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AfD und Neue Rechte : Wie sich Rechtspopulisten zu Widerstandskämpfern stilisieren

  • -Aktualisiert am

Symbolpolitik: Die Wirmer-Flagge auf einer Pegida-Demonstration im Februar Bild: dpa

Die AfD und die Neue Rechte versuchen den Widerstand des 20. Juli um Graf Stauffenberg gegen das NS-Regime zu vereinnahmen. Welche Strategie verfolgen die Populisten mit dieser Instrumentalisierung?

          „Es lebe das heilige Deutschland“: So lautet die Schrift auf der Schleife des Kranzes, den die Landtagsfraktion der AfD Sachsen-Anhalt am 20. Juli dieses Jahres in Magdeburg am Denkmal für den Widerstandskämpfer Henning von Tresckow niederlegte. Tresckow, Generalmajor und Chef des Stabes der 2. Armee, gehörte zum engsten Kreis der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Versuch, Deutschland und die Welt von Adolf Hitler zu befreien, am 20. Juli 1944 scheiterte.

          Das „heilige Deutschland“ ist eine Anspielung auf die letzten Worte Stauffenbergs vor seiner Exekution durch ein Erschießungskommando im Hof des Bendlerblocks, des ehemaligen Sitzes des Oberkommandos des Heeres, der den Verschwörern als Zentrale diente. Über Stauffenbergs letzte Worte ist viel spekuliert worden. Nicht auszuschließen ist, dass er „Es lebe das geheime Deutschland!“ rief. Auch wenn der exakte Wortlaut des Vivat-Rufs Spekulation bleiben wird, war er zweifelsfrei eine Hommage an den Dichter Stefan George, den der Attentäter als „Meister“ verehrte. Stauffenberg und seine Brüder Berthold und Alexander waren Mitglieder des George-Kreises, einer Gruppe von Intellektuellen, die sich um den Dichter sammelten. Mit dem „Geheimen Deutschland“ – so auch der Titel eines George-Gedichts – verband Stauffenberg die geistige Erneuerung des Abendlandes, die von Deutschland ausgehen sollte.

          Die Verachtung der „Gleichheitslüge“

          Historiker wie Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, und Frank Bajohr, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte, vertreten den Standpunkt, dass der Einsatz der Männer des 20. Juli höchste moralische Würdigung verdiene. „Es war natürlich alles besser, als nichts zu machen“, so Frank Bajohr. Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand verweist auf die große Bedeutung des Attentats für die politische Kultur der Bundesrepublik: Dass der Kreis um Stauffenberg dem Krieg und den nationalsozialistischen Verbrechen ein Ende bereiten wollte, sei etwas, so Tuchel, das man heute uneingeschränkt als vorbildhaftes Verhalten bezeichnen könne. So verdienstvoll das Attentat auf den Diktator aber auch war, so wenig sind Stauffenbergs Pläne für eine gesellschaftliche Neuordnung mit einer Demokratie westlich-liberaler Prägung in Einklang zu bringen. Mit der Weimarer Republik assoziierten die Verschwörer Chaos und Unübersichtlichkeit. Ihnen schwebte vielmehr eine „echte Volksgemeinschaft“ vor, die sich gegen einen gesellschaftlichen Pluralismus wandte. „Das propagierte Gesellschaftsbild und die Verfassungspläne waren eben sehr weit entfernt von einer offenen demokratischen Gesellschaft“, fasst der Historiker Gerd R. Ueberschär in seinem Buch zum deutschen Widerstand gegen das NS-Regime zusammen.

          Karlheinz Weißmann, ein Vordenker der Neuen Rechten, sagte dieser Zeitung, die Vorstellung, der 20. Juli sei ein rechter Widerstand gewesen, habe eine große Rolle für die Zeitung „Junge Freiheit“ und ihr gesamtes Umfeld gespielt. „Ich habe schon mit Kommilitonen zum 20. Juli 1984 die ganze Göttinger Universität mit Plakaten eingedeckt, auf denen stand ,Es lebe das heilige Deutschland!‘“, so Weißmann. Vor allem der sogenannte Eid der Verschwörer übt auf die Neue Rechte eine große Faszination aus. Darin spricht Stauffenberg von der Verachtung der „Gleichheitslüge“ und fordert die Anerkennung der „naturgegebenen Ränge“. Dahinter verbirgt sich die Ablehnung der Gleichheitsidee der Aufklärung und der Werte der Französischen Revolution. Was Stauffenberg für den rechten Rand so attraktiv macht, sind mithin die antipluralistischen, antiliberalen und antiparlamentarischen Positionen der Verschwörer des 20. Juli.

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