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Alexander Dobrindt Der Sekretär des Generalvorsitzenden

01.02.2012 ·  Für Linkspartei-Chef Ernst ist er ein „Quartalsirrer“, doch das kümmert Alexander Dobrindt nicht. Während Seehofer erkältet darniederliegt, will er sich mit neuem Look und eigenwilliger poltischer Metaphysik profilieren.

Von Albert Schäffer, München
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Es ist nicht bekannt, ob Alexander Dobrindt, der CSU-Generalsekretär, Klaus Ernst, dem Vorsitzenden der Linkspartei, schon einen Kasten Hefeweizen hat zukommen lassen. Grund zur Dankbarkeit hat Dobrindt allemal, hat ihm Ernst doch den Ritterschlag erteilt. Von dem obersten Linken "politischer Quartalsirrer" genannt zu werden - viel Besseres kann einem CSU-Generalsekretär nicht widerfahren.

Schließlich wurde mit diesem Prädikat einst Jürgen Möllemann bedacht, damals aus den eigenen Reihen der FDP, womit es ihn noch mehr schmückte. Dobrindt muss sich zwar damit begnügen, von einem politischen Gegner ausgezeichnet zu werden; seine Freude dürfte dennoch gewaltig sein, steht er die meiste Zeit doch im übergroßen Schatten Horst Seehofers, seines Parteivorsitzenden.

Mit provokanten Thesen vorpreschen

Generalsekretäre nehmen eine dienende Rolle gegenüber ihren Vorsitzenden ein, auch wenn es ihnen zuweilen schwerfällt - siehe gegenwärtig Andrea Nahles, siehe früher Christian Lindner, siehe in längst vergangener Zeit Heiner Geißler. In Dobrindts Fall kommt erschwerend hinzu, dass Seehofer die klassischen Aufgaben eines Generalsekretärs gleich selbst erledigt.

Mit provokanten Thesen vorpreschen und die Stimmung in der Wählerschaft testen - niemand kostet das lustvoller aus als Seehofer. Er wirft die Bälle selbst, apportiert sie selbst und applaudiert sich selbst. Seehofer ist der Generalvorsitzende der CSU, der allenfalls einen Sekretär an seiner Seite braucht, der die Bälle ab und zu ein wenig poliert und sie nach Farbe und Größe sortiert.

„Habe keine Stimme mehr“

Viele Gelegenheiten zu eigenen Würfen hat Dobrindt, seit 2009 Generalsekretär, nicht. Für seine Forderung, die Linkspartei umfassend durch den Verfassungsschutz zu beobachten und ein Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht zu erwägen, standen jetzt die Sterne besonders günstig. Seehofer lag erkältet darnieder und ließ über Facebook - das Medium, gegen das eine andere Gehilfin des CSU-Vorsitzenden, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, oft wettert - wissen: "Habe keine Stimme mehr."

Drohend fügte Seehofer zwar noch an, dass er "alles im Griff" habe, doch für Dobrindt war die Chance da, von der alle zweiten Besetzungen auf den Bühnen der Welt träumen. Er konnte sich nach Lust und Laune äußern, ohne dass der Vorsitzende eilends aus der Theaterkantine auftauchte.

Bei „Erwin Pelzig den Fernsehtod“ gestorben

Wie sehr Dobrindt in der Unterhaltungssendung "Günther Jauch", in der er zum Großangriff auf die Linkspartei ansetzte, über seinen Vorsitzenden hinauswuchs, kann nur ermessen, wer sich erinnert, welches Debakel der CSU-Generalsekretär in einem anderen Unterhaltungsformat erlitten hat - im Gespräch mit Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser.

Der Kabarettist fragte einen wortkargen Dobrindt so lange, ob ihm nicht gut sei, er sei so friedlich, bis der CSU-Generalsekretär fernsehklinisch tot war. Schwächere Naturen hätten danach erwogen, einen Ruderbootverleih am Ammersee aufzumachen - Dobrindt ist gar nicht weit entfernt davon in Peißenberg zu Hause -, doch der CSU-Generalsekretär blieb bei seinem Leisten, auch wenn er seit seiner Exekution bei Pelzig optisch einige Veränderungen an sich vorgenommen hat (kleinere Anzüge, größere Brille).

Taktische Meisterleistungen?

Dank seiner televisionären Beharrlichkeit kann Dobrindt nun genießen, dass manche hinter seinen Exkursen zur Linkspartei eine taktische Meisterleistung vermuten, zu der nicht einmal Seehofer, der sich selbst immer rühmt, mindestens einen Spielzug weiter als die Konkurrenz zu denken, in der Lage sei.

Dobrindt stärke durch den gewaltigen Säbel, den er führe, die Linkspartei eher, als er sie schwäche - und schade dadurch den Sozialdemokraten, lautet eine kühne These. So dialektisch gewendet, wären auch die Invektiven, die Dobrindt regelmäßig gegen Hubert Aiwanger, den Vorsitzenden der Freien Wähler, schleudert - "In der Sache keine Ahnung, aber immer das vorlauteste Mundwerk" -, eine besonders raffinierte Strategie, einen Koalitionspartner für die Zeit nach dem Ableben der FDP hochzupäppeln, indem er ihm bürgerliche Wähler, die nicht den rhetorischen Holzhammer schätzen, zutreibt.

In dieser Logik, dass begabte Generalsekretäre das Gegenteil von dem meinen, was sie sagen, wäre Dobrindt, der gegen ein zu ausgreifendes Europa wettert, der treueste Verbündete der Brüsseler Zentralisten.

Die Unendlichkeit zur Bodenlosigkeit

Auch auf diesem Feld konnte er jetzt durch die Unpässlichkeit Seehofers bei einem europapolitischen Kongress der CSU ins Rampenlicht treten und die Sätze intonieren, die sonst der Parteivorsitzende selbst vorträgt: "Wir kippen kein Geld in ein unendliches Fass ohne Boden." Dobrindt entsagte sich jeder Weiterung - etwa wie sich in der politischen Metaphysik die Unendlichkeit zur Bodenlosigkeit verhält - und achtete peinlich auf die Kleiderordnung, indem er bescheiden anmerkte, er wolle die geplante "Grundsatzrede" Seehofers in ein "kleines Impulsreferat" umwandeln.

Am Mittwoch legt er nach. Die CSU sei zwar „die Partei Europas“, aber auch „der Geldwertstabilität“. Wer nicht bereit sei, in seinem eigenen Land die notwendigen Reformen durchzusetzen, der habe auch „keinen
Anspruch auf weitere Hilfen“. Er rate Griechenland angesichts der Schwierigkeiten des Landes bei der Umsetzung der Reformmaßnahmen zu einem freiwilligen Austritt aus der Euro-Zone. „Wenn Griechenland nicht den nötigen Umsetzungswillen für die unumgängliche Sanierung des Landes aufbringt, dann sollte man dort ernstlich über einen Neuanfang außerhalb der Eurozone nachdenken“, sagte Dobrindt der „Rheinischen Post“.

Eine Traditionslinie von Strauß bis Söder

In der CSU können sich Generalsekretäre Hoffnung machen, nicht am Ende ihrer Karriere angelangt zu sein; die Traditionslinie in diesem Amt reicht von Franz Josef Strauß über Edmund Stoiber und Erwin Huber bis zu Markus Söder. Dobrindt, 41 Jahre alt, seit 2002 im Bundestag, wird auch künftig vermeiden, dass Seehofer den Eindruck bekommt, an seiner Seite erwüchse ihm ein Rivale.

Dass Dobrindt das große Wort führen konnte, während Seehofer sich mit einem Lebenszeichen auf Facebook begnügen musste, wird der Sekretär des Generalvorsitzenden richtig einzuordnen wissen: Seehofers "Habe alles im Griff" lässt wenig interpretatorischen Raum.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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