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Internetstrategie : Das Bauchgefühl der AfD

AfD-Chefin Petry mit Laptop: Ihren Auftritt im Netz verantwortet Peter König. Bild: dpa

Die AfD ist auch durch ihre ausgeklügelte Internetstrategie groß geworden – dahinter steckt ein Mann aus Aschaffenburg. Wer ist Peter König?

          Um kurz nach acht am Morgen sitzt Peter König am Schreibtisch und überlegt, was er heute als Erstes postet. König scrollt durch den AfD-Pressespiegel, den ihm die Bundesgeschäftsstelle in Berlin zugeschickt hat. Bei einem Zitat von Alexander Gauland, dem Vize-Chef der Partei, bleibt er hängen: „Österreich handelt vorsorglich, Deutschland fährt auf Sicht.“ König hat gefunden, wonach er gesucht hat. Das lässt sich zuspitzen, findet König und öffnet Photoshop. Er schneidet die Silhouette Gaulands aus einem Foto, stellt sie vor einen blauen Hintergrund und fügt das Zitat ein, daneben das Parteilogo. Dazu schreibt er noch einen kurzen Text. Um 8:38 Uhr geht der Beitrag online. „Das ist die perfekte Zeit“, sagt König. Die meisten Nutzer schauen nach dem Frühstück ins soziale Netzwerk.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Peter König heißt eigentlich anders. Seinen echten Namen will er nicht in der Zeitung lesen, das ist die Bedingung für das Treffen. Der Mann Anfang 60 hat Sorge, dass „irgendwelche Kräfte“ Farbbeutel gegen die Wand seines Hauses werfen. In dem Dorf bei Aschaffenburg, in dem er mit seiner Lebensgefährtin wohnt, wissen nur wenige, dass der Familienvater für die AfD arbeitet.

          Dass er mehrmals pro Woche „mit der Frau Petry und dem Herrn Meuthen“ telefoniert, den beiden Parteivorsitzenden. Peter König ist einer der Väter der AfD, er hat sie still und heimlich im Netz groß gemacht. Der Erfolg, den die Partei heute hat, geht auch auf ihn zurück. Wer ist dieser Mann?

          „Großes zu bewegen“

          Vor drei Jahren, wenige Wochen nach der Parteigründung, stieg König in das Moderatorenteam der AfD-Seite ein. Den anderen wurde der Zeitaufwand nach der Bundestagswahl 2013 zu groß. König kümmerte sich allein um den Auftritt. Erst ehrenamtlich, neben seiner Arbeit für ein Autohaus – morgens, in der Mittagspause, nachts. Kräftezehrend war das, sagt er, aber er hatte auch das Gefühl, „Großes zu bewegen“. Aus dem Einzelhandelskaufmann wurde nach und nach ein Social-Media-Experte. Er kündigte vor zwei Jahren seine Anstellung im Autohaus und wurde von der Bundesgeschäftsstelle der AfD angestellt.

          Eine Studie der Uni Mainz kommt zu dem Ergebnis, dass das professionelle Auftreten der AfD auf eine exakte Planung und hohen Personalaufwand zurückzuführen sei. König lacht darüber, nein, er habe das ganz allein gemacht. Keine Werbeagentur oder Berater hätten ihm geholfen. Erst seit Anfang das Jahres hat König nach eigenen Angaben eine Mitarbeiterin, die die Kommentare mit ihm gemeinsam durchkämmt, sie löscht, wenn Hetze und Hass unter Posts der AfD zu finden sind. 265.000 Menschen haben bei der AfD inzwischen „Gefällt mir“ gedrückt, mehr als bei CDU und SPD zusammen. Wenn diese Menschen Facebook öffnen, sehen sie unter den Urlaubsfotos von Freunden die Nachrichten, die König ausgesucht und veröffentlicht hat. Sie sehen: die Standpunkte der AfD. In Hochphasen erreichen die Beiträge bis zu 3,7 Millionen Menschen.

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