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Allensbach-Analyse : Christliche Werte haben Bestand

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Der Rückgang der Religiosität ist noch gravierender, als es der Blick auf die Zahl der Kirchenbesucher und -austritte vermuten lässt Bild: dpa

Die Zahl der Kirchenbesucher sinkt, die Religiosität geht zurück. Dennoch spielt das Christentum in Gesellschaft und Politik weiter eine bemerkenswert große Rolle. Eine Gleichbehandlung der Religionen lehnt die Mehrheit der Bevölkerung ab.

          Es ist gar nicht lange her, dass das Christentum und demokratische, freiheitliche Grundsätze als untrennbar zusammengehörig empfunden worden sind. Konrad Adenauer schrieb in seinen Erinnerungen an die Gründerjahre der Bundesrepublik: „Der aus christlichem Ideengut erwachsene Grundsatz, dass die Würde der Person, die Freiheit und die sich daraus ergebenden Folgerungen über allem stehen müssen, konnte allein uns helfen, ein neues politisches Ziel dem deutschen Volk zu weisen, ein neues politisches Leben in ihm zu erwecken.“

          Bereits im 19. Jahrhundert war es für den englischen liberalen Oberhausabgeordneten John Dalberg-Acton selbstverständlich, dass politische Freiheit nur auf einem festen christlichen Fundament gedeihen könnte. Heute dürfte dieser Gedanke vielen Menschen ungewohnt erscheinen. Doch in den ersten Jahren der Bundesrepublik war von einer solchen Haltung noch einiges zu spüren. Im Februar 1952 stellte das Institut für Demoskopie Allensbach einem repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt die Frage: „Wie muss das Programm einer Partei sein, damit sie für Deutschland Gutes wirkt: Muss es christlich sein?“ 56 Prozent der Befragten beantworteten die Frage mit „Ja“. Das waren wesentlich mehr, als die Unionsparteien, die sich ausdrücklich auf christliche Traditionen beriefen, damals Anhänger hatten. Auf die Frage „Welche Partei steht Ihren Ansichten am nächsten?“ nannten nur 30 Prozent der Westdeutschen die CDU oder CSU.

          Der Glaube verliert an Bedeutung

          Wie ist es heute um das Verhältnis zwischen dem Christentum und der Politik bestellt? Gelten christliche Prinzipien noch immer als selbstverständliche Grundlage politischen Handelns, oder haben sich Christentum und Politik in den letzten Jahrzehnten voneinander entfernt? Die jüngsten Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigen ein uneinheitliches Bild. Der Glaube hat für die Bevölkerung an Bedeutung verloren, doch die christliche Kulturtradition wird auch von denen verteidigt, die sich nicht mehr als Christen empfinden.

          Kaum eine andere gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte vollzog sich so kontinuierlich, gründlich und - wie man annehmen muss - dauerhaft wie die Abwendung der Bevölkerung von der Kirche. Nach den Daten des statistischen Bundesamts gehören heute noch 72 Prozent der Deutschen einer Religionsgemeinschaft an, 59 Prozent der evangelischen oder katholischen Kirche. In vielen Großstädten sind heute die Angehörigen der traditionellen großen christlichen Glaubensgemeinschaften in der Minderheit, in den neuen Bundesländern sogar stark: Hier sind fast drei Viertel der Bevölkerung konfessionslos.

          Auch in Westdeutschland ist die Erosion des Glaubens erheblich. Seit Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts sinkt kontinuierlich der Anteil jener, die bei Allensbacher Umfragen angeben, wenigstens „ab und zu“ in die Kirche zu gehen. In Westdeutschland liegt er heute noch bei 36 Prozent. Fast zwei Drittel, 63 Prozent, gehen selten oder nie in die Kirche. In den neuen Bundesländern sind es 80 Prozent.

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