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Aktualisiert: 20.03.2017, 19:31 Uhr

Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ Für etwas sein – nicht immer dagegen

Die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ wächst: In 60 Städten und acht europäischen Ländern gehen die Menschen mittlerweile für Europa auf die Straße. Viele kommen jeden Sonntag wieder. Warum?

von Florentine Fendrich und Lisa Muckelberg, Frankfurt
© Maximilian von Lachner Auf dem Goetheplatz in Frankfurt sind die blauen Europaflaggen allgegenwärtig.

Es ist kurz nach zwölf Uhr. Graue Wolken trüben den Himmel über dem Frankfurter Goetheplatz, nur vereinzelt sind ein paar Menschen unterwegs. Am einen Ende des Platzes bauen zwei Männer in schwarzen T-Shirts eine Bühne auf, zu ihrer Rechten steht ein roter Transporter, eine einzelne blaue Europaflagge hängt über seinem Dach. Insgesamt nur wenige Anzeichen dafür, dass hier in zwei Stunden eine Kundgebung stattfinden soll, zu der etwa 5000 Menschen erwartet werden.

Erst zwei Stunden später füllt sich der Platz plötzlich schlagartig: Aus den anliegenden Straßen und U-Bahnstationen kommen Hunderte Menschen herbei, viele von ihnen tragen Blau und noch mehr Europa-Flaggen – eng um den Körper geschlungen, locker über den Rücken wehend oder an langen Holzstäben über dem Kopf getragen. Beliebt sind auch blaue Hüte und blaue Regenschirme. Auch wenn die Menschen dem Wetter nicht trauen, sind sie trotzdem gekommen, viele schon zum wiederholten Mal. An diesem Sonntag werden es am Ende 3000 sein.

© Maximilian von Lachner, F.A.Z. „Pulse of Europe“ singen neue Version der Europa-Hymne

Der Goetheplatz ist in Frankfurt der zentrale Treffpunkt für die Unterstützer der Organisation „Pulse of Europe“. Seit Mitte Januar versammeln sich hier jeden Sonntag um 14 Uhr Menschen, die zeigen wollen, dass sie die Idee der Europäischen Union unterstützen und sich eine starke Staatengemeinschaft wünschen. Zu den ersten Menschen, die sich auf dem Platz einfinden, gehört eine Grundschullehrerin. Ihr dreijähriger Sohn dreht mit dem Fahrrad, an dem ein kleines Europafähnchen steckt, wilde Runden über den Platz. Ihre beiden Töchter sind ebenfalls da. „Ich habe vor ein paar Monaten ein Bild gesehen, das mich berührt hat“, erzählt sie. „Ein Kind fragt seinen Vater ‚Papi, was hast du eigentlich 2017 gemacht?‘ In diesem Moment dachte ich, dass meine Kinder mir diese Frage irgendwann auch einmal stellen könnten. Deshalb bin ich jetzt hier, um Präsenz zu zeigen und für das einzustehen, was ich gut finde.“

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Die 41-Jährige hat schon die Anfänge von Pulse of Europe miterlebt. Im November 2016 erreichte sie eine E-Mail von Sabine und Daniel Röder, in der die beiden ihre Freunde und Bekannten dazu aufriefen, für ein vereinigtes Europa auf die Straße zu gehen. „Wir saßen mit den Röders zum Abendessen zusammen, einen Tag, nachdem die E-Mail eingetrudelt war, und sie haben uns von der ,Pulse of Europe'-Idee erzählt. Wir fanden das super.“  Der Schock über den Brexit und die Wahl von Donald Trump hatte bei den Röders den Wunsch hervorgerufen, noch vor den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich etwas zu bewirken. 150 Leute waren damals der Aufforderung des Anwaltsehepaars gefolgt: An einem verregneten Sonntag im November trafen sie sich erstmals auf dem Pariser Platz im Frankfurter Europaviertel.

 
Am Sonntag war wieder @pulseofeurope in Frankfurt. Warum demonstrieren 3000 Menschen für Europa?

Seitdem hat sich viel getan: Mittlerweile besteht das Frankfurter Organisationsteam aus acht Personen, seit der ersten großen Kundgebung im Januar ist die Anzahl der Teilnehmer von 400 etwa um das Zehnfache angestiegen. Mit einem solchen Erfolg hatte niemand gerechnet. Mit der wachsenden Größe habe sich aber das Wesen von Pulse of Europe nicht verändert, betont Initiator Daniel Röder. „An der Veranstaltung sind keine Großsponsoren beteiligt, wir sind nach wie vor eine Bürgerbewegung, die vom Engagement vieler Einzelner getragen wird.“ Pulse of Europe soll überparteilich sein, in den Komitees dürfen keine Politiker sitzen.

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Quelle: wahlrecht.de
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