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Afghanistan-Einsatz Merkel zeichnet Soldaten für Tapferkeit aus

06.07.2009 ·  Für ihren Mut bei der Bergung von Kameraden unter Lebensgefahr hat Angela Merkel vier Soldaten mit dem neuen Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet. „Unsere Soldaten müssen für ihren Einsatz mehr Anerkennung erhalten“, sagte Merkel.

Von Stephan Löwenstein, Berlin
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In einer betont nüchtern und zivil gehaltenen Veranstaltung im Kanzleramt hat Bundeskanzlerin Merkel am Montag vier Soldaten mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ausgezeichnet. Es war das erste Mal, dass diese Auszeichnung verliehen wurde, die im August vergangenen Jahres durch Verteidigungsminister Jung mit Zustimmung von Bundespräsident Köhler gestiftet worden war.

Die vier Männer, zwischen 28 und 33 Jahren alt, hatten im Afghanistaneinsatz nach einem Selbstmordattentat beherzt mit der Erstversorgung von Verwundeten begonnen, während auf einem nahestehenden Fahrzeug Munition zu explodieren drohte. „Ich bin stolz darauf, einer der ersten Empfänger zu sein,“ sagte Oberfeldwebel Henry Lukacs anschließend. Es sei gut wichtig, dass es dieses Zeichen der Anerkennung für den Einsatz der Soldaten insgesamt gebe.

„Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung“

Frau Merkel bezeichnete die drei Hauptfeldwebel und den Oberfeldwebel als Vorbilder für die anderen Soldaten. Sie stünden stellvertretend für andere Kameraden, die ebenfalls Außergewöhnliches leisteten. Sie wisse, dass die Einsätze der Bundeswehr im Ausland alle Soldaten - und auch ihre Angehörigen - belasteten. „Darüber reden wir viel zu wenig.“ Dieser Einsatz aller Soldaten „verdient unser aller Dank und Anerkennung“. Es gebe aber auch Leistungen, die über das normale Maß hinausgingen. Die vier Soldaten hätten ihren Kameraden und Kindern, die ebenfalls durch die Sprengladung des Attentäters betroffen worden waren, unter Lebensgefahr geholfen.

Ehrenkreuz: Merkel zeichnet Soldaten aus

Dass es die Tapferkeitsauszeichnung gebe, sei eine wichtige Neuerung, sagte Frau Merkel. „Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung.“ Schon insgesamt 260 000 Soldaten der Bundeswehr seien seit Anfang der neunziger Jahre im Auslandseinsatz gewesen. Sie leisteten den Einsatz für „Stabilität und Frieden, Sicherheit und Wiederaufbau“. „Diese Einsätze, obwohl weit fort von zu Hause, dienen den nationalen Sicherheitsinteressen.“

Die Bundeskanzlerin hob die außergewöhnliche Rolle von Soldaten hervor. Im feierlichen Gelöbnis verpflichteten sie sich zur Tapferkeit. Dieser Eid ziele auf die freiheitlichen Grundwerte. Frau Merkel ist auch als Hauptrednerin bei einem feierlichen Gelöbnis von Rekruten am 20. Juli vorgesehen, das wie im vergangenen Jahr vor dem Reichstag abgehalten werden soll. Dabei geloben die Soldaten, „der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Dramatischer Vorfall

Der Vorfall, dessentwegen die vier Soldaten ausgezeichnet wurden, ereignete sich im Oktober vergangenen Jahres. Soldaten der Bundeswehr waren in einem Dorf in der Gegend von Kundus gegen einen Verdächtigen vorgegangen. Den Deutschen oblag dabei die Absicherung nach außen. An einem der Absperrpunkte näherte sich ein Fahrradfahrer dem Posten. Zwei Soldaten verließen ihr Fahrzeug, einen leicht geschützten „Mungo“-Lastwagen, um ihn zu kontrollieren.

Daraufhin zündete der Radfahrer eine Sprengladung am Körper und riss die beiden Soldaten mit sich in den Tod. Auch mehrere umstehende Kinder, die sich wohl kleine Gaben von den Deutschen erhofft hatten, wurden von der Explosion erfasst; vier waren sofort tot. Der Mungo geriet in Flammen, Munition darin explodierte. Die vier nun ausgezeichneten Soldaten, die zuvor einen anderen Posten besetzt hatten, eilten hinzu und leisteten Soforthilfe. Dabei sei man wegen der explodierenden Munition sich nicht sicher gewesen, ob man nicht beschossen werde, berichtete Hauptfeldwebel Lukacs.

Unterdessen wurden in der Provinz Kundus, wie Nachrichtenagenturen meldeten, vier amerikanische Soldaten durch einen Sprengsatz getötet. Sie seien eingesetzt gewesen, um afghanische Polizisten auszubilden. Drei britische Soldaten wurden in der Süd-Provinz Helmand durch Bombenangriffe getötet.

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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