an Zustimmung. Beim ZDF werden für CDU/CSU 41 Prozent verbucht, der mögliche Koalitionspartner FDP bleibt wie in der Vorwoche bei sieben Prozent. Damit hätte auch nach dieser Umfrage eine schwarz-gelbe Koalition mit 48 Prozent womöglich keine parlamentarische Mehrheit mehr nach der Wahl. Die SPD legt nach dem TV-Duell weiter deutlich zu und erzielt mit 34 Prozent (plus zwei Punkte) ihr bestes Umfrageergebnis im Politbarometer in diesem Jahr. Die Grünen bleiben wie in der Vorwoche bei sieben Prozent. Die in Linkspartei umgenannte PDS bleibt mit unverändert acht Prozent drittstärkste Partei.

Nur rot-rot-grünes Bündnis hätte eine Mehrheit

Wenn am kommenden Sonntag gewählt würde, käme nach dem Ergebnis der ARD-Umfrage die Union auf 41 Prozent (minus 2). Im Gegenzug gewinnt die SPD 2 Punkte hinzu und verbessert sich auf 34 Prozent.

Kaum Veränderungen gibt es bei den kleinen Parteien: Die Linkspartei verliert einen halben Punkt auf 8,5 Prozent, die Grünen bleiben bei 7 Prozent und die FDP legt um einen halben Punkt auf 6,5 Prozent zu.

Eine schwarz-gelbe Koalition könnte also mit 47,5 Prozent der Stimmen rechnen. SPD und Grüne kämen zusammen auf 41 Prozent. Ein rot-rot-grünes Bündnis läge bei 49,5 Prozent. Die Meinungsforscher hatten am Dienstag und Mittwoch 1.000 Wahlberechtigte befragt.

Bessere Werte für den Kanzler

Wie Infratest dimap weiter ermittelte, beruhen die Zugewinne für die Sozialdemokraten vor allem auf deutlich verbesserten Werten für den Kanzler. Dessen Vorsprung bei der Direktwahlfrage vergrößerte sich innerhalb einer Woche von 6 auf 19 Punkte.

Könnten die Bürger direkt zwischen Schröder und Merkel wählen, würden 54 Prozent (plus 6) für den Amtsinhaber stimmen, nur noch 35 Prozent für Angela Merkel (minus 7).
In der Kompetenzbeurteilung machte die SPD auf allen politischen Feldern Boden gut, besonders deutlich in der Steuerpolitik. Nachdem die SPD in der Vorwoche hier noch einen Rückstand von 19 Punkten hatte, liegt sie nun mit der Union gleichauf. In der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik behält die Union aber einen deutlichen Vorsprung.

Nur noch 29 Prozent (minus 6) der Wähler sind inzwischen der Ansicht, daß Schwarz-Gelb für Deutschland am besten wäre. 36 Prozent (plus 3) geben einer großen Koalition den Vorzug. Dennoch geht weiterhin die große Mehrheit davon aus, daß es zu einem Wechsel an der Spitze der Bundesregierung kommt. 67 Prozent erwarten, daß Merkel Kanzlerin wird, lediglich 26 Prozent glauben, daß Schröder im Amt bleibt.

Patt bei Emnid-Umfrage

Auch in der aktuellsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid verbucht die SPD in der Wählergunst einen deutlichen Zugewinn gegenüber der Vorwoche. Die Umfrage im Auftrag von N24 ergab ein Plus von zwei Punkten auf 33 Prozent bei der sogenannten Sonntagsfrage. Unverändert sah Emnid die Union bei 42 Prozent, Grüne und FDP bei jeweils sieben Prozent. Damit herrscht laut Umfrage ein Gleichstand zwischen den Lagern Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün. Beide würden 49 Prozent erreichen.

Die Umfrage ergab auch, daß der SPD im Verlauf des Wahlkampfes wieder eine deutlich höhere Kompetenz in der Sozialpolitik zugemessen werde. Während die Union im Juli auf 28 Prozent und die SPD auf 26 Prozent kam, drehte sich das Bild jetzt um. Im September glaubten 32 Prozent, daß die SPD die bessere Sozialpolitik mache, während der Union das nur noch 27 Prozent der Befragten zuschrieben. Dabei spielt laut Analyse vor allem die Diskussion um die Steuer- und Rentenpläne des Wissenschaftlers Paul Kirchhof eine Rolle, der Mitglied im Kompetenzteam der Union ist.

Emnid stellte die Sonntagsfrage von Montag bis Mittwoch 3.000 Bundesbürgern.

Schröder: Rückenwind

Schröder verspürt angesichts dieser besseren Umfragewerte „Rückenwind“ für seine Partei. Sie seien Ansporn, den Wahlkampf noch entschiedener fortzusetzen. Er wolle nicht Umfragen gewinnen, sondern die Bundestagswahl. Es bleibe das Ziel der Sozialdemokraten, stärkste Partei im Parlament zu werden.

Der Kanzler hatte zuvor 38 Prozent als Wahlziel für die SPD vorgegeben. Forsa hatte die SPD bei 34 Prozent gemessen. Schröder sagte, er brauche noch vier Prozent auf Kosten von Union und FDP. Dann gebe es ein Ergebnis wie 2002, als sich die Union vorzeitig zum Sieger erklärt habe.

Stoiber und Merkel geben sich gelassen

Auch der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber rechnet damit, daß die Sozialdemokraten im Wahlkampfendspurt noch einmal aufholen. „Daß es knapp wird, war mir immer klar“, betonte der bayerische Ministerpräsident. Die SPD werde ein Ergebnis von über 30 Prozent erreichen. Viele Wähler ließen sich immer mehr Zeit bis zu ihrer Entscheidung. Der Abstand der SPD zur Union betrage aber immer noch neun bis zehn Prozentpunkte. „Das ist schon ein großer Unterschied“, sagte Stoiber.

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) reagierte ebenfalls gelassen auf die neue Umfrage, nach der Union und FDP ihre Mehrheit verloren haben. Auch sie sprach von einem „Ansporn“ für ihre Partei. Die Union habe eine hervorragende Ausgangsposition. „Wir kämpfen bis zur letzten Stunde“, betonte die CDU-Vorsitzende. Eine große Koalition würde Stillstand für Deutschland bedeuten.

Forsa: Schröder als bester Politiker bewertet

Schröder ist nach der Forsa-Umfrage für den Nachrichtensender n-tv jetzt der am besten bewertete deutsche Spitzenpolitiker. Im Vergleich zum August konnte Schröder fünf Punkte zulegen und bekommt 57 von 100 möglichen Punkten, berichtete der Sender am Donnerstag.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) verloren je einen Punkt und stiegen mit 55 Punkten auf den zweiten Platz ab. Im Vergleich zu Juni gewann Schröder sogar zehn Punkte. Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) gewann zwei Punkte auf 54 hinzu, blieb aber weiter auf Platz vier. Dagegen büßte CSU-Chef Edmund Stoiber im Vergleich zum August zehn Punkte ein, bekam nur noch 39 Punkte und rutschte vom fünften auf den elften Platz ab. Die schlechtesten Werte bekamen die Linkspartei-Spitzenkandidaten Gregor Gysi (30 Punkte) und Oskar Lafontaine (25).

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