17.07.2012 · Die Euro-Krise hat das Bewusstsein für die Risiken der Staatsverschuldung erheblich geschärft. Gleichwohl bleiben die Deutschen gelassen: Bedrohlicher werden Privatschulden angesehen.
Von Thomas PetersenRichtlinien für Lesermeinungen
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Vielen Dank für diesen Artikel.
Er bestätigt meinen schlechten Eindruck von der Bildungsnation
Deutschland. Mir ist schon zu Steinbrück-Zeiten, wenn nicht gar zu
Eichel-Zeiten aufgefallen, welche verhängnisvolle Karriere der
Begriff Sparen genommen hat. Und die Polemik, die Forderung nach einer
Gehaltserhöhung als Sparen zu bezeichnen, könnte von mir sein. :-)
Noch deutlicher wäre das negative Bewertungsergebnis
wenn man der Frage die Information voranstellte, dass Deutschlands
wirkliche Staatsverschuldung inkl. aller Verbindlichkeiten (auch
ggü. den so genannten Staatsdienern und deren Familien) zurzeit
taxiert >7 Billionen Euro beträgt. Aber wer in solcher Not ist,
lügt wie gedruckt, verschleiert und verdreht Fakten, wie es
beliebt. Die Kassen sind leer. Schon lange, seit Jahrzehnten. Deswegen
werden Schulden in Reptilienfonds versteckt, unermüdlich neue,
erstklassige Einnahmequellen wie z.B. die Klimakatastrophe für den
erodierenden Staat erfunden, Gesetze zum permanenten Abkassieren
geschaffen und neue Transparenz-Kontroll-Instrumente wie z.B. PLUTO
entwickelt. Für den völlig verfetteten Riesen Staat. Beamte
und Politiker deformierten das Land in einen behäbigen Verwaltungs-
und Selbstversorgungsapparat, der Fördergeld-Brosamen in die Menge
wirft. Dieses famose Geschäftsmodell wird sukzessive von
Brüssel übernommen. Ergänzend.
PS: Dieser sparen-klarstellende Artikel war überfällig.
Folgender pragmatische Ansatz für einen ausgeglichenen Haushalt
drängt sich mir immer wieder auf:
Basis ist die Annahme, dass jeder Staatshaushalt die Wünsche der
Staatsbürger widerspiegelt (Idealvorstellung). Wenn nun die
Wünsche (Ausgaben) das Machbare (Einnahmen) übersteigen, liegt
es nahe, nicht etwa __einzelne__ Ausgabenposten zu reduzieren, sondern
schlicht den gesamten Ausgabenhaushalt mit Faktor x < 1 zu
multiplizieren, sodass er den Einnahmen entspricht.
Dies entspräche einer gleichmäßigen Verteilung der
Belastung auf alle Ressorts.
Wo liegt der Haken?
Sparen ja, aber bloß nicht bei mir!
Ein ausgezeichneter Artikel, der den Bürgern dieses Landes sehr
schön den Spiegel vorhält.
Im Kern läuft die Haltung der Umfrageteilnehmer nämlich auf
die einfache Aussage hinaus: Natürlich soll der Staat weniger
ausgeben, aber nur, wenn ich dadurch nicht weniger bekomme. Daß
Staatsverschuldung leichter akzeptiert wird als Privatverschuldung ist
ebenfalls klar: Anders als bei Privatschulden spürt man
nämlich die Last der Staatsschulden nicht so sehr, nicht so direkt,
aber die reduzierten Ausgaben (und damit die eigenen Nachteile)
spürt man in beiden Fällen gleich.
Norbert Röttgen hat den Landtagswahlkampf der NRW-CDU unter das Motto "Politik aus den Augen unserer Kinder" gestellt und ist damit gescheitert. Hannelore Kraft verkörpert das "Weiter so!" - und hat gewonnen.
Man kann es drehen und wenden wie man will, man kann auch auf einem Auge blind sein,
aber sparen läßt sich nur an den wirklich ausufernden
Kostenblöcken (2011)
Bundesministerium für Arbeit und Soziales 131.293.000.000 37.17%
Allgemeine Finanzverwaltung 62.319.300.000 17.64%
Bundesschuld 37.172.300.000 10.52%
Absurd: die Finanzverwaltung (Bund) verbraucht 17,64% des
Bundeshaushaltes = 62,3 Mrd. um ein Steueraufkommen von ca. 550 Mrd. zu
generieren (Bund, Länder, Kommunen). Hierzu kommen noch die Kosten
für die Finanzverwaltungen der Länder, die sich auf ca. 10
Mrd?? belaufen dürften.
Am meisten müsste man im Bereich des Sozialhaushaltes sparen, aber
das stösst nach Ihrer Umfrage immer noch nahezu auf taube Ohren.
Langfristig vermeiden, lässt sich dies wohl aber nicht.
wenn Politiker übers sparen reden...
fällt mir immer folgende Annektode ein:
Fragt der Hans den Franz warum er denn hinter dem Bus her liefe?
Sagt Franz: Da spare ich 2 Euro für die Fahrkarte!
Fragt Hans: Warum läufst du denn nicht hinter einem Taxi her, da
sparst du doch viel mehr!
;-) fast wie im richtigen Leben!
Geteilte Wahrnehmung ist typisch für "Staatsknete"
Sparen ja, aber nicht an den wesentlichen Ausgaben.
So wird das nix, lieber Deutscher Michel. Realismus hiesse schlicht, die
Wohtaten der Allgemeinheit zurückzufahren. Davon sind wir weit
entfernt.
Die "Sparvorschläge" sind oft Steuererhöhungen, also
mehr Umverteilung, das Gegenteil von Sparen.
Der Staat bin ich. Was Ludwig der IV. aus sprach und auch so meinte, meint heute die Masse der Gutdemokraten in unserem Land. Am Stammtisch wir massives Sparen eingefordert. Wenn man dann aber zu bedenken gibt, dass wir, konsequent die Aufforderung befolgend, die Sozialleistungen, Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau, Schwimmbäder und öffentlichen Nahverkehr, Pensionen, Renten und vieles mehr stark, ja sehr stark einschränken müssten, dann heißt es: Das kann man mit mir nicht machen!. Die Verschuldung des Landes begründet sich vor allem an Ansprüchen derer, die im Politsystem sind und denen die als Empfänger solcher Leistungen sind. Die einen gehen Verschuldung aus Profilierungsgründen an, die anderen akzeptieren die Verschuldung von der sie profitieren. In der Summe: Wir haben zuviel Staat und der hat Ansprüche geweckt, damit er sich immer mehr in unsere Angelegenheiten einmischen kann. Es sind zuviel Menschen in Bereichen beschäftigt, die volkswirtschaftlich gesehen, unsinnig sind.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 19.07.2012 17:29 Uhr"Wer anders als das Volk sollte denn ihrer Meinung nach über die Staatsausgaben bestimmen ? "
Zu einem größeren Teil als bisher jedenfalls diejenigen, die
das Ganze auch bezahlen; also die Personen mit großem
Steueraufkommen.
Die derzeitigen Alternativen, Einfluss auf den Staatshaushalt zu nehmen,
bestehen für diese Personengruppe im wesentlichen aus
Steuerhinterziehung, Parteispenden und Auswandern. Das kann auch nicht
im Sinne der Demokratie sein.
@ Herr Eichhorn Gutdemokraten ?
Was genaui meint eigentlich der von ihnen verwendete Begriff
"Gutdemokraten" ? Gibt es auch "Schlechtdemokraten"
? Was genau haben sie gegen die "Gutdemokraten" ?
Wer anders als das Volk sollte denn ihrer Meinung nach über die
Staatsausgaben bestimmen ?
Was bedeutet "sparen" bei Staaten ?
Der Begriff "sparen" ist selber schon ein riesiges
Missverständnis, wenn wir nicht von Privatpersonen sondern von
ganzen Staaten reden. Für eine Privatperson bedeutet
"sparen" die Verschiebung von gegenwärtigem Konsum in die
Zukunft, man legt Geld zurück und kauft sich dafür später
etwas. Das setzt aber vorraus, daß jemand in Zukunft für das
Geld etwas produziert.
Ganze Staaten können nicht sparen, wir können die
Brötchen die wir morgen essen wollen nicht schon heute backen und
diese dann "sparen". Staaten konsumieren immer(!) in einer
Periode genau die Konsumgüter welche auch in der selben Periode
geschaffen wurden. Staaten konsumieren auch nicht, sonder verteilen nur
die in einer Periode geschaffene Wertschöpfung von Bürger zu
Bürger (also z.B. von einem Arbeiter zu einem Beamten)
Die Schulden der Staaten sind also immer auch die Vermögen der
Bürger, welche die Staaten bilden, es bleibt im Saldo eine
Nullsumme, egal wie hoch die Schulden sind...
Letztere Einlassung ist und bleibt falsch...
... und sie wird auch nicht durch ständiges Wiederholen richtiger.
Das liegt nicht nur an der opportunistischen
Grundhaltung der Politiker, die es mit fremdem Geld nicht so genau
nehmen.
Das liegt auch am Staat ... also an den Staatsbürgern, die immer
dies und das und jenes wollen, im irrigen Vertrauen darauf, dass es
andere zahlen.
Das sind dann hinterher die Gesetze, über die alle den Kopf
schütteln; in Paragraphen geronnnener Lobbyismus.
Aber!
Wenn der Staat keine Schulden mehr macht, also keine Krdite mehr
aufnimmt, wer tut es dann?
Denn Kredite müssen sein, nur so entsteht das neue Geld, das eine
stets wachsende Wirtschaft als Tauschmittel braucht.
Wenn ALLE schuldenfrei leben würden, gäbe es kein Geld.
Wir würden Handel treiben wie in der Steinzeit: per Naturaltausch.
Es gibt einen unauflöslichen Widerspruch zwischen solidem
Wirtschaften und der Verfasstheit unseres Geldes.
.... Wenn alle schuldenfrei leben würden, gäbe es kein Geld. ..
Sehr geehrter Herr List,
auch wenn die Kreditaufnahme zu einer Erhöhung der Geldmenge
führt, so muss man ihre These in das Reich der Fabeln verweisen....
Die Wirtschaft braucht Tauschmittel, die nicht verderben, aber nicht per
se Kredite. Der Staat muss also keine Schulden machen, damit die
Wirtschaft funktioniert.
Die meisten Staaten geben ständig mehr Geld aus und nennen das Sparen.
Öffentliche Hände scheinen zum Geldausgeben
prädestiniert, und Sparen ist beim Staat ein offenbar
missverstandenes Fremdwort. Das liegt großteils daran, dass viele
Politiker zwar als rhetorisch hochbegabt in Erscheinung treten und beim
Geldverteilen an ihre Anhängerschaft zu sozialen Experten
heranreifen, aber von Wirtschaft und Sparsamkeit wenig Ahnung haben. Zum
Beispiel gab es in Deutschland nie höhere Steuereinnahmen als
heute; zugleich lamentieren deutsche Politiker über angebliche
"öffentliche Armut" und wollen, weil der
unsolide Staat nie Sparen geübt, sondern
gewohnheitsmäßig Schulden gemacht hat, auch noch mit
Staatsgewalt auf Ersparnisse oder Vermögen seiner soliden
Bürger zugreifen. Solche Gedanken in der Politik scheinen doch
vollkommen abwegig, zumal der Staat wirklich kein Einnahmenproblem hat,
sondern unter exzessiver Ausgabensucht leidet. Es ist kontraproduktiv
und geradezu bürgerverachtend, wenn der Staat seinen Bürgern
gar noch mehr als bisher schon abnehmen will.
@Hans Edelmann
"(...) aber von Wirtschaft und Sparsamkeit wenig Ahnung haben."
Wenn es denn so einfach wäre. Was passiert denn, wenn Sie als
Politiker mehr ein- bzw. weniger ausgeben wollen? Sie werden sich
jedesmal mit einer Interessengruppe anlegen müssen. Das ist das
eigentliche Problem.
Dass man nicht mehr ausgeben darf als man einnimmt ist eine
Binsenweisheit. Vielleicht sollte jeder mal eine Zeit in die Position
kommen, so etwas in der Politik entscheiden zu können. Da werden
Sie persönlich nicht auf weniger Probleme und Gegenwehr treffen wie
jeder andere Politiker auch. Politik heißt Kompromisse durchsetzen
und zwischen Interessengruppen vermitteln können. Da nutzt ihnen
Ihre ökonomische Binsenweisheit gar nichts.
Begruessenswerte Schaerfung des Bewusstseins
Stellen wir uns vor, die Waehrungsunion wuerde zerfallen, entfiele dies. Dieser gesamteuropaeische Prozess wuerde kaum zur Kenntnis genommen oder achselzuckend mit einem 'Was geht uns die Verschuldung der anderen an?' quittiert.