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Abgeschobener Salafist : Radikal zumindest in Worten und Posen

Junge Sympathisanten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus Kempten im Allgäu Bild: Privat

Bayern schiebt einen jungen Salafisten in die Türkei ab. Er hatte angekündigt, notfalls seine Familie töten zu wollen. Doch wie gefährlich er wirklich ist, bleibt unklar.

          Über den Salafisten Erhan A., der am Freitag in die Türkei abgeschoben wurde, kursieren unterschiedliche Darstellungen. In bayerischen Sicherheitskreisen wird dem 22 Jahre alten Mann ein hohe Gefährlichkeit bescheinigt. Erhan A., der sich im Internet Abdul Aziz At-Turki nennt, habe versucht, junge Menschen für den Dschihad und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu begeistern. Nur durch eine Abschiebung hätten die deutsche Sicherheitsinteressen gewahrt werden können. Andere halten Erhan A. für einen Mann, dessen Radikalität sich in Worten und Posen erschöpft.

          Albert Schäffer

          Politischer Korrespondent in München.

          Einer größeren Öffentlichkeit wurde Erhan A. Anfang dieses Monats durch ein Interview bekannt, in dem er sagte, er würde auch seine Familie töten, wenn sie sich gegen den IS stelle. „Wir kämpfen so lange, bis der ganze Planet islamisch ist“, sagte er weiter. Nach dem Interview wurde er in Abschiebehaft genommen. In Sicherheitskreisen heißt es, er sei aber schon zuvor im Fokus der Ermittler gestanden, insbesondere wegen seiner Kontakte zu militanten Salafisten, darunter einem deutschen Konvertiten, der sich dem IS angeschlossen hatte und in Syrien getötet wurde.

          Erhan A. ist in der Türkei geboren worden. Im Alter von zwei Jahren kam er mit seinen Eltern ins Allgäu und wuchs in Kempten auf. Nach dem Abitur begann er mit einem Studium der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Kempten. Es gibt nur vereinzelte Hinweise, wie es dazu kam, dass aus einem jungen Mann, der nach seiner Biographie gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben in Deutschland hatte, ein radikaler Salafist wurde. Er sprach davon, dass er keinen „Euro-Fake-Islam“ wie seine Eltern leben wollte und „konvertiert“ sei. In den Moscheegemeinden in Kempten seien er und seine Freunde danach nicht erwünscht gewesen.

          Auf seiner Facebook-Seite verkürzte er seine Biographie drastisch. Es wurde nur noch sein Geburtsort Kayseri in der Türkei angegeben; als Ausbildung wurden Internetseiten über den Islam angegeben, als Arbeit „Diener“ Allahs. Seine Facebook-Einträge waren wenig konsistent; Zitate aus dem Koran wechselte mit Katzenbilder. Unter einem Bild eines Tiers, das auf der Straße überfahren wurde, stand, Geisterfahrer seien schlimmer als der „Islamische Staat.“ Einerseits posierte er als Kämpfer für den Islam mit einem schwarzen Kapuzenpullover, auf dem das islamische Glaubensbekenntnisse gedruckt ist. Andererseits schilderte er sich als „harmloser schmächtiger junge der niemanden was antun kann, daher voll lächerlich das man mich als gefährlich einstuft.“ Auf Youtube wiederum beschimpft er in einem Video minutenlang Yeziden, weil diese den Teufel anbeteten: „Ich hasse Euch.“

          Erhan A. versuchte nach eigenen Angaben vergeblich, über die Türkei nach Syrien zu gelangen. Danach musste er in Deutschland seinen Pass abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden, um einen weiteren Ausreiseversuch zu verhindern. Mit der Abschiebung, die auf präventive Ausweisungstatbestände des Aufenthaltsgesetzes gestützt wurde, änderten die bayerischen Sicherheitsbehörden diese Linie. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht jetzt die Türkei in der Verantwortung; er vertraue darauf, dass in der Türkei alles dafür getan werde, „die Teilnahme ihres türkischen Staatsbürgers am Kampf der IS zu verhindern.“

          Quelle: F.A.Z.

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