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AfD : Drohungen, Verleumdungen, Unterstellungen

Glücklichere Tage: AfD-Sprecher Bernd Lucke nach der Bundestagswahl Bild: dpa

Die Führungsebene der „Alternative für Deutschland“ ergeht sich weiterhin in Stellvertreterkriegen. Die Fehde zwischen AfD-Sprecher Lucke und dem abgesetzten hessischen Landesvorsitzenden Bartz ist nur eine von vielen.

          Menschliche Entzweiungen beginnen in der „Alternative für Deutschland“ (AfD) üblicherweise mit einer E-Mail. Am 22. Dezember schrieb AfD-Sprecher Bernd Lucke um 1.33 Uhr in der Nacht eine Nachricht an den „Lieben“ Volker Bartz, Hessens damaligen AfD-Landesvorsitzenden. Er habe Informationen über ihn erhalten, schrieb Lucke. Ein gewisser „Volker Bartz“ sei von dem Medizintechnikhersteller Fresenius vor Jahren wegen Abrechnungsbetrugs entlassen worden.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Diese Information sei ihm zugespielt worden, offenbar stelle jemand „Nachforschungen“ an. „Eventuell“ sei es für Bartz besser, er zöge sich mit einer „gesichtswahrenden Äußerung“ vom Landesvorsitz zurück, ehe die Vorwürfe gravierender würden, so Lucke in der E-Mail, die dieser Zeitung vorliegt. Bartz möge bedenken, welche Auswirkungen eine „öffentliche Beschädigung“ für seine Frau und seine Kinder hätte. Lucke fettete diesen Satz – Bartz sollte die freundschaftliche Warnung vor seiner öffentlichen Demontage nicht übersehen.

          „Versteckte Drohung“

          Tatsächlich sprach Bartz mit seiner Frau. Und er entwickelte fortan die Angewohnheit, sie in seinen Repliken an Parteifreunde zu zitieren. In der AfD herrschten offenbar „Stasi-Methoden“, so die Bartz-Gemahlin. Und: „Arbeitet so nicht die Mafia?“ Den Behauptungen über seinen Weggang von Fresenius vor 24 Jahren widersprach er. „Nach einer Kontroverse mit einem Vorstandsmitglied bin ich im Oktober 1989 mit einer hohen Abfindungssumme aus dem Unternehmen Fresenius ausgeschieden“, schrieb Bartz in der Nacht zu Heiligabend an Lucke.

          „Dass Sie auch meine Frau und meine Kinder ins Spiel bringen, werte ich als versteckte Drohung, mit der Sie meinen Rücktritt erzwingen wollen.“ In einer späteren E-Mail bezeichnete er Lucke als „Diktator“ und „Führer“. Was folgte, waren jene Possierlichkeiten, mit denen die AfD seit Wochen zu kämpfen hat: Anträge auf Abwahl von Vorstandsmitgliedern, Gegenanträge, Verleumdungen, Klageandrohungen.

          Am Dienstag beschloss der AfD-Bundesvorstand, Bartz wegen „schwerwiegender Parteischädigung“ seines Amtes zu entheben. Bis ein Schiedsgericht auch seinen Parteiausschluss vollzieht, sollen seine Mitgliederrechte ruhen. Folglich wird Bartz wohl nicht auf dem Landesparteitag am 11. Januar sprechen dürfen.

          Bartz bezeichnete Lucke als „Diktator“ und „Führer“

          Wahrscheinlich hätte er dort seinen Kassenprüfungsbericht verlesen wollen, in dem er eine Strafanzeige gegen frühere Mitglieder des Landesvorstands vorschlägt, weil diese 6650 Euro aus der Parteikasse unterschlagen haben sollen. Die Betroffenen bestreiten das. Bartz kämpft weiter. Seine Amtsenthebung sei nichtig, sagt er. Der Bundesvorstand sei nicht beschlussfähig, weil diesem – im Widerspruch zur Parteisatzung – derzeit statt drei Beisitzern nur einer angehöre.

          Die Fehde zwischen Lucke und Bartz ist nur einer von vielen Stellvertreterkriegen, die AfD-Funktionäre in diesen Tagen gegeneinander führen. In Parteikreisen wird sie als Richtungskampf zwischen Pragmatikern und Ideologen beschrieben. Auf der einen Seite stehen jene Wirtschaftswissenschaftler, deren nüchterne Sorge dem europäischen Wirtschaftsgefüge gilt, auf der anderen Seite national-liberale Aktivisten, in deren ideologischem Milieu sich die Ablehnung von Hilfspaketen an südeuropäische Euroländer mit radikaler Einwanderungskritik und Homophobie verbindet.

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