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Veröffentlicht: 18.06.2017, 09:18 Uhr

Abschied von Helmut Kohl Staatsakt in Straßburg und öffentliche Totenmesse in Speyer

Helmut Kohl soll als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt werden. Danach soll Kohls Leichnam mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden, dort ist eine öffentlich zugängliche Totenmesse im Dom geplant.

© dapd Der Bischof des Bistums Speyer, Karl-Heinz Wiesemann (r.), begrüßt Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter - im Jahr 2011 im Dom

Die Pläne für einen gebührenden Abschied von Altkanzler Helmut Kohl nehmen allmählich Gestalt an. Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Dieser ist nach Angaben der „Bild am Sonntag“ in Straßburg vorgesehen.

„Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen“, sagte Juncker der Zeitung. „Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde.“ Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird.

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Der langjährige Bundeskanzler und Wegbereiter der Wiedervereinigung war am Freitagmorgen im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Luwdwigshafen gestorben.

Öffentliche Totenmesse in Speyer

Nach dem Staatsakt solle Kohls Leichnam mit dem Schiff über den Rhein in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden, wo eine öffentlich zugängliche Totenmesse im Dom geplant sei, berichtet die „Bild am Sonntag“ weiter. Danach werde der engste Familien- und Freundeskreis in der Traukapelle im Adenauerpark in Speyer Abschied von Kohl nehmen. Ein genaues Datum hierfür wurde jedoch nicht genannt. Bis zum geplanten Staatsakt soll Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim aufgebahrt bleiben.

47034546 © Kien Hoang Le Vergrößern Der Dom zu Speyer

Entscheidungen seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Mainzer Staatskanzlei und dem Bundespräsidialamt in Berlin. Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn ein solcher Staatsakt in Kohls Heimat stattfinden würde, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend im ZDF. „Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat.“

Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen wird in ganz Deutschland an Kohl erinnert. Die CDU legte in ihrer Zentrale in Berlin ein Kondolenzbuch aus und richtete ein weiteres im Internet ein. Von Sonntag an liegt auch im Bundeskanzleramt ein Kondolenzbuch aus, ebenso wie in der Mainzer Staatskanzlei.

Nationalmannschaft spielt mit Trauerflor

Der frühere SPD- Vorsitzende und -Kanzlerkandidat Rudolf Scharping plädierte in der „Welt am Sonntag“ dafür, Straßen und Plätze nach Helmut Kohl zu benennen. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Montag mit Genehmigung der FIFA beim Auftaktspiel zum Confederations Cup gegen Australien mit Trauerflor spielen.

Im Gedenken an Kohl versammelten sich am Samstagabend etwa 150 bis 200 Mitglieder der Jungen Union vor dem Wohnhaus des Altkanzlers in Ludwigshafen. Die aus ganz Deutschland angereisten Vertreter der CDU-Nachwuchsorganisation legten Blumen, Kränze und Kerzen vor dem Bungalow im Stadtteil Oggersheim nieder.

© reuters Trauer um Helmut Kohl von Oggersheim bis in den Vatikan

Politiker aus dem In- und Ausland ehrten Kohl als großen Staatsmann und würdigten seine Verdienste um die Deutsche Einheit und Europa. Der CDU-Politiker hatte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 mit den Staats- und Regierungschefs Russlands, der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs die Bedingungen für die Deutsche Einheit ausgehandelt. Er gilt als Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Kohl am Freitag als „großen Europäer“ und als „Glücksfall für uns Deutsche“ bezeichnet. Die Nachricht von Kohls Tod erreichte die Regierungschefin während eines Besuches in Rom. Dort traf sie am Samstag Papst Franziskus. Nach einer Privataudienz im Vatikan sagte Merkel, der Papst habe seine Anteilnahme ausgedrückt und Kohl als „großen Staatsmann“ gewürdigt.

Quelle: wahlrecht.de
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