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Allensbach-Umfrage Deutsche wollen einheitlichere Bildungspolitik

02.04.2010 ·  Mehr als 60 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine zentrale Regelung der Schul- und Bildungspolitik unter Verantwortung der Bundesregierung aus. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie hervor.

Von Heike Schmoll
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Mehr als 60 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine zentrale Regelung der Schul- und Bildungspolitik aus. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland und des Deutschen Philologenverbands hervor.

Bei der Frage, wer für die Bildungspolitik und die Schulen zuständig sein sollte, „um überall in Deutschland die gleiche Qualität der Schulen und ein einheitliches Bildungsniveau zu gewährleisten“, sähen weit mehr als die Hälfte der Bewohner aller Bundesländer die Verantwortung lieber beim Bund. In Sachsen-Anhalt sind es sogar 84 Prozent, während auch in den übrigen neuen Ländern und in Berlin Werte von 70 Prozent und mehr erreicht werden. Am schwächsten ist die Föderalismusmüdigkeit in Bayern und in Hessen ausgeprägt.

Selbst in Baden-Württemberg wünschen sich mehr als die Hälfte der Bewohner eine Bundeszuständigkeit in Schulfragen. Eine stärkere Zentralisierung lasse sich auch durch entsprechende Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz erzielen, sagte Werner Süßlin vom Allensbacher Institut. Danach allerdings war nicht gefragt worden. Von Anfang Februar bis Anfang März dieses Jahres wurden 2262 Deutsche aus allen Bundesländern befragt, die einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung widerspiegeln. Darunter entfielen 436 Befragungen auf Eltern mit Schulkindern.

Kaum einer hält die Umstellung auf G8 für gelungen

Entsprechend kritisch bewerten die Befragten die Schulpolitik der Länder, nur Bayern erreicht eine 3,29 auf der Bewertungsskala von eins bis sechs, es folgen Hessen (3,4) und Sachsen (3,4). Berlin (3,9) und Schleswig-Holstein schneiden besonders schlecht ab (4,19). Deutliche Vorbehalte gibt es im Westen gegen die Einführung des achtjährigen Gymnasiums und gegen die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen.

Nur sieben Prozent der westlichen Befragten halten die Umstellung auf das sogenannte G8 für gelungen, im Osten sind es 33 Prozent. 71 Prozent im Westen plädieren für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium oder ein paralleles Angebot neun- und achtjähriger Gymnasialzüge (was es als Gesamtschulgang oder berufliches Abitur schon gibt).

Im Osten, wo das achtjährige Gymnasium die Regel war, wollen nur zwölf Prozent der Befragten ein neunjähriges Gymnasium, 35 Prozent plädieren allerdings für eine Anpassung der Lehrpläne an die kürzere Schulzeit. Durch die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen wird sich aus der Sicht der meisten Befragten nichts ändern, nur 32 Prozent meinen, die Hauptschüler erhielten dadurch bessere Bildungschancen.

Verkleinerung der Klassen gefordert

Bei der Frage nach den vorrangig notwendigen Verbesserungen in den Schulen setzen die meisten Befragten wie bei der letztjährigen Befragung vor allem auf bessere pädagogische Rahmenbedingungen, nicht jedoch auf strukturelle Änderungen. Eine Verkleinerung der Klassen bewerten 59 Prozent der Befragten und sogar 69 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder als vorrangig. An zweiter Stelle folgen der hohe Unterrichtsausfall und an dritter Stelle die sprachlichen Probleme ausländischer Schüler, die durch zusätzliche Deutschkurse zu verbessern wären.

Noch im vergangenen Jahr betrachteten 57 Prozent den hohen Unterrichtsausfall als Hauptproblem, in diesem Jahr sind es sogar 64 Prozent. Besonders dringlich wird der Stundenausfall in Rheinland-Pfalz (73 Prozent) gesehen, während er in Thüringen (39 Prozent) und im Saarland (34 Prozent) eine geringere Rolle zu spielen scheint. Insgesamt lasse sich aus den Klagen über Unterrichtsausfall auf einen steigenden Lehrermangel schließen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Hans-Peter Meidinger.

54 Prozent der Eltern fordern darüber hinaus eine begabungsgerechte Förderung ihrer schulpflichtigen Kinder. Nur jeweils ein Drittel der Befragten erkennt bei der Einrichtung von mehr Ganztagsschulen, bei einer Verlängerung der Grundschulzeit (nur 32 Prozent) oder bei der regelmäßigen Überprüfung der Schulen durch Leistungstests (30 Prozent) Handlungsbedarf.

Ambivalentes Lehrerbild

Die Ursachen für schlechte Schulleistungen sehen die Befragten in der mangelnden Fähigkeit von Lehrern, Stoff angemessen zu vermitteln, in noch höherem Maße jedoch bei den Eltern, die sich zu wenig um die schulischen Angelegenheiten ihrer Kinder kümmerten, und schließlich bei den Schülern selbst, die zu viel Zeit am Computer oder Fernseher zubrächten oder zu wenig für die Schule täten.

Bei den Haupteigenschaften eines guten Lehrers haben sich die Befragungsergebnisse des Vorjahres bestätigt: An oberster Stelle stehen seine Motivationsfähigkeit, an zweiter Stelle sein Fachwissen und an dritter seine didaktischen Fähigkeiten (guter und verständlicher Unterricht).

Der Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, Mark Speich, sagte, die Befragung zeige, dass Lehrer mehr denn je Erziehungsdefizite und soziale Ungleichheiten ausgleichen müssten und die öffentliche Anerkennung brauchten, die sie verdienten. Ansonsten ist das Lehrerbild sehr ambivalent. Einerseits wird anerkannt, dass Lehrer allzu oft Erziehungsfehler des Elternhauses ausbügeln müssten und deshalb einen anstrengenden und verantwortungsvollen Beruf ausübten, andererseits halten sich bestimmte Klischees (viel Freizeit, viel Geld, außerhalb der Schule nicht für Kinder da, geringe Kritikfähigkeit und häufige Klagen über berufliche Belastung).

Das sogenannte Nahbild der Lehrer bei den Eltern schulpflichtiger Kinder ist deutlich besser. Die Eltern sehen das Bemühen um gerechte Noten, um einen interessanten Unterricht und eine hohe Identifikation der Lehrer mit ihrem Beruf.

(Siehe auch: Interaktiv: Deutschlands Schullandschaft - ein Flickenteppich)

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