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Alternative für Deutschland : Transatlantiker einer ungewohnten Sorte

Frauke Petry (l.) und Jörg Meuthen: Die AfD ist glücklich über den Wahlsieger Donald Trump. Bild: AFP

Make Germany Great Again: Die AfD freut sich über den künftigen Präsidenten Trump – und diskutiert, ob dessen Methoden als Vorbild für den eigenen Wahlkampf taugen.

          Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron geht am Mittwoch mit belegter Stimme an sein Telefon. „Ich bin heiser von den Jubelschreien seit acht Uhr heute Morgen“, sagt Bystron. Auch die Bundesvorsitzende Frauke Petry gratuliert den Amerikanern „herzlich“ und sagt, mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten hätten sich die Wähler „für den politischen Neuanfang und gegen Filz und Korruption entschieden“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Der zweite Bundesvorsitzende, Jörg Meuthen, sagt, Trumps Sieg sei ein „gutes Signal für die Welt und markiert eine Zeitenwende“. Dutzendfach äußern AfD-Funktionäre ihre Freude nach dem immergleichen Muster: Der Sieg eines Mannes, der gegen illegale Einwanderung, eine vorurteilsfreie Sprache und das Establishment gewettert hatte und der für eine Versöhnung mit Russland und die Rückbesinnung auf den Nationalstaat eingetreten war, dieser Sieg sei ein Omen für die Hoffnung, dass auch in Deutschland ein Triumph aller Nationalgesinnten und Einwanderungskritiker kommen werde.

          Bystron meint sogar, im Gesicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Trumps Wahl so etwas wie „Angst“ gesehen zu haben. „Das ist der Paradigmenwechsel. Das ist das, was die Altachtundsechziger so panisch reagieren lässt. Sie merken, ihr Zeitalter ist vorbei, das Pendel schlägt zurück. Die Entwicklung läuft schon europaweit, und wir sind in Deutschland als Letzte dran.“ Schon wenige Stunden nach der Wahlentscheidung in Amerika kursiert auf AfD-Seiten im Internet das Banner „Make Germany Great Again!“.

          AfD-Wahlkampf wie bei Trump?

          Doch es gibt am Mittwoch auch Nachdenkliche in der AfD. Sie bringt das Wahlergebnis in eine gewisse Bredouille, weil für einen Wahlkampf, wie ihn Trump in Amerika führte, in Deutschland ein ganz bestimmter Parteiflügel zuständig wäre, dessen Treiben nicht alle befürworten. Trump als politisches Vorbild zu sehen, würde für diese Funktionäre bedeuten, ihren bisherigen Versuch aufzugeben, die Partei nicht weiter in den Radikalismus abdriften zu lassen.

          Einen Vorgeschmack auf Trump’sche Parolen aus deutscher Produktion lieferte am Mittwoch zum Beispiel der Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der auf seiner Facebook-Seite an „Mr. President Donald J. Trump“ appellierte, doch ein „Zimmer“ für den schleswig-holsteinischen SPD-Vorsitzenden Ralf Stegner im Gefangenenlager Guantánamo Bay zu reservieren. Bachmann beendete seinen Eintrag mit Andeutungen, es gebe eine lange Liste mit Namen, der „Tag des Jüngsten Gerichts“ komme. Es sind Worte, wie sie von Trump stammen könnten. Und obwohl Bachmann kein AfD-Mitglied ist, wird seine Bewegung von vielen in der Partei geschätzt. Funktionäre, die Trump loben, könnten deshalb so verstanden werden, den Flügel der Radikalen zu stärken. Entsprechend differenziert argumentieren sie.

          Die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch teilt am Mittwoch mit: „Vieles von dem, was Trump im Wahlkampf gesagt hat, ist kritisch zu sehen.“ Der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Junge sagt dieser Zeitung, er glaube, ein Wahlkampf, wie ihn Trump geführt habe, sei „in Deutschland nicht durchführbar. Das ist eine Art, die ich so nicht befürworte. Manche Dinge erschrecken mich, andere Dinge finde ich gut, wie die Bereitschaft, mit Putin zu sprechen.“ Er schwanke zwischen Euphorie und Nachdenklichkeit.

          Sogar der nicht für ideologische Zurückhaltung bekannte Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, sagt dieser Zeitung, er begrüße es zwar, dass in Amerika nun „ein wertkonservativer, starker Mann das Zepter“ übernehme. Er sei aber „doch ganz froh, dass Wahlkämpfe in Deutschland etwas anders und diplomatischer geführt werden“. Wäre Trump ein deutscher Politiker, würde er als Milliardär „in seiner Position und Stellung in der Gesellschaft in der AfD nicht so wahrgenommen wie in Amerika, sondern er würde sicher kritischer betrachtet werden“.

          Die gleiche Ambivalenz ist bei Hamburgs Landesvorsitzendem Bernd Baumann zu beobachten. Im Gegensatz zu Poggenburg gehört er eher dem gemäßigten Parteiflügel an. Baumann sieht durchaus Ähnlichkeiten zwischen Trump und der AfD – etwa in der „Notwendigkeit gesicherter Grenzen“. Andere Äußerungen „von außenwirtschaftlichem Protektionismus bis zu Frauenthemen sahen wir eher kritisch“, sagte Baumann. Mancher AfD-Funktionär könnte noch von einer anderen Intuition geleitet sein. Weite Teile der Partei verbinden ihre Russland-Freundlichkeit mit einer Fundamentalkritik an Amerika. Spätestens seit der Parteispaltung im Jahr 2015 glich „Transatlantiker“ unter AfD-Funktionären einem Schimpfwort. Mit ihrer Wahl könnten die Amerikaner zumindest erreicht haben, dass AfD-Anhänger im fernen Deutschland eine ganz neue Form der Zuneigung für ihr Land entdecken.

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