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3,3 Milliarden Euro : Erzbistum München gewährt Einblick in gesamtes Vermögen

Hohes Immobilienvermögen: die Frauenkirche in München Bild: dpa

Erstmals gibt das Erzbistum München und Freising einen vollständigen Überblick über sein Vermögen von 3,3 Milliarden Euro. Allerdings stehen dem auch erhebliche Verpflichtungen gegenüber.

          Nach einer mehr als zwei Jahre dauernden Umstellung der Rechnungslegung auf die sogenannte Doppik hat das Erzbistum München und Freising am Vormittag erstmals einen vollständigen Überblick über seine Vermögensverhältnisse vorlegt. Die Bilanzsumme des etwa 1,7 Millionen Katholiken zählenden Erzbistums, die erstmals nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuchs (HGB) für große Kapitalgesellschaften ermittelt wurde, betrug demnach am Stichtag 31. Dezember 2015 annähernd 3,3 Milliarden Euro.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Das Erzbistum Paderborn (1,5 Millionen Katholiken) hatte seine Vermögenswerte im vergangenen Jahr mit 4,01 Milliarden Euro angegeben, das Erzbistum Köln (zwei Millionen Katholiken) mit 3,35 Milliarden. Die Jahresabschlüsse sind, wie es in der katholischen Kirche inzwischen Regel ist, von unabhängigen Wirtschaftsprüfern vollumfänglich testiert.

          Den Vermögenswerten des Erzbistums, im Wesentlichen Finanz- (1,4 Milliarden) und Sachanlagen (1,2 Milliarden), stehen erhebliche Verpflichtungen gegenüber. Die größten Posten bilden die Rückstellungen für die Pensionsverpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern (477 Millionen) sowie zweckgebundene Rücklagen, etwa für den Erhalt und Unterhalt von rund 6000 Immobilien, für die das Erzbistum unmittel- oder mittelbar verantwortlich ist (2,6 Milliarden). Das Aufkommen aus der Kirchensteuer – im Jahr 2015 rund 570 Millionen Euro - dient hingegen in erster Linie der Finanzierung der Personal- und Sachkosten, die bei der Erfüllung der kirchlichen Aufgaben in der Seelsorge, der Verkündigung und der Bildung sowie der Caritas anfallen. 

          Mittelfristig rechnet das von Reinhard Kardinal Marx geleitete Erzbistum mit einem erheblichen Rückgang der Zahl der Kirchenmitglieder. Begründet wird diese Abnahme im wesentlichen mit der demographischen Entwicklung der Bevölkerung. Hinzu kommt einer mutmaßlich weiterhin hohe, wenn nicht steigenden Zahl an Kirchenaustritten - im Jahr 2014 kehrten 20500 Katholiken dem Erzbistum durch Austritt den Rücken, mehr als in jedem anderen (Erz)Bistum in Deutschland. Beide Faktoren dürften das das Aufkommen aus der Kirchensteuer, das allen Kirchenaustritten zum Trotz wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung noch immer zunimmt, in absehbarer Zeit deutlich schrumpfen lassen. Mit der Jahresbilanz sollte daher nicht nur ein Höchstmaß an Transparenz über die Vermögensverhältnisse der Kirche geschaffen werden. Das Zahlenwerk gibt darüber hinaus auch erkennen, wie sich das Erzbistum eine nachhaltige Finanzierung der kirchlichen Aufgaben vorstellt.

          Eröffnet worden war die Bilanz zum Stichtag 1. Januar 2015 noch mit einer Summe aus Immobilienvermögen, Anlagevermögen, Wertpapieren sowie Kassenbeständen und Guthaben in Höhe von 4,606 Milliarden Euro. Dieser Betrag wurde im vergangenen Jahr gezielt um 1,3 Milliarden Euro auf nunmehr 3,3 Milliarden verringert. Hinter dieser Transaktion steht eine in der katholischen Kirche in Deutschland bislang einmalige Neuausrichtung des Umgangs mit kirchlichem Vermögen, die maßgeblich von dem Münchner Generalvikar Peter Beer vorangetrieben wurde: Um die Finanzierung der drei kirchlichen Kernaufgaben Verkündigung, Bildung und und Caritas von den Schwankungen des Aufkommens aus der Kirchensteuer unabhängiger zu machen und damit langfristig zu sichern, hat das Erzbistum diesen Aufgabenfeldern drei Stiftungen zugeordnet und diese als selbständige Rechtsträger im vergangenen Jahr mit insgesamt mehr als einer Milliarde Euro ausgestattet.

          Mit dieser Konstruktion ist dafür gesorgt, dass das überschüssige, nicht zweckgebundene Kapital der Verfügung des Erzbistums auf Dauer entzogen ist. Geleitet werden die Stiftungen von einem Stiftungsrat, in dem sachkundigen und unabhängige Fachleute wie der Finanzvorstand der Linde AG, Sven Schneider, die Mehrheit haben. Die Erträge der Stiftungen wiederum fließen vollständig dem Haushalt des Erzbistums zu. Jedoch sind sie zweckgebunden, worüber der überwiegend aus gewählten Mitgliedern bestehende Diözesansteuerausschuss wachen muss. In wirtschaftlich guten Zeiten, so wurde am Montag berichtet, wolle das Erzbistum weitere Zustiftungen leisten anstatt Nachtragshaushalte aufzustellen. Gerne gesehen seien jedoch auch Privatpersonen oder Unternehmen, die sich als Stifter betätigen wollten.

          Neben der Entwicklung einer neuen Finanzarchitektur das Erzbistum im vergangenen und in diesem Jahr einen Arbeits- und Ausgabenschwerpunkt in der Flüchtlingsarbeit gesetzt. Alleine das Erzbistum hat ein Sonderbudget in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro eingerichtet. Hinzu kommen Unterkunftsmöglichkeiten für fast 1500 Flüchtlinge in kirchlichen Einrichtungen, die bis auf die Betriebskosten ohne Entgelt zu Verfügung gestellt werden. Der Caritasverband wiederum hat in vielen Landkreisen und in der Stadt München die Asylberatung übernommen. Ein Drittel der Kosten wird als Eigenmittelanteil aus Kirchensteuern finanziert. Bildungseinrichtungen und kirchliche Fachverbände engagieren sich für die Bildung und Qualifizierung von Asylbewerbern, etwa 20 kirchliche Mitarbeiter koordinieren die Arbeit tausende Ehrenamtlicher. Stark gewachsen, so heißt es ebenfalls in dem Jahresbericht, seien seit dem Eintreffen christlicher Flüchtlinge die christlichen Gemeinden, die nicht der römisch-katholischen Kirche, sondern einer orientalischen angehören. Diesen Christen böten katholische Pfarreien verstärkt Räume für Gottesdienste und Begegnung an.

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