07.03.2011 · Politik ist die Chance für Leute, die nicht gut aussehen und weder singen noch tanzen können, sehr, sehr prominent zu werden. Wenn sie dann auch noch - wie Guttenberg - gut aussehen, singen und tanzen, sind sie kaum aufzuhalten. Bis sie an sich selber scheitern.
Von Volker ZastrowRichtlinien für Lesermeinungen
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Herr Zastrow, Ihr Text hat bei mir zu einer Premiere geführt: Zum ersten Mal habe ich einen Text über das von mir eigentlich verhasste Facebook 'geteilt'. Von allen Texten, die ich in den letzten Wochen über die causa Guttenberg gelesen habe, war Ihr Beitrag der mit Abstand beste. Die FAZ/FAS hat in diesen Wochen die Fahne des herausragenden Qualitätsjournalismus hochgehalten und mit dazu beigetragen, dass sich die Achse der Republik nicht bedenklich verschiebt. Was die konservative Gesinnung und die Haltung zu Guttenberg angeht, habe ich bisher selten so merkwürdige Fronten erlebt: alte CDU-Stammwähler, die fassungslos vor Guttenbergs Verhalten und der Bagatellisierung standen, und Grünen-Freunde, die um den 'Kennedy' der deutschen Politik trauerten. Auch deshalb hinterlässt diese Auseinandersetzung einen bitteren, merkwürdigen und nachdenkenswerten Nachgeschmack.
Ihr Einfall, die Guttenbergs als Ken und Barbie durch das Blatt geistern zu lassen, war übrigens großartig.
Ein super Artikel, den man mehrmals lesen kann.
Hinfallen und aufstehen - überprüfen warum gefallen - aufstehen und besser oder anders machen - mit Ehrlichkeit im Rücken geht das gut.
Hinfallen und sich in Lügen verwickeln macht das Aufstehen schwer - erst recht das aufrechte Weitergehen.
Gut, dass es so gekommen ist, wie es jetzt ist.
Hinfallen hat einen Sinn und Aufstehen auch. Aber so weitermachen wie zuvor, das wird nicht mehr gehen.
Ich bin kein Fan von Herrn zu Guttenberg, und ich kann, wie die meisten Schreiber hier, mir kein Urteil über ihn erlauben. Denn ich kenne ihn weder persönlich, noch war er lange genug im Amt, als dass mir jetzt schon eine stichhaltige Aussage über seine Fähigkeiten als Politiker möglich wäre. Noch weniger würde ich mir eine Beurteilung seiner Dissertation erlauben, selbst dann nicht, wenn ich die gelesen hätte (was ich nicht habe). Also bin ich auf die Aussagen aus zweiter und dritter Hand angewiesen, wie wohl die Mehrheit derer, die sich äußern. Die aber sind höchst widersprüchlich. Sie reichen von der Behauptung, die gesamte Arbeit sei abgeschrieben bis zur Einlassung, sie enthielte durchaus wissenschaftliche Schlußfolgerungen. Für den Laien jedenfalls ziemlich undurchschaubar.
Aus diesen, nur kurz skizzierten Gründen ist es für mich nach wie vor völlig unverständlich, dass nach Aberkennung des Titels und Rücktritt die Beschäftigung mit dieser und das lautstarke Geschrei um diese Geschichte nichts an Intensität verliert. Und die Boshaftigkeit, die dabei häufig zum Ausdruck kommt, ist beklemmend.
An den Bewertungsskalen ist abzulesen, dass jeder Versuch, sich dieser Affaire zurückhaltend zu nähern, abgeschmettert wird.
charme-intelligenz / vom fressen und gefressen werden
führe wer da will, wir müssen folgen und denken wir wollen.
Schwimme du voran fitter guter Mann !
Es gibt noch Zeichen und Wunder. Einen solchen Beitrag in der FAZ lesen zu dürfen,
haut mich förmlich um. Ich werde meine (Vor)Urteile gegenüber ihrer Zeitung revidieren.
Vielen Dank für den erstklassingen Artikel.
Lang lebe ein solcher Journalismus
Genauso wie Deutschland Bayern braucht, braucht Deutschland auch zukünftig
K.T.z.G.!
Ausgezeichnet (summa cum laude)
Aufgrund seiner treffenden und brillant geschriebenen Art, kann auch ich mich einem lobenden Kommentar nicht entziehen.
Danke an die F.A.Z., dass sie massgeblich an der Aufdeckung dieser Affaire beteiligt gewesen ist. Hier wurde sehr detailliert aufgezeigt, wie ein Herr von und zu, der im Wesentlichen durch die Kunst des Blendens und Taeuschens, mittels eigener Selbstinszenierung und Selbstdarstellung, sich seine Reputation auf Kosten anderer aneignete und letztlich an der eigenen Unzulaenglichkeit zugrunde ging. Eine wirkliche
Eigenleistung war, dem Artikel nach zu urteilen, nie erkennbar.
Erschreckend ist nur, wieviel Wahrheit in diesem Beitrag steckt und wie sehr dies mittlerweile auf die Realitaet zutrifft. Das Geschehene ist sinnbildlich fuer den fortschreitenden Werteverfall in unserer Gesellschaft und spiegelt nur zu sehr den momentan vorherrschenden Zeitgeist wider.
Dieses Land hat seine Tugenden gross gemacht und an denen mangelt es heute mehr denn je. Nun hat die "Hysterie" erst einmal ein Ende. Aber es fragt sich nur, fuer wie lange. Nochmals Vielen Dank fuer diesen exzellenten und mutigen Beitrag Herr Zastrow. Weiter so. Vielleicht bin ich ja der Naechste, den Sie zu Fall bringen.
Das System nutzen oder vom System benutzt werden.
Jeder Berufstätige muss diese Alternative täglich abwägen, neu justieren - eine langfristige Positionierung mit sich selbst aushandeln. zG hat sich auf seinem erfolgreichen Lauf ab einem gewissen Punkt für ersteres entschieden. Er ist grandios gescheitert, als zweiteres mächtiger war, als sein bedingungslos betriebener Ego-Trip.
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Aberwitzig, dass die Vorwürfe der „Hexenjagd“, vorgetragen vom zG-Clan und seinen Fans, von Ihnen selbst an ihrer Ikone vollstreckt wurde. Keiner hat ihn gewarnt oder eingebremst. Stattdessen haben sie mit ihren beiden Barbie-Puppen rücksichtslos das fahrlässige „game-of-no-return“ mitgespielt. Spielrausch, aus dem sie trotz Stopp-Schilder der Gegner nicht erwachen wollten. Bis das auf Balance eingestellte grosse System-Pendel die Korrektur erzwang.
vdLeyen geht als Lilly durch, die Mutter der Barbie-Family. Die Parallelen sind frappierend: Wenig Substanz, überbordende PR-Maschinerie - fremdgesteuerte Puppen für die perfekte Illusion der Zielgruppe Bildungsarm. Im web heisst sie vdLügen.
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Der Artikel ist Benchmark, was der Autor natürlich weiß. Kompetenz und Selbstreflexion sind die Kriterien, um in einem großen Spiel durchzublicken und unbeschadet in den vorderen Rängen mitzuspielen. Danke.
Rücktritt und Verklärung des Freiherrn zu G.
Herrn Volker Zastrows brillianter Artikel bekräftigt mich in meiner – ich gestehe: täglichen – Praxis, ein aktuelles Exemplar der FAZ zu erwerben, dies ungeachtet der prononcierten Aversion, die der eine oder andere ihrer redaktionellen Beiträge mir immer mal wieder verursacht. Herrn Zastrow ist eine flotte Ganzkörperschlachtung gelungen, real begangen an Ken, virtuell an dessen realem Widergänger, dem forschen Freiherrn. Zu den Mythen, die Bild und RTL, das Tittenblatt also und der Sender für Spanner, in Mittäterschaft pinselten, gehört der von der Aufrichtigkeit dieses Mannes. So soll er sich "vor seine Soldaten gestellt" haben. Alles Operette: zu Talkshow-Komparsen hat er sie gemacht, und als man ihn coram publico als Fälscher decouvrierte, beschwor er "Tod und Verwundung von 13 Soldaten" (O-Ton), denn die, na immerhin, waren wirklich und echt. Herhalten durften sie als menschliche Schutzschilde, als Requisiten für das Lamento aus Rücktritt und Verklärung, das seine verweinte Abtrittsrede war. Sie kamen - man scheut sich, es zu sagen - offenbar gerade recht: Als er unter (mediales) Feuer geriet, stand er nicht vor seinen Soldaten, er ging in Deckung hinter ihnen. Aufrecht war das nicht und gewiß nicht mutig. Im Gegenteil.
Was mich an dem Ganzen wirklich stört,
ist das Ungleichgewicht der Kräfte.
Ein Journalist kann einen Politiker so niederschreiben, daß er zurücktreten muß.
Kann ein Politiker dies auch ?
Ich glaube nicht.
Zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Journalisten bzw. die Medien schießen aus der sicheren Deckung, persönliche Risiken sehe ich keine.
Genauso wie Deutschland Bayern braucht, braucht Deutschland auch zukünftig
junge moderne Politiker a la K.T.z.G.!
Die STA sollte bei Fischer-Lescano nachfragen,
worin der "wissenschaftliche Ertrag" der Guttenbergarbeit besteht? Und ob dieser die Verleihung des Dr. Titels nicht begründet?
Fischer-Lescano bestätigt schließlich in seiner sog. Rezension, dass er einen "wissenschaftlichen Ertrag" erkannt hat - auch wenn er diesen als 'bescheiden' kritisiert.
Überhaupt auffallend ist, dass sich der Inititator des "Skandals" mehr oder minder geschickt davor drückt, eine inhaltliche Aussage über den von ihm bestätigten -aber nicht benannten- "wissenschaftlichen Ertrag" zu machen.
Auch Wikipedia meint, in einer Rezenssion "werden ... INHALTE wissenschaftlicher Erkenntnisse .....beschrieben, analysiert und bewertet."
Es scheint, der Herr Professor Fischer-Lescano ist noch nicht mal genau, was eine Rezension ist. Schließlich fehlt in seiner sog. Rezension das bestimmende Merkmal -eine INAHLTSbeschreibung, -analyse und -bewertung. .
Statt eine Rezension abzuliefern, reduziert Fischer-Lescano seine "Arbeit" auf die (etwas kleingeistig, erbsenzählerhaft wirkende) Feststellung, Benennung und Denunziation einiger Formfehler, die nicht "lege artis" entsprächen. Seine eigene "Arbeit" jedoch ist ebenfalls weit entfernt von "lege artis".
Nachfragen bei Fischer-Lescano sind also mehr als angezeigt.
Dem Mehrheitsvotum über Herrn Zastrows Artikel hier im Forum kann ich mich nur anschließen. Ein Lob auch für die journalistische Selbstkritik, zumal die Regeln des Pingpong zwischen Politik und Medien in der Regel nur den Insidern bekannt sind. Immerhin: Volker Zastrow und mit ihm die FAZ/FAS-Redaktionen haben die Möglichkeit, über das hier Angedeutete hinaus die manipulativen Strukturen der deutschen Medienlandschaft künftig noch weitaus genauer, systematischer und kritischer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht ahnen sie gar nicht, wie nötig ein solcher kathartischer Prozess für die gesamte Republik ist - und wie groß das Verdienst, ihn in Gang gebracht zu haben, demzufolge sein würde.
»Wie klein ist das, was einer ist,
Wenn man’s mit seinem Dünkel misst.«
(Wilhelm Busch)
Ich denke, im Bezug auf die Psychodynamik zwischen Lichtgestalt und Gefolgschaft liegen Sie alles andere als falsch. Ich denke auch, dass sich ein Vergleich mit dem Kachelmann-Prozess empfiehlt. Dort ist zwar noch nicht klar, wer Täter und wer Opfer war, für die Unmengen von groupies aber scheint es definitiv klar zu sein.
Genauso wie Deutschland Bayern braucht, braucht Deutschland auch zukünftig
K.T.z.G.!
Der Artikel ist sehr gut.
MfG
HFriesen
Sie haben mit Ihrem leidenschaftlichen essay eine gunst genutzt. Grosser dank! Doch die kühe weiden weiter. Was mir aufstößt, ist der gedanke, dass G nun eine chance erhalten hat, in einer zukunft x als büßer dazustehen. Es kommt mir so vor, als ob dies eine gefährliche variante darstellt. Ich unterstelle ihm zwar keine bösen absichten, aber es graut mir vor der rückkehr dieses mannes aus der „festungshaft“.
Bin ich hier bodenlos? Dieser mann ist, und das ist das bedrohliche, gefangener seiner selbst - dies legt mir schon sein sich-selbst-zunicken unmittelbar nach dem verlesen des letzten wortes bei seiner rücktrittsrede nahe. Inwieweit er sich befreien wird, dürfte daher entscheidend für den ausgang dieses dramas sein. Ich neige zwar dazu, anzunehmen, dass er als politiker verbrannt ist, doch nachdem ich jetzt gefühlt habe, was mir bislang unbegreiflich war, nämlich wie es in den 30ern passieren konnte…, halte ich diese einschätzung lieber erstmal nur auf abruf.
Es ist eine binsenweisheit, dass fast niemand mehr „ehrlichkeit“ von politikern erwartet, aber diesem umstand verdankt G ja gerade seinen status! Was wäre, wenn es ihm gelingen sollte, die verheerung, die er angerichtet hat, als eine von ihm begriffene darzustellen?
na klar war der Rücktritt gut, eigentlich zu gut ....
.... was kann man jetzt noch meckern ?
ach so, er war zu langsam, ja so ein Skandal.
Trotz des leichten Hängers in der Mitte ein ganz hervorragender Artikel. Nicht nur billig empört (in diese Pose werfen sich in diesen Tagen viele), sondern durchdacht, gut argumentiert, gut geschrieben. Danke!
Volker Zastrow Jahrgang 1958, verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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