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Allensbach-Studie Die Furcht vor dem Morgenland im Abendland

Eine neue Umfrage des Instituts Allensbach zeigt, dass das Ansehen des Islam bei den Deutschen sehr schlecht ist. Auch wenn keine generelle Intoleranz herrscht: „Die Türken“ und mit ihnen die gesamte islamische Welt gelten oft noch als „die anderen“.

© dapd Vergrößern Nur 22 Prozent der Befragten erklärten, der Islam gehöre zu Deutschland wie das Christentum.

Große weltgeschichtliche Umwälzungen hinterlassen tiefe Spuren in der Kultur. Unter Umständen prägen sie über viele Jahrhunderte hinweg die Mentalität der Völker. Selbst der Limes, die Grenze des Römischen Reiches in Europa, tritt heute noch in vergleichenden Umfragen erkennbar hervor. In manchen Fragen der politischen und gesellschaftlichen Werteorientierung unterscheiden sich die Völker in den Ländern, die vor zwei Jahrtausenden zum Römischen Reich gehört haben, noch immer deutlich von denen, die nördlich dieser über Jahrhunderte hinweg bedeutenden politischen und kulturellen Grenze liegen (oder aus denen die römische Bevölkerung in der Völkerwanderungszeit verdrängt wurde). Dies ist unabhängig von anderen Einflüssen wie der Konfession der Befragten oder der aktuellen Wirtschaftslage in den betreffenden Ländern.

Eine solche Kerbe in der Mentaliätsgeschichte hat anscheinend auch die jahrhundertelange Auseinandersetzung zwischen Abendland und Morgenland hinterlassen. Immer wieder zeigt sich bei Umfragen zur europäischen Integration, dass die deutsche Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit den Beitritt der Türkei zur EU ablehnt, und dies offensichtlich nicht aus einer besonderen Abneigung gegenüber der Türkei heraus, sondern einfach deswegen, weil die Türkei für die meisten Deutschen einfach nicht zu Europa gehört. Der Anteil derjenigen, die sagen, die Türkei sei ein europäisches Land, lag 2008 bei 18 Prozent. Es spricht einiges dafür, dass die Vorstellung, wonach die islamische Welt und der Westen kulturelle Gegenpole sind, tief im Unterbewusstsein der Bevölkerung verankert ist. Nichts hat die Deutschen mitten in der Zeit ihrer schärfsten konfessionellen Auseinandersetzungen so sehr geeint wie der Warnruf, die Türken stünden vor Wien. Dieser Ruf stand sinnbildhaft für die Bedrohung des Abendlandes durch das Morgenland. „Die Türken“ und mit ihnen die gesamte islamische Welt, das waren stets „die anderen“.

Von der Benachteiligung der Frau bis zu Rache und Vergeltung

Diese historische Prägung muss man vor Augen haben, wenn man sich mit der Einstellung der Deutschen gegenüber dem Islam beschäftigt. Die jüngste Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag dieser Zeitung zeigt, wie sehr sich die Bevölkerung bei diesem Thema hin- und hergerissen fühlt. Viele bemühen sich um eine differenzierte Sicht auf Menschen muslimi-schen Glaubens. Für einen erheblichen Teil der Deutschen ist der Kontakt zu Muslimen ein selbstverständlicher Teil des Alltags, und doch überwiegt seit mindestens einem Jahrzehnt kaum verändert ein Gefühl der Fremdheit und des Misstrauens.

Das allgemeine Image des Islam ist verheerend. Die Befragten wurden gebeten, unter 21 Aussagen diejenigen auszuwählen, die ihrer Ansicht nach auf den Islam zutreffen. 83 Prozent meinten daraufhin, der Islam sei von der Benachteiligung der Frau geprägt, 77 Prozent meinten, typisch für den Islam sei das Festhalten an althergebrachten Glaubensgrundsätzen, 70 Prozent assoziierten mit dem muslimischen Glauben Fanatismus und Radikalität. Deutliche Mehrheiten der Bevölkerung attestierten dem Islam darüber hinaus unter anderem Gewaltbereitschaft (64 Prozent), die Neigung zu Rache und Vergeltung (60 Prozent), missionarischen Eifer (56 Prozent) und das Streben nach politischem Einfluss (56 Prozent). Nächstenliebe brachten nur 13 Prozent mit Islam in Verbindung, 12 Prozent dachten beim Stichwort Islam an Wohltätigkeit und nur 7 Prozent an Offenheit und Toleranz.

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