http://www.faz.net/-gpf-92e9k

Umstrittener AfD-Mann Glaser : „Ich bin ein Musterdemokrat“

  • Aktualisiert am

Albrecht Glaser, damaliger stellvertretender Parteisprecher der AfD, im Mai vor Beginn einer Verhandlung am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Bild: dpa

Fast alle im Bundestag vertretenen Parteien wollen Albrecht Glaser wegen dessen Haltung zum Islam nicht in das Bundestagspräsidium wählen. Der AfD-Politiker verteidigt sich – und bekommt Unterstützung von Fraktionschef Gauland.

          Die AfD besteht trotz der massiven Bedenken bei SPD, FDP, Linkspartei und Grünen auf ihren Kandidaten Albrecht Glaser für das Bundestagspräsidium. Die AfD halte an Glaser fest, sagte der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Meinung von Herrn Glaser sind wir alle. Von daher ist das völlig klar“, erklärte er mit Blick auf Äußerungen Glasers, der den Islam als politische Ideologie bezeichnet hatte und in ihm keine Religion sieht. Glaser hatte zudem erklärt, man könne nicht zwischen Muslimen und Islamisten unterscheiden.

          Die Spitzenkandidaten der Linken und der Grünen, Dietmar Bartsch und Cem Özdemir, hatten wegen dieser Äußerungen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angekündigt, Glaser nicht ins Bundestags-Präsidium zu wählen. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter von SPD und FDP.

          Gauland machte sich die von Glaser vertretene Einschätzung des Islam zu eigen: „Ob ich das jetzt Ideologie nenne oder eine Religion, die in keiner Weise mit dem Grundgesetz vereinbar ist, das ist ziemlich gleich.“ Dies sei in der Fraktion Konsens: „In der Bewertung sehen wir das alle so wie Herr Glaser.“

          Wie eine Lösung in dem Personalstreit aussehen könne, sagte Gauland nicht. Jede Fraktion im Bundestag hat nach der bisherigen Geschäftsordnung das Recht auf einen Vizepräsidenten. Allerdings müssen die Kandidaten mit einfacher Mehrheit gewählt werden – dazu braucht die AfD Stimmen aus anderen Fraktionen.

          Vor zwölf Jahren scheiterte die Linke mehrmals mit der Wahl ihres damaligen Parteichefs Lothar Bisky zum Bundestags-Vizepräsidenten. Schließlich nominierte sie Petra Pau, die seitdem Vizepräsidentin ist. Zur Frage, ob eine ähnliche Lösung auch im derzeitigen Personalstreit möglich sei, antwortete Gauland: „Kann ich nicht sagen, ist mir alles viel zu früh.“

          Glaser selbst sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag, die Aufregung um seine früheren Äußerungen über den Islam halte er für „ein politisches Spiel, mit dem Ziel, die AfD herauszuhalten“. Ein ähnliches Vorgehen der anderen Parteien erwarte er auch bei der Besetzung der Ausschüsse. „Ich bin ein Musterdemokrat“, betonte Glaser.

          Bundestagswahl : Aufstieg der Rechtspopulisten in Deutschland

          Weitere Themen

          Kommen Diesel-Fahrverbote? Video-Seite öffnen

          Verkehrspolitik : Kommen Diesel-Fahrverbote?

          Für die einen geht es um saubere Luft und Gesundheit, die anderen fürchten um die Wirtschaft in Innenstädten: Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet, ob Länder und Kommunen Fahrverbote für bestimmte Autos verhängen dürfen.

          Die „Hölle auf Erden“ Video-Seite öffnen

          Guterres über Ost-Ghuta : Die „Hölle auf Erden“

          Angesichts der Luftangriffe der syrischen Regierung auf die Region Ost-Ghuta hat UN-Generalsekretär António Guterres einen dramatischen Appell an Baschar al-Assad gerichtet. Die Zahl der Toten steigt immer weiter.

          Topmeldungen

          Entschärfte Bombe am Gallus

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Die Zukunft des Diesel : Zwingt das EU-Recht zu Fahrverboten?

          Wird der Streit um Fahrverbote für saubere Luft womöglich in Luxemburg entschieden? FAZ.NET hat die wichtigsten Punkte aus der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht zusammengefasst.

          Neues Formel-1-Auto : Mercedes und ein „Kunstwerk“ auf vier Rädern

          Die Formel 1 präsentiert ihre Autos für 2018. Auch Weltmeister-Team Mercedes zeigt den neuen Silberpfeil. Einen Schönheitswettbewerb gewinnt der Bolide nicht. Aber der Blick bleibt an einem umstrittenen Titangestell hängen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.