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Allensbach-Analyse Der selektive Aufschwung

Die Konjunktur entwickelt sich besser als erwartet, doch auf die Zukunftserwartungen der meisten Deutschen hat das keinen positiven Einfluss. Menschen mit niedrigem Einkommen sehen sich von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt. Die Allensbach-Analyse der F.A.Z.

© F.A.Z. Vergrößern

Das Jahr 2006 ist wirtschaftlich besser gelaufen als von vielen erwartet, die Konjunktur ist nach wie vor robust, die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt erfreulich. Gerade wurden die Wachstumsprognosen für Deutschland von der Europäischen Kommission nach oben korrigiert.

Noch vor wenigen Jahren hätte ein solches Umfeld die Bevölkerung in Hochstimmung versetzt. Dies gilt zurzeit jedoch nur für die oberen Einkommensschichten, während die Mehrheit bei ihrer Skepsis verharrt, ob der Aufschwung eine nachhaltige Wirkung entfalten und vor allem ob er alle Bevölkerungsschichten erreichen wird.

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Zwar ist der Konjunkturoptimismus in den letzten Wochen gewachsen. 39 Prozent rechnen für die kommenden Monate mit einem Aufwärtstrend, 36 Prozent mit einer stabilen Lage, nur 18 Prozent mit einem ungünstigen Konjunkturverlauf. Jeder Dritte beobachtet in seinem persönlichen Umfeld und in seinem Lebensraum, dass es aufwärts geht und sich dort auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessert. Gemessen an der tatsächlichen Entwicklung, bleibt damit jedoch der „gefühlte Aufschwung“ weit zurück.

Sicherer Arbeitsplatz I © F.A.Z. Vergrößern

Kein persönlicher Nutzen der Konjunktur erwartet

Insbesondere die unteren Sozial- und Einkommensschichten trauen der objektiv positiven Entwicklung bisher nicht. Nur 21 Prozent der Personen aus Haushalten mit unterdurchschnittlichen Einkommen nehmen in der näheren Region Verbesserungen auf dem Stellenmarkt wahr, während 62 Prozent keinerlei Besserung erkennen können. Diese skeptische Sichtweise macht sich nur eine Minderheit der Personen aus Haushalten mit überdurchschnittlichen Einkommen zu eigen.

Dass der Aufschwung im Bewusstsein der Bevölkerung diesmal nur eine deutlich schwächere Wirkung entfaltet, hat nicht allein mit der in Jahren der Wachstumsschwäche verfestigten Skepsis zu tun. Das Bemerkenswerte der aktuellen Lage ist vielmehr, dass die meisten Bürger glauben, der Aufschwung betreffe sie persönlich nicht und werde ihnen keinerlei nennenswerten Nutzen bringen. Als Nutznießer der positiven Konjunktur gelten die Unternehmen, der Staat und die gut gestellten Bevölkerungskreise, nicht die Masse der Bürger, die Arbeitslosen oder die unteren Einkommensschichten. Die überwältigende Mehrheit ist überzeugt, dass Unternehmen und Staat profitieren, nur 15 Prozent sehen Arbeitslose, nur 6 Prozent die niedrigen Einkommensschichten als Nutznießer des Aufschwungs.

Während drei Viertel der gesamten Bevölkerung durchaus sehen, dass die Konjunktur nicht nur den Unternehmen höhere Gewinne beschert, sondern erheblich dazu beiträgt, die Lage der staatlichen Haushalte zu verbessern, nehmen 65 Prozent an, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht profitieren wird. Nur 37 Prozent rechnen infolge des Aufschwungs mit einem (weiteren) Rückgang der Arbeitslosigkeit, 19 Prozent mit sichereren Arbeitsplätzen, ganze 8 Prozent mit einem deutlichen Anstieg der Löhne und Gehälter.

Untere Sozialschichten besonders skeptisch

Auch die Mehreinnahmen des Staates werden mit der Distanz des Nichtbetroffenen betrachtet. Nur 12 Prozent erwarten, die Entlastung für die öffentlichen Haushalte werde dazu führen, dass der Staat künftig weniger Leistungskürzungen vornehmen oder gar die Steuerlasten der Bürger mindern wird. Ganze 3 Prozent der Bevölkerung hoffen, dass der Aufschwung Spielraum für Steuersenkungen schafft.

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