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AfD-Demo in Rostock : AfD-Politiker vergleicht Integration mit „Völkermord“

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In Rostock demonstrieren 4000 Menschen gegen eine Kundgebung der AfD, an der auch Björn Höcke teilnahm. Bild: dpa

In Rostock demonstrieren 600 AfD-Anhänger, 4000 Menschen gegen sie. Björn Höcke wird in seiner Rede von lauter Jazz-Musik übertönt. Ein Kreispolitiker fährt harte Töne gegen die Kirche auf.

          In der Rostocker Innenstadt haben sich nach Polizeiangaben etwa 4000 Menschen einer Demonstration von 600 Anhängern der AfD friedlich entgegengestellt. Die Partei hatte zu der Demonstration unter dem Motto „Für unser Land und unsere Kinder“ aufgerufen. Da der Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke als Redner erwartet wurde, lag eine besondere Brisanz auf der Kundgebung. Die Polizei war mit einem ungewöhnlich starken Aufgebot vertreten. Dazu zählten außer vielen Hundert Polizisten auch Hubschrauber, mehrere Wasserwerfer und zwei Pferdestaffeln.

          Höcke sagte am Abend: „Heimat verliert man nicht nur durch Flucht und Vertreibung, sondern auch, wenn man zur Minderheit im eigenen Land wird.“ Dass die Demonstration der AfD aufgehalten wurde, bezeichnete er als „Skandal“. Seine Partei stehe für Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Zuvor waren die AfD-Anhänger vom Neuen Markt aus durch die Innenstadt gezogen. Nach etwa zwei Kilometern aber wurde der Zug schon durch eine Blockade gestoppt, die AfD musste den Weg zum Markt zurück antreten. Dort stieß auch erst Björn Höcke dazu.

          Der AfD-Politiker musste nach der Hälfte seiner Rede auf ein Megafon zurückgreifen, da die Lautsprecheranlage versagte. Da aus einer Wohnung am anderen Ende des Platzes laute Jazz-Musik ertönte, konnten seine Worte fortan kaum noch vernommen werden. Ohne weitere Interviews zu geben stieg er anschließend wieder in ein Auto und ließ sich vom Neuen Markt wegfahren.

          Schon vor dem Umzug hatte es eine Kundgebung auf dem Neuen Markt gegeben. Dennis Augustin, der den Landesvorstand der AfD in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit Leif-Erik Holm führt, bezeichnete Flüchtlinge als „raum- und kulturfremde Menschen“ und sprach von einem „Bevölkerungsaustausch mit der Holzhammermethode“. Außerdem nahm er Bezug auf Forderungen, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Hierin zeige sich die „Fratze der Diktatur“. Steffen Reinicke aus dem Rostocker Kreisvorstand der AfD kritisierte wiederum die Kirchen wegen ihres Engagements für Flüchtlinge: „Es ist nicht das Blut von Jesus, sondern das Blut der Messeropfer, das ihr täglich sauft.“ Integration bezeichnete er als „Völkermord an Deutschland“.

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