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Abrechnung mit den Genossen Beck kritisiert „Halbverrückte“ in der SPD

24.09.2008 ·  Kurt Beck ist noch lange nicht fertig. Immer schonungsloser kritisiert der zurückgetretene SPD-Chef seine Partei. Altkanzler Gerhard Schröder widersprach dem Vorwurf, er sei an einer Intrige gegen Beck beteiligt gewesen: „Das ist Quatsch.“

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Der zurückgetretene SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat sich wieder mit Kritik am Umgang in seiner Partei und der neuen Führung zu Wort gemeldet. „Wir duzen uns, wir nennen uns Genossen, aber wir verhalten uns nicht so“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident dem Magazin „Stern“. Er warf Parteifreunden abermals mangelnde Loyalität.

Während seiner Amtszeit hätten ihm „manche Parteifreunde Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt“, sagte Beck. Am Ende habe er als Parteivorsitzender eine „unerfüllbare Mission“ gehabt. Er hoffe, „dass die nächsten Parteiführungen die Chance haben, vernünftig zu arbeiten und Konflikte offen auszutragen“. Die Arbeit dürfe nicht von „Halbverrückten kaputtgemacht werden“.

Verhältnis zu Müntefering schwer beschädigt

In dem Interview gibt Beck seinem designierten Nachfolger Franz Müntefering und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier indirekt eine Mitschuld an seinem Sturz. „Ich weiß nicht, ob mein Rücktritt beabsichtigt war oder nur in Kauf genommen wurde“, sagte Beck. Bei ihrem Treffen zu dritt wenige Tage zuvor, sei das Entscheidende möglicherweise nicht ausgesprochen worden. Unmittelbarer Auslöser für Becks Rücktritt waren Medienberichte am Vorabend der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur Steinmeiers, die Beck als Getriebenen darstellten, der sich dem Machtanspruch seines Stellvertreters beugen musste.

Verantwortlich für diese Darstellungen seien „Leute in der zweiten Reihe, die versuchen, den vermeintlichen Willen der ersten Reihe zu exekutieren“, sagte Beck. Gefragt, ob er sich von Steinmeier ausgetrickst fühle, antwortete er: „Nicht so sehr von ihm.“ Das Verhältnis zu seinem designierten Nachfolger Franz Müntefering sieht Beck auch nach ihrem Treffen am vergangenen Freitag schwer beschädigt. „Mehr als dass man miteinander anständig und ordentlich reden kann, hat es nicht gebracht.“

Beck will keine „geheuchelten Bilder“

Beck war bereits am Montag mit Müntefering hart ins Gericht gegangen. In vorab veröffentlichten Auszügen seiner Autobiografie „Ein Sozialdemokrat“ hatte er Müntefering unzureichende Kooperation und Mangel an sozialdemokratischem Profilierungswillen als Vizekanzler vorgeworfen. Müntefering zeigte Verständnis für die Buchdarstellung. Die Vorgänge um den Rücktritt Becks trügen zu respektierende „menschliche Seiten“. Deshalb sei er „voller Gelassenheit“.

Beck bestätigte, dass er nicht am SPD-Sonderparteitag am 18. Oktober in Berlin teilnehmen werde, auf dem Müntefering zum SPD-Vorsitzenden gewählt werden soll. „Ich will vor allem nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten. Dafür ist mir alles noch zu nah.“

„An den Grenzen der physischen Kraft“

Seinen Rücktritt sieht Beck auch im Nachhinein als richtig an. „Man kann in diesem Geschäft viele Angriffe ertragen, aber wenn es an die Substanz geht, darf man nicht an dem Amt hängen“, sagte er. Er habe sich nicht vorstellen können, „mal an die Grenzen der psychischen Kraft“ zu kommen. Auf die Frage, ob Politik krank machen könne, antwortete Beck: „Ich bin sicher.“

Einem Teil seiner Kritiker in Politik und Publizistik warf er „Maßlosigkeit“ und „dümmliche Arroganz“ vor. Zum Spott über sein Äußeres sagte der SPD-Politiker: „Wenn das über eine Frau gesagt oder geschrieben worden wäre, wäre es blanker Sexismus gewesen.“

Schröder: „Intrige? Das ist Quatsch“

Indes hat der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder den Verdacht zurückgewiesen, er habe zum Amtsverzicht des SPD-Vorsitzenden beigetragen. „Intrige? Das ist Quatsch“, sagte Schröder der Wochenzeitung „Die Zeit“. Am Tag des Führungswechsels habe er die Ereignisse mit seiner Frau im Fernsehen verfolgt. „Und wir wussten nicht, was los ist.“ Erst drei Tage nach Becks Rücktritt habe er mit dem „Spiegel“ über die Vorgänge in der SPD gesprochen. „Zu dem Zeitpunkt war die Messe am Schwielowsee bereits gelesen“, sagte Schröder.

Beck schreibt jedoch in seinem Buch, über die „Kandidatenfrage“ sei vor der offiziellen Verkündung in Einzelheiten berichtet worden, „die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen“. Schröder zeigte sich über diese Darstellung verwundert und verwies auf einen an ihn gerichteten Brief Becks vom 10. September. Von einer Spur, die auf ihn verweise, sei darin nicht die Rede. Vielmehr dankte Beck „für die Unterstützung und den Rat“.

Vehement widerspricht der Altkanzler zudem Vermutungen über seine Rückkehr auf die politische Bühne. Die „operative Politik ist vorbei, für alle Zeiten definitiv“, sagte Schröder, „auch wenn es der wichtigste Teil meines beruflichen Lebens war“. In den Bundestagswahlkampf werde er nur sehr zurückhaltend eingreifen. Wenn jemand Rat haben wolle, bekäme er ihn, „aber ich dränge mich keinem auf“.

Quelle: FAZ.NET mit DPA und Reuters
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