17.07.2009 · Das beliebte Spiel, aus der prozentualen Zustimmung eines Parteitags den aktuellen Kurswert eines Politikers zu bestimmen, bleibt Generalsekretär Dobrindt erspart. Dabei hat er in seiner kurzen Amtszeit harte Auseinandersetzungen nicht gescheut hat.
Von Albert SchäfferIn einer entspannten Situation ist Alexander Dobrindt auf dem Nürnberger CSU-Parteitag: Als Generalsekretär muss er nicht in seinem Amt bestätigt werden. Ihm genügt als Legitimation das Votum des Vorstands, der ihn im März an die Seite des Vorsitzenden Seehofer berufen hat. Das beliebte Spiel, aus der prozentualen Zustimmung eines Parteitags den aktuellen Kurswert eines Politikers zu bestimmen, bleibt ihm erspart. Fürchten hätte er es aber nicht müssen, auch wenn er in seiner kurzen Amtszeit harte Auseinandersetzung in den eigenen Reihen nicht gescheut hat.
Sein Schimpfen gegen die Brüsseler Käseglocke, die auch CSU-Europa-Politikern die Luft abschnüre, sorgte für Aufsehen. Aber eine deutliche Wortwahl gehört zur Arbeitsplatzbeschreibung eines Generalsekretärs. Und seines Amtes ist es auch, die Linien zu exekutieren, die der Vorsitzende vorgibt. Dobrindt gehört schon lange zu den CSU-Bundestagsabgeordneten, die eine schleichende Entmachtung des Bundestags und des Bundesrats durch europäische Instanzen beklagen; er stimmte im vergangenen Jahr gegen das Zustimmungsgesetz zum Lissabon-Vertrag.
Die Gnade des richtigen Geburtsorts
Doch ohne die Fügung, dass sich seine grundsätzliche Haltung mit der gegenwärtigen Linie Seehofers deckt, hätte er nicht seine erste große Bewährungsprobe bestehen können. Im Zusammenwirken mit Seehofer ist es ihm gelungen, die CSU klar europapolitisch zu positionieren - nicht zum Gefallen der CDU, die in der Frage, wie das Lissabon-Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu verwirklichen ist, unentschlossen erscheint. Die Partei der Kanzlerin muss nun ihren Weg entlang des Vierzehn-Punkte-Papiers der CSU finden.
Der 39 Jahre alte Dobrindt hat in der jungen Garde, die Seehofer um sich geschart hat, Boden gutgemacht. Ihn aus dem Blick zu verlieren, wenn über die Zeit nach Seehofer nachgedacht wird, hieße zu verkennen, dass er mit dem oberbayerischen Peißenberg die Gnade des richtigen Geburtsorts erfahren hat - aus der Perspektive des CSU-Proporzes.
Wenn schon Diplom, dann Diplom-Brauer
Sollte Seehofer früher oder später dem Bedürfnis nachgeben, sich ganz seiner geliebten Modelleisenbahn zu widmen, wäre den Prätendenten Karl-Theodor zu Guttenberg und Markus Söder der Weg versperrt, die Macht, sprich: die Ämter des Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten, unter sich zu teilen; beide stammen aus Franken. Dobrindt kann als Diplomsoziologe akademische Würden für sich beanspruchen, die in den vorderen Reihen seiner Partei eher ungewöhnlich sind - wenn schon Diplom, dann Diplom-Brauer, heißt abseits der Städte immer noch ein Erfolgsrezept für CSU-Nachwuchskräfte.
Nicht ohne Grund renommiert Dobrindt gern damit, dass er es in seiner Heimat zum Schützenkönig gebracht hat. Guttenberg, der Baron aus Franken, und Dobrindt, der Schützenkönig aus Oberbayern: Niemand kann der CSU nachsagen, sie sorge nicht für farbige Tupfer im Funktionärsgrau der Parteien; nur Söder muss biographisch noch ein wenig nachsitzen.