31.08.2010 · Hessenlied, Nationalhymne und Udo-Jürgens-Melodien: Nach elfeinhalb Jahren im Amt ist Ministerpräsident Roland Koch feierlich aus der Politik verabschiedet worden. Rund 600 Gäste nahmen an einem Empfang im Wiesbadener Schloss Biebrich teil.
Nach elfeinhalb Jahren im Amt ist Ministerpräsident Roland Koch am Montagabend feierlich aus der Landespolitik verabschiedet worden. Rund 600 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft - darunter Altbundeskanzler Helmut Kohl, Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) und der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) - nahmen am Abend an einem Empfang im Wiesbadener Schloss Biebrich teil.
Eineinhalb Stunden lang mussten Koch und seine Frau Anke Hände schütteln. Anschließend spielte ein Heeresmusikkorps im Park und umrahmt von Fackelträgern eine Serenade mit Hessenlied, Nationalhymne und einem Potpourri von Udo-Jürgens-Melodien; der österreichische Sänger gehörte ebenfalls zu den Ehrengästen.
Merkel äußerte ihr Bedauern über den Rückzug Kochs aus der Politik, auch wenn dieser sich, wie sie unter dem Gelächter der Zuhörer hinzufügte, „manchmal mehr als notwendig für die Bundespolitik interessiert“ und „Streit als Lebensform“ kultiviert habe. Koch sei immer an der Sache orientiert gewesen, und er habe „nie um den heißen Brei herumgeredet“.
„Die Wunden bitte ich zu entschuldigen“
Der scheidende Regierungschef bekannte sich dazu, Politik „mit Haut und Haaren“ betrieben und nicht nur Spuren, sondern auch Furchen und Narben hinterlassen zu haben. „Die Wunden bitte ich zu entschuldigen.“ Ganz besonders dankte er seiner Frau. Sie sei „der kritische Geist“ in seiner Umgebung gewesen, „mehr als alle anderen, die es vielleicht glaubten zu sein“. Der 52 Jahre alte CDU-Politiker tritt heute als Ministerpräsident zurück.
Volker Bouffier (CDU) soll an diesem Dienstag zum neuen Ministerpräsidenten und Nachfolger von Koch gewählt werden. Dazu kommt der Landtag in Wiesbaden zu einer Sondersitzung zusammen, die mit Kochs offizieller Rücktrittserklärung beginnt. Für die Wahl des Regierungschefs haben CDU und FDP eine komfortable Mehrheit von 66 der 118 Abgeordneten.